Bevor i geh‘.

Bald ist es soweit! Das Konzertereignis des Jahres steht vor der Tür. Wer spielt? Bob Dylan? Die Rolling Stones? Sir Paul McCartney?

Nein, S.T.S.!

Manche denken bei dem Kürzel „S.T.S.“ an die Space Shuttle Missionen der NASA, manche denken an Subway to Sally, aber ich denke an Steinbäcker, Timischl und Schiffkowitz, die vielleicht bekannteste Formation des Austropop.

Am 21.10. werde ich die drei Herren in der Bamberger Stechert Arena vor ausverkauftem Haus (irgendwas zwischen 6.000 und 8.000 Menschen; Wahnsinn!) endlich wieder live sehen. Bereits 2004 und 2007 hatte ich das Glück die Band bei ihren letzten beiden Auftritten in Würzburg zu sehen. Leider spielen sie während der aktuellen Tour aber nur in größeren Hallen, weshalb ich mich mit drei Freunden nach Bamberg begeben werde.

Den meisten Leuten sagt der Bandname allein erst mal gar nichts. Wenn man dann – gezwungenermaßen – die beiden „größten Hits“ nennt, erntet man zumeist ein wissendes „ahh…“: „Fürstenfeld“ und „Großvater“ dürften den meisten Menschen von Fasching (für die Nordlichter: Karneval), Aprés-Ski und sonstigen tumultartigen Feierlichkeiten bekannt sein. Leider wird das aber der Band nicht im Ansatz gerecht, weshalb ich hier meine Liebe zu dieser Gruppe ein wenig erklären möchte.

Wie bereits gesagt, sind STS mit die wichtigsten Vertreter des Austropop. Ich kann diese Stilrichtung nicht wirklich gut definieren und außerdem trifft sie das musikalische Wirken der Band auch nicht vollumfänglich.

Die Musik von STS reicht von grandiosen, getragenen Balladen, über eingängigen Pop-Rock bis hin zu klassischem Rock’n’Roll. Oft klingen ihre musikalischen Vorbilder deutlich durch (hauptsächlich Beatles und klassischer 60er Jahre Folk und Rock), was auch durch zahlreiche „Cover“-Versionen bekannter Stücke (dabei werden die Lieder immer in österreichischem Dialekt gesungen) unterstützt wird. Zumeist aber haben die STS-Songs einen ganz eigenen, sehr melodischen und musikalisch anspruchsvollen Klang. Die drei sind zwar eigentlich nur ein Gitarren-Trio, beherrschen ihre Instrumente aber hervorragend und haben auf der Bühne, wie auch im Studio immer exzellente Bandmusiker dabei, wodurch sie von einer einfachen Klampfentruppe weit entfernt sind. Ihr nachahmenswerter Harmoniegesang tut sein Übriges dazu.

Eine der bekanntesten, und in meinen Augen auch eine der besten dieser genannten Cover-Versionen ist „Gö, du bleibst heut Nacht bei mir“. Das Original stammt aus dem Jahr 1969, wurde von Kris Krsitofferson geschrieben und heißt „Help Me Make It Through The Night“. Die STS-Version ist wahrscheinlich eines der außergewöhnlichsten Cover dieses Titels, aber bestimmt eines der besseren.

Ein Beispiel für die wunderbaren, melodischen Balladen ist der Titel „Unser letzter Tag“. Es ist ein unwahrscheinlich schönes Lied. Gitarre, Gesang, Streicher; allein die Instrumente versprechen Großes. Das Stück handelt von Abschied. „Vielleicht ist heute unser letzter Tag“. Ich bekomme jedesmal eine Gänsehaut, wenn ich den Titel höre. Ich kann mich kaum noch erinnern, wie es war, als ich das Stück 2007 live gehört habe, aber es ist mit Sicherheit eines dieser wenigen Stücke, die ein Publikum von tausenden Menschen für ein paar Minuten zum Schweigen und Schwelgen bringen können.

Ein letztes Beispiel ist einer jener Songs, der für STS so typisch ist und zugleich – hoffentlich – deutlich macht, weshalb man diese Band einfach lieben muss. „Kalt und Kälter“ kann man stilistisch vielleicht unter Pop-Rock einordnen; für Rock nicht hart genug, für Pop zu komplex. Textlich bewegen sich STS hier auf einem für sie typischen Terrain: Es geht um das Leben, das Altern, die geistige Reifung. Und um Kritik.

„Im Fernsehen sag’n Politiker, wie schwer es is uns zu regier’n / Dann siehst, wie in Äthiopien die Kinder wie die Flieg’n krepiern / I spür zwar an ganz leisen Schock, doch mit’n Pivo in der Hand / Denk i: Was soll i ändern an die Probleme von an so fremden Land.“

Gesellschaftskritik, wie sie in so vielen STS-Songs zu hören ist. Sie vertreten damit nicht unbedingt immer meine Meinung, aber ich bin fasziniert von dieser Stringenz und Eloquenz. Anti-Atom-Songs aus den 80ern singen sie heute auf ihren Konzert mit mindestens so viel Herzblut und Verve, wie sie es als junge Burschen getan haben. Ungerechtigkeit und Krieg nerven sie so sehr, wie es ihre Nerven eben noch zulassen.

Und zu guter Letzt ist „Kalt und Kälter“ einfach ein Höhepunkt eines jeden STS-Konzertes. Das Video wurde bei der 2007er Tour (die ich in Würzburg gesehen habe) in der Münchner Olympiahalle aufgenommen. Die Qualität ist zwar bescheiden, aber vielleicht springt ein wenig von der Stimmung über, die im Saal herrschte. Einfach unbeschreiblich.

Als ich 2004 das erste Mal mit einigen Freunden beim STS-Konzert war, waren wir mit weitem Abstand die jüngsten Besucher (zum Zeitpunkt meiner Geburt waren einige der größten STS-Lieder bereits veröffentlicht). Die meisten stammten ungefähr aus der Generation der Musiker selbst und hätten somit auch locker unsere Eltern, wenn nicht unsere Großeltern sein können. Und das wird dieses Jahr auch wieder so sein. Auch deshalb wird es daher die letzte Tour der drei Herren aus der Steiermark sein; ab einem gewissen Alter ist Rücktritt keine Schande mehr 😉 Damit geht ein kleines, ganz feines Stück Musikgeschichte zu Ende.

Und für dieses Stück Musik sage ich ganz einfach: Danke Jungs!

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