Eine großartige Gemeinschaft.

Man sagt ja, dass Ostern und Weihnachten die arbeitsreichsten Zeiten für Geistliche im ganzen Jahr sind. Stimmt natürlich auch, immerhin sind sie die wichtigsten Feste der Christenheit. Dabei ist Ostern wohl noch ein Stück anstrengender, als die Zeit von Heiligabend bis Dreikönig. Aber nicht nur für Priester und „Geweihte“ sind diese Tage sehr arbeitsintensiv, sondern auch für die Gläubigen. Wie für mich zum Beispiel.

Es gibt für mich verschiedene Gründe, weshalb ich in der Woche nach Palmsonntag sehr viele Gottesdienste besuche. Der erste, logischste Grund ist die Tatsache, dass die Gottesdienste der so genannten Heiligen Woche nun mal die wichtigsten des ganzen Jahres sind und man da als Christ „eben hin geht“. Dann hab ich als gewählter Repräsentant natürlich auch irgendwo das Interesse, mich sehen zu lassen. Das ist nicht wirklich ein Grund, in den Gottesdienst zu gehen, aber vielleicht auch ein Grund, verschiedene Aufgaben zu übernehmen.

Und an den Ostertagen übernehme ich viele Aufgaben in den Gottesdiensten. Die wichtigste – und zeitintensivste – ist das Singen. Ich singe im Jugendchor meiner Gemeinde und eine Hand voll Chormitgliedern aus den Männerstimmen bildet eine Schola, die verschiedene Gottesdienste mit einstimmigen, teils alten, gregorianischen Gesängen begleitet. Ein paar andere Aufgaben kommen dann noch dazu, sind aber weniger wichtig. So hab ich in der Zeit von Palmsonntag bis Ostermontag an acht „gottesdienstlichen Feiern“ teilgenommen: Zwei am Palmsonntag, zwei am Gründonnerstag, zwei am Karfreitag, die Osternachtfeier am Karsamstag und der Festgottesdienst am Ostermontag. Mit Ausnahme der Festmesse am Ostermontag – da war ich wirklich als „einfacher“ Gläubiger in der Bank gesessen – hatte ich an allen anderen Feiern irgendeine Aufgabe.

Ich will mich damit nicht rühmen, ich will das einfach mal so sagen. Eine Menge anderer Leute waren nämlich an mindestens genau so vielen Feiern anwesend, bzw. beteiligt.

Kurzer Einschub: In der Zeit von Gründonnerstag-Nachmittag bis nach der Osternacht hab ich auch meine Aktivitäten auf twitter, Facebook & Co. auf ein ungeahntes Minimalmaß zurück gefahren. Anfangs zeitbedingt, hatte ich mir dann gedacht, dass das doch eigentlich gar nicht so schlecht wäre. Und zwei Ergebnisse kann ich für mich festhalten: Es ist mal wirklich erfrischend, nicht ständig manisch den twitter-stream zu verfolgen (und nachzulesen), und es ist verdammt schwer wieder reinzukommen; auch nach so kurzer Zeit.

Aber ich wollte eigentlich auf ein anderes Thema zu sprechen kommen. Natürlich sind die Kar- und Ostertage die höchsten Feste der Christenheit. Und natürlich gehört es für den halbwegs praktizierenden Christen irgendwie dazu, wenn auch schon nicht wöchentlich (oder auch monatlich), so wenigstens an Ostern und Weihnachten „in die Kirche“ zu gehen. Trotzdem bleibt der teilweise überragende Besuch der verschiedenen Gottesdienste in diesen Tage als starker Eindruck bei mir hängen.

Wir sind es gewohnt, dass unsere Kirche mit ihren 500 – 600 Plätzen in der Osternacht gut voll ist (ich hab ehrlich gesagt keine Ahnung wie viele Plätze wir offiziell wirklich haben; musste jetzt grob überschlagen). Dass am Ostermontag aber beinahe genau so viel los ist, war eher nicht zu erwarten. Und dass am frühen Morgen des Karfreitags mal locker 100 Leute zusammen kommen, um bei doch nicht unbedingt bestem Wetter den Kreuzweg durch den Stadtteil zu gehen, ist schlichtweg toll. Und wenn dann noch ein Drittel dieser Teilnehmer Kinder und Jugendliche sind, dann ist das phänomenal.

Die Verantwortlichen der Gemeinde – und dazu zähle ich mich in diesem Fall – freuen sich über solche Besucherzahlen vor allem aus zwei Gründen: Erstens zeigt es, dass in dieser Gemeinschaft Kirche sich noch sehr viele junge Leute wohl fühlen und ihren Beitrag leisten wollen. In der Osternachtfeier waren beispielsweise die allermeisten Beteiligten jünger als 25 Jahre. Und zweitens zeigt es, dass immer noch sehr viele Menschen gibt, die dieser Gemeinschaft Kirche und der Gemeinde vor Ort noch nicht den Rücken gekehrt haben und gerne an den Festen teilnehmen.

Mich freut das auch ganz persönlich. „Die Kirche“ hat in der jüngeren Vergangenheit viel berechtigte Kritik erfahren, wurde und wird aber auch immer wieder auf sehr niedrigem Niveau unsachlich angegangen. Und leider ist es ja gerade die Polemik, die bei den meisten Leuten hängen bleibt. Ich fühle mich da teilweise sehr persönlich getroffen; auch und gerade weil wir – Gläubigen – alle gemeinsam die Kirche sind. Man kann „der Kirche“ keinen Vorwurf machen, ohne diesen Vorwurf auch zugleich allen Gläubigen zu machen. Viele wissen das nicht und wollen das vielleicht auch gar nicht, es ist aber so. Und bei all diesem sehr unsanften Umgang mit „der Kirche“ ist es doch sehr tröstlich immer wieder die noch starke Gemeinschaft zu erfahren. Dabei geht es nicht darum, sich in der Gemeinschaft zu verstecken, sondern wirklich um das Gemeinschaftsgefühl an sich. Es ist ja nicht so, dass die Gläubigen, die den Gottesdienst besuchen, sich der medialen Berichterstattung verschließen und alle – berechtigten – Vorwürfe negieren würden. Und es ist schon gleich gar nicht so, dass all diese Gläubigen jene kritisierbaren Äußerungen und Haltungen einiger prominenter und weniger prominenter Funktionsträger unhinterfragt übernehmen würden. Aber wenn man sich in eine Gemeinschaft einfügt, dann rennt man nicht beim nächsten kleinen Hauch des Gegenwindes wieder davon. Man bleibt in der Gemeinschaft und stellt erst einmal das heraus, was die Gemeinschaft wirklich ausmacht.

Und genau das machen die Menschen, wenn sie am Karsamstag zu Hunderten zur Osternachtfeier kommen. Sie feiern sich selbst als Gemeinde. Sie zeigen sich gegenseitig, dass sie sich der Sache immer noch verbunden fühlen. Und sie geben sich dadurch gegenseitig das Gefühl zu einer großartigen, ja, einer unglaublichen Gemeinschaft zu gehören.

Ein kleines post scriptum: Ich bemerke, dass mein Blog so langsam sehr stark in die religiös-kirchliche Richtung tendiert. Das liegt wohl schlicht und ergreifend daran, dass ich über die Themen schreiben möchte, die mich bewegen. Und offenkundig bewegen mich Glaubensthemen zur Zeit am stärksten. Ich hoffe aber, dass weniger religiöse/kirchliche Menschen das nicht abschreckend, sondern als Einladung zur Diskussion verstehen. Ich bin für jede Debatte offen!

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