Gottschalks Glaubenszeugnis.

Der SPIEGEL hat in der heutigen Print-Ausgabe ein ganz wunderbares Interview mit Thomas Gottschalk. Darin geht es – und ich will sagen: Zum Glück! – nicht um seinen Nachfolger bei „Wetten, dass…?“, oder seine zukünftigen Aktivitäten im Fernsehen, sondern um seinen Glauben.

Thomas Gottschalk ist gläubiger, praktizierender Katholik, woraus er auch nie ein Geheimnis gemacht hat; obgleich man das aus dem Internet so herauslesen könnte („SPIEGEL: Einige wird überraschen, dass Gottschalk ein religiöser Mensch ist.“). Gottschalk ist mit diesem Glauben aufgewachsen und war, wie etliche andere Personen des öffentlichen Lebens auch, in seiner Kindheit und Jugend Messdiener. Diese Geschichte teilt er beispielsweise mit Harald Schmidt, Jürgen von der Lippe, Mario Barth oder auch Joachim Löw.

Der SPIEGEL wollte mit Gottschalk offen über dessen Glauben sprechen und hat auch ein ganz formidables Interview dazu hingelegt (Interviewer war Markus Verbeet). Ich halte dieses Gespräch – vor allem Gottschalks antworten – für eines der besten Glaubenszeugnisse der jüngeren Vergangenheit.

Grundlegend über seine Beweggründe des Glaubens befragt antwortet er:

„Ich bin mit diesem Glauben aufgewachsen und habe bisher keinen Grund gehabt, ihn aufzugeben. Ich bin sogar davon überzeugt, dass ein gläubiger Mensch und ein fröhlicher Mensch nicht nur deckungsgleich sein können, sondern sogar deckungsgleich sein sollten. Evangelium heißt ja Frohbotschaft – das nehme ich ernst.“

Allein schon diese Worte drücken sehr viel Wahrheit aus.

Einem reichen Menschen wie Gottschalk, der sich um seine Existenz und die seiner ganzen Familie schon seit Jahrzehnten keine Sorgen mehr machen muss, könnte man unterstellen, dass er einen bodenständigen Katholizismus, wie er ihn für sich reklamiert, gar nicht ausleben kann, oder will. Auch hier folgt eine äußerst prägnante Antwort:

„Egal wo – in meiner persönlichen Umgebung versuche ich, eine wesentliche Anforderung des Christentums zu erfüllen: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“

Damit bringt er nicht nur eine wesentliche Anforderung, sondern die wesentliche Idee des Christentums auf den Punkt.

Natürlich geht Gottschalk auch auf seine persönliche Glaubensgeschichte und die Kinder- und Jugendzeit in der katholischen Jugend ein. Und getreu dem Motto „if there’s an elephant in the room, introduce him“ lenkt er das Gespräch selbst auf das allgegenwärtige Missbrauchsthema und darauf, dass er in seinem Leben nie derartige Erfahrungen gemacht oder beobachtet hat; wie die allermeisten anderen katholischen Jugendlichen eben auch. Dennoch ist dieses Thema natürlich vor allem auch für Gläubige sehr belastend und zuweilen schwer zu ertragen. Gottschalk liefert ein sehr einfaches Rezept:

„Ich habe immer zwischen göttlicher Allmacht und menschlichem Unvermögen getrennt.“

Besonders sympathisch ist mir auch seine Einstellung zur Ästhetik des Katholizismus. Im Gegensatz zum Protestantismus, wo das Wort des Evangeliums im Mittelpunkt stehen soll, baut die katholische Liturgie sehr bewusst auf prachtvolle Gestaltung und ein Glaubenserlebnis mit allen Sinnen. Und ich teile die Meinung von Gottschalk uneingeschränkt, wenn er sagt, dass „so ein Te Deum mit Orgel fortissimo (…) dich dem lieben Gott eventuell ein Stückchen näher (bringt) als die Tasse grüner Tee mit dem Studentenpfarrer.“ So ist es!

„Es geht halt nichts über eine Mozart-Messe in der Theatinerkirche. Außer vielleicht das Verdi-Requiem im Petersdom.“

Damit bringt Gottschalk eine konservative, bodenständige Glaubensauffassung zum Ausdruck. Noch immer zieht es viele Menschen gerade deshalb in die katholischen Messen, da sie sehr stark von Symbolik und Formensprache geprägt sind. In einer einfachen, katholischen Wochentagsmesse stecken so viele unbeachtete Details, dass man selbst nach Jahrzehnten noch Neues entdecken kann. Das wiederum ist aber auch ein Scheidepunkt, da viele, wenig mit der traditionellen Kirche verbundene Menschen diese Liturgie für mit Symbolen überfrachtet halten. Während also viele Leute gerade wegen dieser Pracht in die katholische Messe gehen, wird sie gleichzeitig von vielen Menschen gemieden, die sie diese „Ablenkung“ vom Wort nicht wertschätzen können. Ich kann letztere Gruppe zwar grundsätzlich verstehen, sehe mich aber auf jeden Fall auf Gottschalks Seite.

Ein letztes Zitat ist die für mich vielleicht wichtigste Aussage dieses Interviews. Es dient nicht vorrangig dazu, den persönlichen Glauben zu erklären. Vielmehr ist es ein Aufruf an alle, die nicht glauben, gläubige Menschen in ihrem Handeln zu unterstützen, auch wenn die Beweggründe andere sein mögen. Auf die Frage, ob er sich mit seinem Glauben an das Ewige Leben den sicher sei, antwortet Gottschalk:

„Nein, wie sollte ich? Ich sage mir nur: Wenn das alles aus wäre und ich mich, wie viele andere Menschen vor mir, getäuscht haben sollte, habe ich nichts zurückzunehmen.“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s