Rechte und Pflichten.

Vorwort: Im folgenden Beitrag finden sich möglicherweise ironische und satirische Aussagen gepaart mit unhaltbaren Anschuldigungen und Verleumdungen. Ich halte den Text zwar für haltbar, habe ihn ja aber auch geschrieben. Und es geht nicht um mich, nur um meine Meinung. Dafür gibt es nämlich die Testphase, um meine Meinung kund zu tun. Und wenn ich im Folgenden (oder in irgend einem anderen Beitrag) journalistische Arbeit kritisiere, obwohl ich mich selber nicht an die handwerklichen Regeln des Journalismus halte, dann finde ich das in Ordnung, weil ich ja kein Journalist bin. Das wollte ich nur vorweg schieben.

Es ist ja nun kein großes Geheimnis, dass ich nicht gerade ein Fanboy der lokalen Tagespresse bin. Das hat ganz verschiedene Gründe. Die meisten davon haben wohl eher mit persönlichem Geschmack zu tun, manche sind da vielleicht schon eher allgemeiner Natur.

Jetzt macht die Zeitung seit geraumer Zeit etwas, dass mir – und anderen Leuten – aber so ganz und gar nicht gefällt. Sie versteckt die Artikel auf ihrer Online-Plattform nach zwei Tagen hinter einer Bezahlmauer, zu englisch Paywall. Wenn ich also nicht Abonnent der Zeitung bin und daher einen Zugang zum internen Bereich des Online-Angebots habe, muss ich ab diesem Zeitpunkt mindestens €1,59 berappen, um den Beitrag lesen zu dürfen.
Das an sich ist zwar nervig und sorgt wohl nicht gerade für eine nennenswerte Verbreitung der Inhalte, ist aber irgendwo sogar noch nachvollziehbar, oder besser legitim. Immerhin hat da ja irgendein Mitarbeiter der Zeitung eine Arbeit geleistet, für die er bezahlt wurde. In dem Zusammenhang ist es allerdings zumindest fragwürdig, wieso dann auch die Leserkommentare zu den Artikeln hinter der Bezahlmauer verschwinden. Man könnte vermuten, hier versucht ein kommerzieller Anbieter Geld mit dem geistigen Eigentum fremder Leute zu verdienen. Da sollte man mal ein Gesetz machen… Aber egal, ich schweife ab. Mein Problem ist ja ein anderes.

Die lokale Tageszeitung hat verschiedene Aufgaben. Zunächst ist sie einmal dafür zuständig, über lokale und regionale Ereignisse zu berichten. Die Kindergarteneröffnung, das Feuerwehrfest, die Rathaussanierung, etc. Weil sie in diesem Bereich keinerlei Konkurrenz zu befürchten hat, kann sie das auch relativ gelassen tun. Sie kann sich also aussuchen, wann sie in welcher Form worüber berichtet.
Da kommt es schon mal vor, dass ein Feuerwehrfest unter den Tisch fällt oder ein, zwei Wöchelchen nach hinten geschoben wird. Das ärgert zwar den Kommandanten, ist aber ansonsten nicht zu kritisieren. Es ist ja allein die Sache der Zeitung, was sie veröffentlicht, und was nicht. Und so ist es auch allein Sache der Zeitung, ob sie den Bericht über das Feuerwehrfest dann hinter ihre Bezahlmauer stellt, oder eben nicht.
Sie ist ja Monopolist.

So, wo ist jetzt mein Problem? Ich bin zwar kein Marktgläubiger, aber dennoch davon überzeugt, dass die lokale Tageszeitung als privatwirtschaftliches Unternehmen in der Auswahl ihrer Inhalte Autonomie besitzt. Ich finde das zwar auch selber relativ oft nicht gut (um mal sachte zu formulieren), aber im Sinne der Pressefreiheit kann man dem Blatt natürlich nicht vorschrieben, welche Meinung es zu vertreten hat und worüber es (nicht) zu berichten hat.

