Gedanken zur Karwoche.

Man möchte meinen, dass die Werbewirtschaft aus dem Thalia-Vorfall vor ziemlich genau einem Jahr gelernt hat. Die Buchhandelskette hatte im letzten Jahr fröhlich das „Hasenfest“ gefeiert; und völlig zu Recht ordentlich Kritik einstecken müssen.

Und jetzt bekomme ich heute als treuer GMX-Kunde ein dieser unfassbar nervigen Werbemails mit folgendem Inhalt:

Lieber Herr Martin,
freuen Sie sich auch schon so auf Ostern? Bestimmt! Es ist ja auch für jeden was dabei: Ferien für die Schulkinder, ein schönes langes Wochenende für die Arbeitnehmer, viel freie Zeit, (hoffentlich) herrliches Frühlingswetter, bunte Eier und niedliche Häschen und Küken – und natürlich nicht zu vergessen: viele leckere Schlemmereien! Wenn Sie noch auf der Suche nach den passenden Festtags-Rezepten sind, kommt diese Ausgabe Ihres GMX Magazins wie gerufen. Also dann: Gutes Gelingen!

Diese Mail macht mich sprachlos, wütend, angewidert, traurig und fassungslos. Alles zur gleichen Zeit.

(Es ist, denke ich, kein Geheimnis, dass ich gläubiger und praktizierender Katholik bin; will es trotzdem noch mal gesagt haben).

Für diese Beleidigung sollte ich mein Konto bei GMX eigentlich sofort schließen! Nur leider wird das kaum machbar sein. Dennoch, derartige Ergüsse sind eine reine Unverschämtheit! Ich fordere von niemandem, dass er christliche Feiertage in vollem Ernst und Gläubig begeht. Insofern ist Religion natürlich Privatsache. Aber dieser Missbrauch der hohen christlichen Feste ist einfach nur ekelhaft. Weder Ostern, noch Weihnachten sind Kommerzveranstaltungen, sondern Hochfeste der Liebe.

Ich finde es absolut ungehörig wenn Menschen, die mit dem eigentlichen Fest wohl nichts anfangen können, meinen, dass sie dann ja wenigstens finanziellen Profit daraus schlagen könnten. Vielleicht lassen wir uns als Christen in Europa auch einfach nur zu viel gefallen, ich weiß es nicht. Jedenfalls habe ich diese Auswüchse satt!

An Ostern geht es, liebe Freunde von GMX, nicht um Schulferien, verlängerte Wochenende, Häschen und das große Fressen! An Ostern geht es um das Leiden und Sterben und die Auferstehung des Herrn.

Wer daran nicht glauben mag/kann, soll es gerne bleiben lassen, aber dann auch nicht das Fest für seine Zwecke umdeuten. Genauso geht es übrigens an Weihnachten nicht um möglichst hohe Gewinne zwischen 1. und 31.12., sondern um die Menschwerdung des Herrn.

Ich habe grundsätzlich nichts gegen eine gewisse ökonomische Komponente dieser beiden Feste. Es gehört ja auch irgendwo dazu, sich und seinen Lieben zu den hohen Feiertagen die ein, oder andere Freude zu machen. Aber die Reduzierung des Geschehens auf diesen Aspekt ist absolut untragbar.

Das eine ist diese Kommerzialisierung hoher Festtage. Das andere ist die zunehmende Intoleranz in der Gesellschaft gegenüber Gläubigen Menschen.

Wie gesagt, es ist mir relativ gleich, ob die Menschen die christlichen Feiertage in ihrem Sinn ernst nehmen und pflegen, oder anderweitig nutzen wollen. Aber sollte eben jedem klar sein, dass Weihnachten, Ostern, etc. nur aufgrund der christlichen Kultur überhaupt Feiertage sind. Daher sind sie in erster Linie auch religiöse Festtage und nichts anderes. Die Ostertage sind Feiertage, damit Christen ihren Glauben praktizieren können. Fronleichnam ist ein Feiertag, damit (zumindest) Katholiken ihren Glauben praktizieren können. Und so weiter.

Insofern ist es nur recht und billig, dass diese Feiertage dann auch christlichen Maßstäben entsprechend reguliert werden. Ein Tanzverbot an Karfreitag hängt beispielsweise einzig und allein mit der Tatsache zusammen, dass der Staat das christliche Osterfest gezielt in seinen Wertekanon übernimmt und schützt. Und dieser Zusammenhang ist untrennbar. Gäbe es keine Feiertage und keine Schulferien an Ostern, gäbe es auch kein Tanzverbot an den Kartagen. So einfach ist das. Somit finde ich es grundverkehrt die Aufhebung eines Tanzverbotes an Karfreitag zu fordern; mal ganz von der Qualität der Debatte abgesehen. Konsequenter Weise müssten die Kritiker eine komplette Tilgung der christlichen Feste aus dem staatlichen Wertekanon fordern. Von mir aus gerne, dann aber bitte auch nicht meckern, wenn man plötzlich an Weihnachten, Neujahr, Ostern, Pfingsten, etc. arbeiten muss!

So, das war jetzt mal ein kleiner Rundumschlag. Meine Wut hat sich etwas gelegt, das Unverständnis bleibt.

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