Das Gesicht der Gemeinde.

Ich bin einer der Verantwortlichen für die Öffentlichkeitsarbeit in unserer Gemeinde. Da ich mit Pfarrbrieferstellung etc. eher weniger zu tun habe, kümmere ich mich aktuell in erster Linie darum, eine ordentliche Webpräsenz für die Gemeinde auf die Beine zu stellen. Darunter verstehe ich natürlich zunächst die aktuelle Bereitstellung möglichst vieler Informationen (klassische Website), aber vor allem auch die Schaffung einer direkten Kommunikationsmöglichkeit. Man kann das Pfarrbüro natürlich schon seit langem per eMail erreichen, aber das Internet bietet uns da heute wesentlich mehr Möglichkeiten, die auch genutzt werden wollen.

Die klassische Internetseite ist noch im Werden und braucht noch einige Stunden Arbeit, bis sie halbwegs veröffentlichungsfähig ist. Jeder, der schon mal eine Seite geplant und aufgebaut hat weiß: Das braucht vor allem viel Zeit. Und nachdem ich allergrößtenteils alleine daran arbeite, geht’s natürlich auch nicht unbedingt schneller. Aber gut, damit muss man leben. Hauptsache, am Ende kommt was Schönes dabei raus.

Um diese Zeit zu überbrücken, aber auch um diesen Punkt der direkten Kommunikation besser zu bedienen, habe ich vor einigen Tagen eine Fansite im Facebook für die Gemeinde angelegt. Das geht relativ schnell und unkompliziert. Außerdem kann ich bspw. im Facebook wesentlich einfacher weitere Administratoren zur Pflege hinzuziehen.

Ich bin jetzt die Tage über einen Beitrag auf kirche20.at gestoßen, der zu einer Blogparade zu eben diesem Thema aufruft. Hab ich mir gedacht: Da mach ich doch glatt mit. Daher will ich mal den dort gestellten Fragekatalog durcharbeiten:

Was kann mit einer Facebook-Page einer Pfarrgemeinde oder der Präsenz von tragenden Pfarrmitgliedern im sozialen Netzwerk erreicht werden?

Ich kann dieses ständige Gerede von Niederschwelligkeit zwar nicht mehr hören, aber hier darf man vielleicht doch mal davon sprechen. Die weitaus meisten fb-Nutzer haben eine sehr niedrige Hemmschwelle irgendetwas zu liken, oder mal eben einen Kommentar zu hinterlassen. So kann man als Pfarrgemeinde einen Kontakt zu Leuten herstellen, die man sonst wohl nie mal in der Kirche sehen würde. Wichtiger finde ich aktuell aber noch die interne Kommunikation, die durch das fb deutlich erleichtert wird.

Wo liegen die Chancen und wo die Grenzen?

Wie gesagt, ich sehe große Chancen für eine grundlegend bessere Kommunikation. Die Grenzen sind aber auch direkt klar: Wer nicht im fb angemeldet ist, nimmt an der Kommunikation nicht teil. Das bedeutet einerseits, dass man klassischere Kommunikationswege immer auch parallel bedienen muss. Andererseits bedeutet das unter Umständen aber auch qualitative Unterschiede in der Kommunikation. Eine schriftliche Diskussion im fb geht halt im Zweifelsfall nicht ansatzweise so tief, wie ein face-to-face-Gespräch in der Gemeinde. Insofern kann man also mit vielen Leuten zwar schneller ins Gespräch kommen, aber zu einer wirklich qualitativen Auseinandersetzung, gerade wenn es um Seelsorge gehen soll, taugt das Facebook einfach nicht.

Was sind Kritierien für den Erfolg?

Kann ich schlecht sagen, da ich bisher nicht von einem Erfolg unserer Seite sprechen mag (dazu später noch ein paar Sätze). Aber ich glaube, dass zwei Punkte für eine potenziell „erfolgreiche“ fb-Seite erfüllt sein müssen: Es müssen möglichst alle im Facebook vertretenen Gemeindemitglieder die Seite kennen, bzw. liken und dann auch nutzen. Eine Seite, die kaum Fans hat und auf der kein Dialog stattfindet, ist relativ unnütz.

Welche Effekte hat eine ein Facebook-Page? Wie verändert sich die Pfarrgemeinde damit?

Siehe vorherige Antwort. Ich kann mir aber kaum vorstellen, wie eine fb-Seite die Pfarrgemeinde in irgendeiner Weise verändern soll. Allein zahlenmäßig ist das unrealistisch. Wir haben hier in der Gemeinde round and about 7.000 Katholiken, inklusive aller Taufscheinkatholiken. Ich kann mir kaum vorstellen, dass die fb-Quote der Katholiken, die auch eine innere Verbindung zur Kirche haben, fünf Prozent erreicht, bzw. sogar übersteigt. Einen Effekt kann die Seite deswegen natürlich trotzdem haben. Siehe ebenfalls vorherige Frage.
Ein anderer Gedanke: Kann Facebook, bzw. können die sozialen Netze nicht sogar eine neue Gemeinde bilden? Ich bin gewiss kein Freund solcher Dinge, wie Online-Andachten. Aber ich merke doch in verschiedenen Bereichen des Netzes, dass sich dort eigene Formen von Gemeindlichkeit entwickeln. So wird sich per Facebook vielleicht keine Parallelgemeinde entwickeln, aber neue Formen des gemeindlichen Zusammenlebens, die es dann nur im Facebook gibt, kann ich mir schon vorstellen.

