#rp12 – Tag 3

So, nachdem ich gestern vor der Heimfahrt keine Zeit mehr, und im Zug wenig Lust aufs bloggen hatte, jetzt die Zusammenfassung des dritten Tages auf der re:publica.

Los ging’s am Morgen mit einer Session zum Thema Crowdfunding: „Crowdfunding: Finanzierung der Vielen, Zahlen, Hintergründe und Forschungsergebnisse“. Nachdem ich seit einiger Zeit das Social Payment für mich entdeckt habe, war diese Übersicht über das Thema Crowdfunding sehr interessant.

Der erste Teil der Session gab einen Überblick über diesen Komplex und beschäftigte sich mit einigen Kernfragen. So wurden erst mal drei „Arten“ von Crowdfunding unterschieden: Supporting, Donating und Investing. Die Begriffe erklären sich ja fast von selbst. Interessant war aber vor allem, dass die Unterscheidung anhand der vom Geldgeber erwarteten Gegenleistung gemacht wurde. Unterstützer erwarten für ihre Spende eine wirkliche Gegenleistung, also beispielsweise einen Gutschein, exklusive Bezugsrechte vor Veröffentlichungsdatum, o.ä. Nichts „großes“ jedenfalls. Spender erwarten zumeist eine Spendenquittung, bzw. eben eine übliche Gegenleistung bei Spenden. Investoren werden ja quasi selbst Teil des Projektes, was dann die Gegenleistung ist.

In diesem Zusammenhang entwickelte sich dann auch (v.a. parallel auf twitter) eine Debatte darüber, inwiefern das Crowdfunding wirklich vorrangig intrinsisch motiviert ist, wie es Untersuchungsergebnisse der TU Ilmenau ermittelt hatten. Ich will die Debatte hier nicht noch einmal aufrollen; ich denke die Streitfrage ist klar.

Im Rest des ersten Teils und im zweiten Teil ging es dann fast ausschließlich um spezielle Crowdfunding-Plattformen: Wozu braucht man diese überhaupt, wie sieht der Markt aus, welche Vorteile bieten die Plattformen, etc. Dazu war der Gründer von IndieGoGo – Slava Rubin – anwesend und erzählte so einiges über seine Seite. IndieGoGo ist die größte internationale Crowdfunding-Seite: Dort werden für zig Tausenden Projekten Millionen von Dollar generiert (insofern war die Anwesenheit von Rubin sicher ein weiteres Beispiel für die Qualität der Veranstaltung). Eine seiner Aussagen fand ich besonders interessant: Im Schnitt kommen von den bei einem Crowdfunding-Projekt gesammelten Geldern 35% aus dem „Inner Circle“ (Familie, Freunde, Bekannte), 40% von „Friends of Friends“ und „nur“ das restliche Viertel von „Strangers“. Sein Ausblick war aber, dass sich dieser Anteil auf mittlere Sicht noch deutlich steigern wird.

Ach ja, da hätte ich doch fast was vergessen: Rubin hatte noch einen fun fact für die Zuhörer dabei. Vor ein paar Wochen wurde nämlich das erste crowdgefundete Kind geboren. Hört sich jetzt erst mal etwas sonderbar und nicht ganz jugendfrei an, hat aber tatsächlich einen interessanten Hintergrund: In den USA sind künstliche Befruchtungen anscheinend sehr teuer, weshalb sich ein Paar, das sich eine solche nicht leisten konnte, per IndieGoGo zur Unterstützung aufgerufen hat. Und siehe da, es hat geklappt. Jetzt mag man zur künstlichen Befruchtung stehen wie man mag – gerade die Christen unter meinen Lesern – aber dieser Vorgang ist schon ziemlich eindrucksvoll! Da gab es Menschen, die so sehr Eltern sein wollten, dass sie sich von finanziellen Problemen nicht davon abbringen lassen wollten. Und es gab Menschen, die dieses Vorhaben für so richtig und wichtig hielten, dass sie bereitwillig mitgeholfen haben. Irgendwie schön.

Weiter ging es im Anschluss mit einer Session mit dem schönen Namen „Copyriots! Der Kampf der Kulturen“. Hört sich nicht nur gut an, war auch gut! Eine sehr interessante und informative Podiumsdiskussion zum Thema Urheberrecht. Die GEMA hatte ihre Teilnahme leider kurzfristig abgesagt, dennoch war das Panel mit Vertretern verschiedenster Seiten – wie ich finde – gut besetzt. Natürlich kam im Laufe der Debatte mehrmals der Wunsch nach einer grundlegenden Reform der GEMA auf, welcher aber aufgrund der Umstände auch nicht wesentlich weiter verfolgt wurde. Ich glaube das Wichtigste Ergebnis dieser Debatte war die Herausstellung der Gemeinsamkeiten der verschiedenen Standpunkte. Es haben ja alle Beteiligten ein Interesse gemeinsam: Dass die Künstler von ihrer Kunst anständig leben können. Die Plattenfirma will darüber hinaus aber eben auch noch von dieser Kunst leben, während der Konsument aber eigentlich nur die Leistung des Künstlers auch vergüten mag. Und er will die Leistung ja auch wirklich vergüten, nur auf dem von ihm gewünschten Wege und in der von ihm gewünschten Form. Ich glaube, vor allem auch nach dieser Session, dass sich in diesem Bereich auf mittlere Sicht viel verändern kann und auch ändern wird. In meinen Augen, den Augen eines Konsumenten, sind vor allem zwei Punkte dabei wichtig: Es muss ein individuelleres Kunst- und Medien-Nutzungsverhalten ermöglicht werden, und es müssen die Spielregeln zur Bereitstellung und Nutzung von Kulturgütern deutlich vereinfacht werden.