Eine Einschränkung hat die Sache allerdings dann doch. Mit dem Monopol geht nämlich auch eine gewisse Verantwortung einher. Wenn die lokale Tageszeitung nicht über dies oder jenes Thema berichtet, wird es höchstwahrscheinlich nie öffentlich werden. Das ist in beide Richtungen problematisch, obwohl mir spontan kein Fall einer negativen Veröffentlichung durch die Zeitung bekannt wäre. Ebenfalls darf man ihr nicht vorwerfen, übermäßig häufig nicht über relevante oder interessante Dinge zu berichten.
Da kommt aber nun das Ding mit der Bezahlmauer ins Spiel. Es soll ja Leute geben, die über das Geschehen in ihrer Stadt und Region halbwegs informiert sein wollen, sich aber bspw. die Zeitung nicht leisten können oder wollen. Die schauen dann ganz gerne Mal im Online-Angebot vorbei und informieren sich dort. Wenn sie dort dann auf einen interessanten Beitrag stoßen, der hinter der Bezahlmauer steht, ist das ihr Pech. Wären sie ein paar Tage früher gekommen, hätten sie in kostenlos lesen können.
Was ist aber nun mit Beiträgen, die von dringendem öffentlichem Interesse sind?

Jetzt, endlich, sind wir beim konkreten Problem: Am vergangenen Sonntag fanden in der Region mehrere Wahlen statt und am heutigen Dienstag sind ein Großteil der Beiträge zu diesen Wahlen nicht mehr verfügbar. Inklusive der Meldung der Wahlergebnisse. Und da sage ich: Das kann doch nicht sein!

Wenn die Zeitung ihre Wahlanalyse nicht kostenlos rausgeben mag, ist mir das grad egal. Dann analysier ich mir die Wahl halt selber. Aber es darf doch nicht sein, dass die Zeitung als Informationsmonopolist dem Leser sogar noch die Ergebnisse einer Wahl vorenthält. Damit verstößt sie auf beinahe absurde Weise gegen die Rolle der Medien in einem demokratischen Rechtsstaat. Wer, wenn nicht die lokale Tageszeitung, informiert den Bürger über die Ergebnisse der Landratswahl?

Natürlich, man könnte auch auf der Seite des Landkreises nachschauen. Und natürlich reicht es theoretisch die Ergebnisse am Tag nach der Wahl einmal zu erfahren. Ich finde es dennoch hochgradig falsch, dem Bürger derart grundlegende Informationen zu entziehen. Natürlich will auch der Journalist, der die Wahlergebnisse in die Redaktion gemeldet hat, bezahlt werden. Aber, man möge mich altmodisch nennen, nach meinem Dafürhalten beinhaltet der Beruf des Journalisten die Pflicht, gewisse Berichte zu geben, auch wenn man dafür vielleicht mal keine (angemessene) Würdigung erhält. Ich meine auch, bei dem ein oder anderen Journalisten schon Anflüge eines solchen Berufsethos festgestellt zu haben.

Ich denke, dieser Umgang mit dem höchsten und zugleich sensibelsten Gut der freien demokratischen Gesellschaft, der demokratischen Wahl, ist Symptom eines noch viel tiefer greifenden Problems. Insofern ist die Zeitung vielleicht noch nicht einmal selber allein schuldig daran. Aber, um hier mal einen schönen Cliffhanger einzubauen, darüber werde ich mich ein andermal auslassen, das würde hier nun den Rahmen sprengen.

Was bleibt: Die lokale Tageszeitung soll meinetwegen mir ihren eigenen und selbst erarbeiteten Inhalten machen, was sie will. Sie soll auch gerne die Leserkommentare hinter eine Bezahlmauer stellen; bei den meisten ist es wirklich besser so. Aber an einem gewissen Punkt muss sie aufhören, nur als Wirtschaftsunternehmen zu denken, und sich ihrer Aufgabe und den damit einhergehenden Pflichten als Informationsmonopolist stellen.

P.S.: Ich habe in diesem Beitrag bewusst den Namen der lokalen Tageszeitung nicht genannt und auch sonst keine Verweise auf die Zeitung oder die besagten Seiten eingebaut. Ich will eine Seite, die ich kritisiere, nicht noch dadurch würdigen, dass möglicherweise durch Verlinkung noch zusätzliche Klicks erzeuge. Außerdem verdiene ich mit diesem blog per flattr potenziell (auch faktisch) Geld und will daher erst recht kein Risiko eingehen.

Disclaimer: Ich habe nicht weiter recherchiert, ob die Wahlergebnisse vielleicht auch an anderer Stelle im Angebot der Zeitung zu finden gewesen wären. Darum geht es mir aber auch nicht. Vielleicht hat man das rauslesen können.

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