Schmeicheleien.

Ich habe hier kürzlich einen Beitrag veröffentlicht, der mich im Nachgang in verschiedener Weise beschäftigt hat. Die Tatsache, dass er bisher der meistgelesene Beitrag in der Testphase war (also bezogen auf die Zeit, die er online ist), spielt dabei nur am Rande eine Rolle. Viel wichtiger waren für mich vereinzelte Reaktionen von Lesern, die den Beitrag gerne geflattert hätten. Leider habe ich nur kein flattr-Konto.

Meine Antwort darauf war, vielleicht etwas voreilig und unüberlegt, recht abweisend. „Hab ich nicht, brauch ich nicht“. Trotzdem hab ich mich dann etwas mit der Thematik beschäftigt.

Was flattr überhaupt ist, war mir schon durchaus bewusst. Nur wie das genau funktioniert und was man dazu sonst noch wissen sollte, hab ich mir jetzt erst angelesen. Und natürlich hab ich mir dann gedacht „hm, gute Sache. Sollte man mitmachen. Werd ich mich bei gegebener Zeit noch mal drum kümmern.“ Vielleicht etwas arg faul, diese Herangehensweise, aber so war das nun mal.

Jetzt wollte es der Zufall aber so, dass ich mir am Wochenende mal ein bisschen angeschaut habe, was bei der letztjährigen re:publica so los war. Ich werde Anfang Mai zur diesjährigen re:publica fahren, da wollte ich einfach wissen, was mich so ungefähr erwartet. Ich habe dann gesehen, dass Social Payment und Crowdfunding bei der rp11 doch recht große Themen war. Dazu kann man sich bei YouTube auch ein sehr interessantes Panel mit Markus Beckedahl, Tim Pritlove, Ulrike Langer und Richard Gutjahr anschauen.

Zumindest Tim Pritlove und Richard Gutjahr sind mir ausreichend bekannt und sympathisch gewesen, um mir die dreiviertel Stunde Gespräch anzusehen. Gutjahr erzählte dabei vor allen von seinen Erfahrungen mit Crowdfunding bei seiner Reise nach Kairo während der Revolution. Ich hatte schon damals mitbekommen, dass er diese Reise wohl größtenteils über Spenden und Beiträge von Lesern finanziert hatte. Damals hat mich das aber nicht sonderlich interessiert, bzw. kam es mir etwas sonderbar vor, weshalb er gerade dieses Finanzierungsmodell wählte. Dazu muss man sagen, dass ich als in Bayern lebender Medienkonsument Richard Gutjahr nicht in erster Linie als Blogger, sondern vielmehr als Nachrichtensprecher im ö.-r. Fernsehen kannte. Insofern war bei mir zunächst mal Verwunderung ob der Tatsache, dass er offenbar vom BR nicht anständig bezahlt würde.

Das nur am Rande. Jedenfalls hat diese Debatte meine eigene Auseinandersetzung mit dem Thema flattr wieder aufgemacht. Und ich finde das ganze System noch viel interessanter und unterstützenswerter. Also sollte ich doch eigentlich sofort einen Account anlegen und fröhlich losflattern.

Aber… Ich sehe da ein kleines Problem: Die Reichweite. Und zwar in zweierlei Hinsicht. Erst mal aus der Sicht des Flatterers (heißt das so?): Bei den (privaten) Angeboten, die ich regelmäßig konsumiere, sind relativ wenige flattr-Buttons zu finden. Zumindest fallen mir nicht sehr viele auf. Meine flattr-Klicks würden sich also unter Umständen regelmäßig auf eine Hand voll Leute aufteilen, die ich teilweise dann auch noch persönlich aus diesem realen Leben kenne und denen ich eigentlich, irgendwie, so halt kein Geld geben mag. Zumindest nicht nur relativ sinnlose 20 Cent. Jaja, die Anerkennung… Aber die drückt man doch gerade Leuten, die man schon mal anfassen konnte, nicht übers Konto aus. Oder?

Dann aus der Sicht des Geflatterten (das heißt aber so, oder?): Ich kenne meine Leserzahlen und fürchte, dass der flattr-Button hier eher das Gegenteil seines Names erreichen würde. Ich sehe das auch auf anderen Blogs. Was ist denn schmeichelhaft daran, wenn man zwar unter jedem Artikel einen flattr-Button hat, aber bei jeder Anzeige nur eine „0“ steht?

So. Und was nun? Ich finde flattr eine grandiose Sache, würde das auch für mich selber sofort übernehmen, nur fehlt mir doch der letzte Anreiz, das letzte Argument. Für Hilfestellungen bin ich dankbar!

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5 Gedanken zu “Schmeicheleien.

  1. Mir gefallen Deine Gedankengänge. Ich habe auch sehr lange überlegt, ob ich den Button auch einpflegen soll, doch dann habe ich mich kurz mit einem gewissen Herrn F. Kohl unterhalten und er hat mich mit dem Argument "Kulturflatrate" überzeugt. Selbst wenn eine "0" unter dem Beitrag steht, ist es doch nicht tragisch, deshalb kann der Artikel dennoch für lesenswert empfunden werden. Ich sehe es mittlerweile so: Es ist ein weiterer Feedback-Punkt und es gibt "da draußen" sicherlich Personen, welche einfach Feedback nur über den Button geben wollen. Ich persönlich bin ja auch am besten über Twitter zu erreichen, stell Dir nun vor, es würde diese Möglichkeit nicht geben…. ja, da schauste. 😉

  2. flattr ist natürlich eher etwas für geeks. aber es gibt uns. und wir werden zunehmend mündig. and we are starting to put our money where our mouth is.

  3. @Alexander: Das ist ja gerade ein Punkt, der mich hier ein bisschen stört. Die Idee hinter diesem Social-Payment-Konzept ist ja eigentlich nicht geekig, sondern einfach sozial. Ich zahle sonst liebend gerne für jeden Mist, aber gute Infos sollen immer kostenlos sein. Gut, wir sind davon alle nicht befreit. Ist natürlich immer schön, wenn man was kostenlos bekommt. Aber gerade da ist ja flattr eine großartige Lösung, weil man eben nicht wirklich viel bezahlt und das auch freiwillig tut. Es ist insofern vielleicht geekig, da außerhalb dieser Kerntruppe in diesem Internetz keiner das System kennt. Und genau da hänge ich meine Fragen auf. Will ich zu diesen Menschen gehören? Und gibt es in diesen Kreisen überhaupt genug Content, den ich beflattern könnte? Ich werde mich auf jeden Fall noch mal schlau machen und vielleicht fang ich ja einfach mal damit an. Schaden kanns nicht.

  4. geeks sind halt sozial! wenn du nicht weißt, was du flattrn sollst, dann flattr mal schweinfurtundso 😉 wo ist eigentlich dein flattr button?

  5. @Alexander: Ich hab ja noch keinen flattr-Button, wie du vielleicht aus dem Post herauslesen konntest. ;)Werde aber wie gesagt das doch mal angehen.Und ja, keine Angst, swundso wird dann nat??rlich auch geflattert… 🙂

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