Die dritte Session des Tages war für mich noch recht interessant, die breite Öffentlichkeit wird sich für das Thema aber weniger begeistern können. Daher nur ein paar Worte zum Thema „Online-Kampagnen für NGOs – eine Fehlersuche“. Wichtig ist: Eine Online-Kampagne kommt niemals ohne Offline-Kampagne aus. Alleine schon aus dem einfachen Grund, dass eine Website niemals ohne Photos auskommt; und diese können eben nur offline gemacht werden (ein grandioses Beispiel aus der Session). Außerdem reagieren sehr viele Empfänger im Bereich der Lobby-Arbeit auf Offline-Eindrücke noch immer sehr viel stärker. Und auch NGOs und andere Vereine/Gruppen/Organisationen brauchen für ihre Kampagnen eine Exit Strategie. Genauer gesagt brauchen sie diese für ihre Empfänger. Es kann wohl jeder nachvollziehen, dass man am Ende einer Kampagne nicht einfach die Kommunikation abbrechen kann, sondern dass man zumindest einen nachvollziehbaren Schlusspunkt setzen muss. Einfacher Gedanke, trotzdem wichtig.

Die Sessions vier und fünf des Tages wurden sowohl live gestreamt, als auch für die weitere Ansicht aufgezeichnet (die vorherigen Sessions werden übrigens auch irgendwann auf Youtube landen), deswegen will ich da nicht so viel zu sagen.

Zunächst stand die sehr sympathisch wirkende Katie Stanton von twitter auf der Stage 1 und erzählte einiges über ihren Arbeitgeber. Twitter kennt ihr alle, großes Ding, viele Leute, noch viel mehr tweets. Es waren in der Session viele Zahlen im Spiel, die ich hier jetzt nicht wiederholen werde. Daran konnte man aber sehr schön ablesen, welch beeindruckendes Wachstum dieses Unternehmen seit Jahren erfährt. Beispiel: 2008 wurden während des Super Bowl 27 tweets pro Sekunde abgesetzt, 2011 waren es schon weit über 12.000. Daran erkennt man auch gleich eines der wichtigen Twitter-Themen, den Sport. Anhand einiger weiterer Zahlen wurden noch andere wichtige Themen angesprochen, beispielsweise die Politik. Ein nettes Schmankerl gabs noch gegen Ende der Session: Schwarze Folie, weiße Schrift, Text „One more thing…“. Für geschätzt drölftausend Apple Fanboys im Saal war das Gelächter überraschend gering (könnte am falschen Font gelegen haben, irgendwas mit Serifen). Worum gings? Apple wird eine Niederlassung in Berlin aufmachen, was auf dieser Session offiziell bestätigt wurde. Gut, ist nett. Wenn Facebook dann noch nach Berlin zieht, können wir dann auch von einer ganz großen Nachricht sprechen.

Eine Viertelstunde später begann die für mich größte und wohl interessanteste Session der Veranstaltung, ein Interview mit dem Sprecher der Bundesregierung Steffen Seibert. Wer das Gespräch nicht schon im Stream gesehen hat, sollte es sich dringend als Konserve ansehen. Die Session war informativ, unterhaltsam, zuweilen witzig und vor allem gut besucht. Was jedoch gleich zu Beginn negativ auffiel: Die erschreckend schlechte Vorbereitung (Inkompetenz?) der Moderatorin. Gleich die Einstiegsfrage war sachlich falsch. Es ging um grotesk-witzige Aufregung in der Bundespressekonferenz im letzten Jahr, als das BPA verkündete hatte, das Seibert nun twittern würde. Die Moderatorin eröffnete (sinngemäß): „Die Hauptstadtjournalisten haben sich ja im letzten Jahr sehr aufgeregt, weil Sie auf der Bundespressekonferenz getwittert haben“. Ein eigentlich nicht sonderlich schlimmer, aber unfassbar peinlicher Fehler. Egal, Seibert ist ausgesprochen eloquent und smart, wodurch er das Gespräch mühelos an sich ziehen und die Moderatorin ziemlich gut in die Ecke drängen konnte. Und im Publikum hat das sicherlich niemanden gestört. Spätestens nicht mehr, nach dem absurd dämlichen Versuch der Moderatorin den Begriff „Troll“ zu formulieren (wiederum eher sinngemäß): „Ein Troll ist ein Mensch der dadurch auffällt, dass er trollt“. Aha. Gut. Jedenfalls war ein weiterer, für mich eindrucksvoller Moment, als das Publikum auf die Feststellung Seiberts, dass Partizipation und Mitwirkung auch per Internet wichtig sei, das Netz aber eben nicht die Gesamtbevölkerung repräsentiere, zu einem sehr ordentlichen Applaus anhob. Sehr schön.

Danach war dann erst mal Pause angesagt. Da ich diese aber leider um ein paar Minuten überzog, war die anschließende Session für mich aber eigentlich auch schon wieder gelaufen. Nach zehn Minuten kommt man einfach in keine Debatte mehr ordentlich rein. Also streichen wir diese letzte Session einfach aus dem Gedächtnis.

Somit war das Interview mit Steffen Seibert für mich der würdige und vielleicht krönende Abschluss einer sehr interessanten re:publica. Anschließend die Heimreise könnt ihr euch selber denken. Falls nicht: Einfach die Hinreise rückwärts denken.

Ich werde hier bald auch noch ein persönliches Fazit zu dieser re:publica ziehen. Also schaut mal wieder rein!

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