Von Füssen bis Flensburg

Vor einigen Tagen habe ich diesen wunderbaren Blogbeitrag von Margit Appleton gelesen. Sie beschreibt darin zehn Beobachtungen, die ihr Deutschland sympathisch machen.

Der Beitrag hat mir sehr gut gefallen, weshalb ich auf dieses Thema auch mal ein wenig eingehen möchte.

Das mal vorweg: Ich werde hier keine zehn Gründe aufführen, sondern nur fünf. Und diese sind auch nicht so fein, wie im Beitrag von @margit11. Nachdem ich mein ganzes bisheriges Leben in Deutschland verbracht habe, habe ich einfach nicht diese Außenansicht, welche einen so hübsche, kleine Details erkennen lässt (bspw. den Duft in Apotheken).

Die Liste ist nicht geordnet und die Reihenfolge ist nicht wertend gemeint.

Der öffentliche Personennahverkehr. Gott weiß, wieso mir das als erstes in den Sinn kam. Aber tatsächlich ist es so, dass mir im Ausland ein „schlechter“ ÖPNV immer sehr schnell und stark auffällt. Nach meinen bisherigen Erfahrungen gibt es in Europa kaum ein Land, in dem der ÖPNV so organisiert und kundenfreundlich stattfindet, wie das in Deutschland der Fall ist. Was mich oftmals am heftigsten nervt, sind Bushaltestellen ohne Angabe der bedienten Linien, von Fahrplänen ganz zu schweigen. Hierzulande werden sogar kurzfristige Nothaltestellen immer mit dem aktuellsten Zeitplan bestückt. Aus dieser Gewöhnung heraus treiben mich ausländische Nahverkehrssysteme gerne mal in den Wahnsinn. Es gibt aber natürlich auch Gegenbeispiele, wie etwa die Tube in London. Viel besser kann man öffentlichen Nahverkehr kaum organisieren.

Verlässlichkeit. Das auch ein Stück weit mit dem vorhergehenden Thema zu tun. Ich finde es einfach angenehm, dass man sich hierzulande auf sehr, sehr vieles aller meistens wirklich verlassen kann. Ich kann mich darauf verlassen, dass der Bus (mit manchmal sehr wenig Verspätung) zur angegebenen Zeit kommt, ich kann mich darauf verlassen, dass das Amt um acht Uhr pünktlich öffnet (und um 17 Uhr pünktlich schließt), ich kann mich darauf verlassen, dass der Handwerker morgen auch wirklich kommt (irgendwann zwischen 8 und 18 Uhr, versteht sich). Im Gegensatz dazu steht diese laissez-faire-Mentalität gerade der südeuropäischen Länder, die ja oftmals irgendwie als charmant empfunden wird. Ich finde das persönlich eher nervig. Klar ist das „avrio, avrio“ in Griechenland auch irgendwo Teil der Kultur, aber besonders praktisch ist’s irgendwie nicht.

Unsere Geschichte. Die Geschichte des deutschen Staates, bzw. der deutschen Nation ist vielleicht etwas zu sperrig, um die in toto als Pluspunkt zu bezeichnen. Aber ich finde wir Deutschen können zwei Dinge relativ gut: Die positiven Aspekte mit Stolz herausheben, und die negativen Aspekte sorgfältig aufarbeiten. Wir können zu Recht stolz auf unsere Berliner (bzw. eigentlich die Bonner) Republik sein, da sie das Ergebnis eines über hundertjährigen Kampfes republikanischer Demokraten für Freiheit und Menschenrechte ist. Zugleich schaffen wir es, besser als viele, viele andere Völker dieser Erde, unsere dunklen Momente nicht einfach weg zu schließen, sondern sie fundiert und ehrlich zu untersuchen. Freilich tun wir uns da manchmal selbst keinen Gefallen und wirklich „maßstabsgetreu“ läuft das auch nicht immer ab, aber das ist ein anderes Thema.

Offenheit. Ich find, dass wir Deutschen ein sehr offenes und freundliches Volk sind. Ich kann das zwar, wie gesagt, nicht aus der Perspektive anderer Völker beurteilen, aber nach meiner Wahrnehmung ist das so. Wir begegnen jedem Gast mit viel Respekt und Hilfsbereitschaft. Wer als Tourist (oder längerfristig) nach Deutschland kommt, hat wenig Probleme, sich hier wohl zu fühlen. Das ist in anderen Staaten ganz genau so, aber leider längst nicht überall. Um noch mal das Beispiel der südeuropäischen Staaten anzuführen: Es wird gerne die südländische Gastlichkeit gefeiert, die es bestimmt auch gibt, trotzdem bekommt man als Tourist in einem römischen Restaurant (beispielsweise) immer noch eine andere Karte gereicht, als der Einheimische. Der Espresso kostet dann nicht 90 Cent, sondern 2,50 €. Das passt irgendwie nicht, finde ich. Hier spielen dann auch wieder diese Aspekte mit hinein, die ich unter den ersten beiden Punkten genannt habe.

Das Land. Wie auch schon Margit Appleton in ihrem Beitrag bemerkt hat, ist Deutschland wunderbar vielseitig. Wenn man mal (geistig) die A7 komplett von Füssen bis Flensburg entlang fährt, sieht man eine wahnsinnige Vielzahl an verschiedenen Regionen. Hinzu kommt, dass jede dieser Gegenden auch eine sehr eigene Kultur hat, was natürlich geschichtlich zu begründen ist. Diese starke Verhaftung in den traditionellen Regionen finde ich einfach schön. Und sie ist ja nun heutzutage auch nicht mehr so aggressiv, wie das früher der Fall war. Sicher, wir Franken betrachten den „Frei“-Staat Bayern immer noch als Besetzer, aber spätestens bei Bildungs- und Wirtschafts-Politik schlägt auch unser Herz weiß-blau. Sehr witzig finde ich auch, dass dieser deutsche Regionalismus sogar mit ins Exil genommen wurde. In „Little Germany“ im New York des 19. Jahrhunderts haben sich die einzelnen Landsmannschaften innerhalb des deutschen Viertels nochmals in eigene Blöcke unterteil.

„The Bavarians, the largest group of German immigrants in the city by 1860, were distributed evenly in each German ward except the Prussian Tenth. Aside from the small group of Hanoverians, who had a strong sense of self-segration forming their own „Little Hanover“ in the Thirteenth Ward, the Bavarians displayed the strongest regional bias, mainly toward Prussians: at all times the most distinctive characteristic of their settlement pattern remained that they would be found wherever the Prussians were fewest.“

Na, wenn das mal nicht sympathisch ist!

So, jetzt seid ihr dran. Teilt ihr meine Meinung, oder habe ich hier vollkommenen Unsinn geschrieben?

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