Zynische Dekadenz.

Ein deutscher Bischof reist nach Indien, um dort armen Kindern zu helfen, die schwer arbeiten müssen. An sich eine gute Meldung. Schließlich ist genau das die Aufgabe eines Hirten.

Nun fliegt der Bischof mit seinem Generalvikar allerdings erster Klasse, was eine wahnsinnig teure Angelegenheit ist. Offizielle Begründung für dieses kostspielige Unternehmen: Seine Exzellenz sollten ausgeruht in Indien ankommen.

Gut, kann ich verstehen. In der Tat wird sich so ein Langstreckenflug in der ersten Klasse deutlich leichter ertragen lassen, als auf den billigen Plätzen. Und wenn man den Flug dann noch geschenkt bekommt (offenbar musste ja noch nicht einmal die Bistumskasse über die Maßen beansprucht werden) – wer sagt da noch nein?

Vielleicht jemand, dem es absurd vorkommt, mit einem Glas Champagne in der Hand auf Liegesitzen in eine der ärmsten Regionen der Erde zu reisen. Ich glaube, man darf das ruhig als zynisch bezeichnen. Ausgeruht ankommen, um den armen Menschen, die im Steinbruch schuften, auch wirklich gut helfen zu können.

Zweifellos hatten Exzellenz mit dieser Reise nur Gutes im Sinn. Und zweifellos ist es auch legitim, wenn ein Würdenträger entsprechend der Möglichkeiten reist (ja, man hätte das gesparte Geld auch spenden können. Aber kann man das nicht immer…). Aber das ändert alles nichts an der Tatsache, dass die Reise in dieser Form einfach nur Lachhaft ist.

Ich will mich aber auch nicht in den Kreis derer stellen, die jetzt reflexartig auf den Bischof einprügeln. Natürlich war das – mit Verlaub – dämlich. Allerdings weniger die Reise an sich, sondern wie so oft der extrem unsouveräne Umgang mit den anschließenden Fragen.

Mein Fazit ist daher zweigeteilt:

Hören wir auf, wie die Dummen auf jeden einzuprügeln, bei dem wir einen Fehler wittern. Das hält uns nur vom Eigentlichen ab. Ich würde beispielsweise gerne wissen, was der Bischof in Indien so gemacht und erreicht hat. Das geht jetzt natürlich komplett unter. Wahrscheinlich zu Unrecht.

Und für die nächste Reise, Herr Bischof, sollten Sie gegebenenfalls einen anderen Platz buchen, sich einen (unverfänglichen) Sponsor suchen oder einfach von vorne herein transparenter mit der Sache umgehen.

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