Halbzeit.

Es ist Halbzeit. Also fast genau zumindest. Die Fastenzeit ist jetzt zwanzig Tage alt. Ich wollte eigentlich erst den Begriff „Bergfest“ verwenden, aber das erschien mir jetzt nicht ganz passend. Immerhin ist ja der Höhepunkt dieser Zeit nicht die Mitte, sondern das Ende.

Kurze Erläuterung für ungeübte: Als Fastenzeit, oder auch vorösterliche Bußzeit, bezeichnen die christlichen Kirchen (wobei die Bezeichnungen etwas auseinander gehen) die 40 Tage vor dem Osterfest. Der Sinn des Fastens in dieser Zeit besteht in einer intensiveren Vorbereitung auf das höchste Fest der Christenheit (das ist nämlich nicht Weihnachten, wie die Geschäftswelt uns vielleicht glauben machen will).

Diese ganze Idee ist natürlich sehr alt und wird heute auch kaum noch gepflegt. So streng, wie es vor ein paar Jahrzehnten noch der Fall war, begeht diese Zeit wohl kaum noch jemand. Ich geb mir aber alle Mühe, diese 40 Tage für mich möglichst gewinnbringend zu nutzen. Im Kern bedeutet das zunächst einmal: 40 Tage kein Fleisch.

Was jetzt die Essensauswahl mit Glaubensinhalten zu tun hat, muss man nicht unbedingt verstehen. Aber tatsächlich hat der Verzicht auf so etwas Elementares wie Fleisch auch eine große geistige Komponente. Wenn man nämlich bei jeder Mahlzeit (und auch bei allen Snacks, Zwischenmahlzeiten, Mal-eben-in-den-Kühlschrank-schau-Gelegenheiten, etc.) sich selber daran erinnern muss, dass ein nicht unerheblicher Teil der Möglichkeiten ausscheidet, stellt man sich automatisch öfter mal die Sinnfrage.

Effektiv isst man einfach nicht so gedankenlos, wie das sonst der Fall ist. Ganz ehrlich, wie oft essen wir irgendetwas ohne auch nur einen Moment darüber nachzudenken? Wahrscheinlich die allermeiste Zeit. Aber so kommen immerhin 40 Tage im Jahr zusammen, an denen man etwas bewusster mit dem Thema umgeht. Abgesehen davon ist es wahrscheinlich auch viel gesünder; wobei mich das nicht wirklich interessiert.

Um die reine Tatsache, dass ich mich als Katholik auf das Osterfest vorbereite, geht es mir beim Fasten also vielleicht nicht hauptsächlich. Zu dieser Vorbereitung kommen ja noch ein paar andere Aspekte hinzu. Insofern darf ich das nicht nur als christliche Glaubensübung weiter empfehlen, sonder als reichlich Gewinnbringende Aktion für Jedermann.

Um eines mal klar zu stellen: Ich könnte niemals komplett vegetarisch leben und habe auch noch nie verstanden, weshalb Menschen so etwas tun. Der grundsätzliche Verzicht auf Fleisch, oder sogar gänzlich auf tierische Produkte ist für mich absolut nicht nachvollziehbar und im Grunde widernatürlich. Aber sei’s drum, muss ja irgendwo jeder selbst wissen. Die paar Wochen jedes Jahr kann man das aber schon mal machen. Und es bringt was. Weil man einfach mal eine Zeit lang einen besonderen Akzent für sich persönlich setzt, ohne gleich am Alltag drehen zu müssen. Und außerdem wird dadurch das Fastenbrechen zu Ostern gleich ein viel schöneres Fest!

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