Neue TV-Serie

Die Tage bin ich bei twitter über einen Hinweis auf eine neue TV-Serie gestolpert. “Dein Wille geschehe” läuft auf arte jeden Donnerstag um 20:15 Uhr. In der Serie geht es um junge Seminaristen in einem Kapuzinerseminar in Paris; und alles, was damit zusammen hängt.

Die Süddeutsche hat schon eine erste, kurze Kritik zur Serie abgeliefert. Auf der arte-Seite kann man noch einige weitere Infos zur Serie finden und vor allem auch die ausgestrahlten Folgen in der Mediathek nachschauen. Und genau das habe ich getan.

Zunächst mal vorweg: Das Sujet der Serie und auch das Setting finde ich wirklich gut und gelungen! Die Idee, Seminaristen auf ihrem sehr schwierigen Weg zur Weihe zu zeigen, halte ich für sehr gelungen. Es wird sehr oft Generalkritik an Priestern geäußert, oft auch an der Ausbildung der Priester. Dabei haben die meisten Leute nur sehr wenig bis gar keine Ahnung davon. Eine sachliche, realitätsnahe Darstellung könnte da helfen.

Leider ist die Serie aber wohl weder übermäßig sachlich, noch spürbar realitätsnah (zugegeben, ich habe keine Ahnung, wie es in Frankreich zugeht…). Natürlich ist es keine Dokumentation, sondern eine fiktive Unterhaltungsserie. Daher werden die Seminaristen nicht beim Studium gezeigt, sondern wie sie Rugby spielen. Und natürlich haben die Figuren daher auch ihre jeweils eigene Rolle im Gefüge. Das fand ich eigentlich nach den bisherigen beiden Episoden am interessantesten. Die wichtigsten Figuren sind:

  • Der Kardinal: Ein alter, kirchengläubiger Mann, der sich aufgrund seiner machtvollen Position als Primas von Frankreich unangreifbar fühlt und auch vor Erpressung und Korruption nicht zurückzuschrecken scheint.

  • Dessen Berater: Machthungrige Emporkömmlinge, die beispielhaft eine Charity-Veranstaltung planen, die das geschundene Bild der Kirche zurechtrücken soll.

  • Der Leiter des Seminars: Ein kauziger, weißbärtiger Mann, nicht als Priester identifizierbar (er war schließlich früher auch Arbeiterpriester), vermutlich in der 68er-Generation sozialisiert, stellt immer “den Menschen in den Mittelpunkt”, legt sich am liebsten mit dem Kardinal an, hat einen sehr bodenständigen und handfesten Glauben (Typ: Zwei Fäuste für ein Halleluja) und sucht innere Entspannung in chinesischer Kalligraphie.

  • Der volksfromme Seminarist: Er kommt vom Land, ist dort von gläubigen Eltern und einem einfachen Pfarrer sozialisiert worden, welche ihn auch alle – gemeinsam mit seiner Pfadfindergruppe – vor seiner Abreise ins Seminar verabschieden, wo er vor allem für Harmonie und Gerechtigkeit eintritt, da er anderes aus seinem bisherigen Leben gar nicht kennt.

  • Der reiche Seminarist: Er hat sich gegen den Willen seines Vaters nicht für den Posten in dessen Konzernspitze entschieden, sondern den Weg ins Seminar gewählt, was ihn einerseits von Geld und Gunst des Vaters abschneidet, andererseits das Verhältnis zu seinem Bruder auf die Probe stellt.

  • Der vaterlose Seminarist: Er lebte bislang alleine mit seiner 16/17 Jahre alten Schwester (der Geburtstag findet in der zweiten Folge statt) und der Mutter zusammen, wobei er nicht nur Vaterersatz für seine junge Schwester spielen muss, sondern auch regelmäßig versucht seine Mutter zur Raison zu rufen, da diese sich nächtelang in irgendwelchen Kneipen rumhängt und fremde Männer mit nach Hause bringt.

  • Der kriminelle Seminarist: Er kommt aus dem Dunstkreis des Schwerverbrechens, hat selber schon einen Menschen getötet, hatte auf der Flucht vor der Polizei ein Erweckungserlebnis in einer Kirche, saß im Gefängnis und ging anschließend direkt ins Seminar, in welches er durch den Willen des kauzigen Leiters aufgenommen wurde (Jetzt: Vier Fäuste für ein Halleluja) und wo er von allen als der potenzielle Störenfried gebrandmarkt wird.

Das sind in groben Zügen die bisher wichtigsten Personen. Das klingt zugegeben nicht unbedingt anziehend, eher nach einer ziemlich oberflächlichen, verallgemeinernden Darstellung.

Tatsächlich gefällt mir “Dein Wille geschehe” bis jetzt aber recht gut! Die Serie ist meines Erachtens handwerklich und künstlerisch gut gemacht, ist in sich durchdacht. Die Erzählstränge sind nicht sinnlos miteinander verwoben und wirken insgesamt auch eher plausibel als fiktiv (obwohl sie merklich fiktiv sind). Natürlich wird mit Klischees und Bildern gespielt, aber das nicht gerade in übertriebener Weise.

Ich bin auf jeden Fall auf die nächsten Folgen gespannt und kann nur jedem Empfehlen, sich die Serie einmal anzusehen.

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