Welche Rolle spielt Facebook im Medienmix einer Pfarrgemeinde? Wie „spielt“ Facebook mit der Homepage der Gemeinde zusammen?

Unsere fb-Seite wird im Medienmix eine nicht ganz unwichtige Rolle spielen. Der Umgang mit Facebook als Kommunikationsplattform ist zumindest in der Jugend der Gemeinde schon recht gekonnt (siehe nächste Frage). Ich bin davon überzeugt, dass eine gute Öffentlichkeitsarbeit heute ohne den Einsatz sozialer Medien nicht mehr auskommen kann. Das ist in erster Linie Facebook, natürlich aufgrund der Nutzerzahlen, aber ich halte auch twitter für sehr sinnvoll und hilfreich. Hinzu kommen weitere Tools und Plattformen, wie flickr, Youtube, etc. Dabei sollen natürlich Auftritte im social web nicht einfach nur stumpfe Kopien bereits bestehender Inhalte sein.
Nachdem unsere eigentliche Website noch in Planung ist, kann ich hier nur von der Zukunft sprechen. Aber ich kann auch schon sicher sagen, dass die Inhalte nicht deckungsgleich sein werden. Natürlich wird die fb-Seite oft auf die Website verweisen, umgekehrt aber eher nicht. Auch wenn die fb-Seite komplett öffentlich angelegt ist, werden Nichtnutzer diese nicht wirklich oft anschauen. Ich hoffe also, dass sich die verschiedenen Netzauftritte positiv ergänzen werden. Für den gesamten Medienmix gilt das natürlich auch. Das wird die Zeit zeigen.

Wo gibt es Beispiele für einen erfolgversprechenden Einsatz von Facebook für eine Pfarrgemeinde?

Wie ja schon bei der vorherigen Frage angesprochen nutzt unsere Pfarrjugend Facebook bereits seit einiger Zeit recht erfolgreich. Dabei geht es in der Hauptsache um eine geschlossene Gruppe, in der die Jugendgruppenleiter mit einer relativ hohen Frequenz mit einander in Kontakt treten. Dabei geht es zumeist um Veranstaltungsplanung. Allerdings kommt auch mal ein lockerer Gedankenaustausch zustande, was ja letztlich auch Hauptzweck dieses Netzwerkes ist.
Ich halte das in der Tat als ein gutes Beispiel für den erfolgreichen Einsatz von Facebook. Für die fb-Seite der Gemeinde heißt es damit natürlich, an diesen Erfolg anzuknüpfen. Dazu bedarf es aber vielleicht auch eines Umdenkens, denn bei vielen Themen haben die Leute starke Hemmungen eine öffentliche Diskussion darüber zu führen. Gerade bei Veranstaltungsplanungen geht es oft sehr geschlossen zu. Dabei birgt ja gerade eine große Öffentlichkeit der eigenen Aktivitäten die Chance, auch neue Menschen zu gewinnen.

Welche auf die Pfarrgemeinde bezogenen Tipps würdest Du anderen FacebookerInnen [sic!] mitgeben?

Zunächst mal: Diese Unart des Binnen-I halte ich für eine böswillige Vergewaltigung der deutschen Sprache! Ich verurteile das zutiefst.

Zur Frage: Nachdem unsere fb-Seite noch sehr jung ist und bisher erst 22 Fans hat, kann ich (noch) keine Tipps geben. Umgekehrt bin ich aber natürlich für hilfreiche Hinweise sehr dankbar!

So, damit hab ich den Fragenkatalog abgearbeitet. Mehr will ich jetzt zu dem Thema auch nicht schreiben. Ich werde aber vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt mal noch eine Art Erfahrungsbericht zu dem Thema verfassen.

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3 Gedanken zu “Das Gesicht der Gemeinde.

  1. Kennen Sie DIE schon? http://bloggerliste.blogspot.de/ Die "Blogoezese", einen offenen Zusammenschluss von katholischen Bloggern, denen ihr Glaube wihtig ist, gibt es auch bei fb… Vielleicht sind ein paar interessante Blogs für Sie dabei… Liebe Grüße, Gottes Segen und weiterhin viel Erfolg!

  2. Lieber "Frischer Wind". Zunächst mal herzlichen Dank für den Kommentar und die Wünsche! Ich bin seit einigen Wochen so ein wenig mit der Blogoezese in Kontakt, da ich einige der Blogs mittlerweile regelmäßig und sehr gerne lese (bspw. Klosterneuburger Marginalien, Echo Romeo, etc.). Ich habe die Tage auch das Bloggertreffen in Freiburg mit viel Interesse verfolgt; leider habe ich aber erst Mitte letzter Woche davon erfahren, sonst hätte ich sicher über eine Teilnahme nachgedacht. Ich werde auf jeden Fall mal die Liste noch etwas genauer durchforsten. Der ein oder andere Blog wird dann bestimmt noch in meinem Reader landen.Vielleicht erschließe ich mir dadurch dann ja auch ein neues Publikum 😉 Beste Grüße,Kilian Martin

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