Hüpfen und Klatschen.

It’s been a while… Wie das immer so ist, man fängt einen Post an, schiebt ihn halbfertig in die Warteschleife und da bleibt er dann liegen. In diesem Fall eine gute Woche. Aber jetzt:

Neulich Abend war ich beim Konzert der Wise Guys im Würzburger Congress Centrum (CCW). Wie ich im Verlauf des Konzerts lernte, war es der dritte Auftritt des Vocal-Ensembles aus dem Rheinland in Würzburg im Jahr 2012. Und ich war auch nicht ganz aus eigenem Antritt dort; Ich hatte die Karte geschenkt bekommen.

Nun wäre es einerseits sehr unhöflich, das Geschenk nicht anzunehmen. Andererseits kannte ich die Wise Guys schon einige Jahre und war daher durchaus gespannt, ob sie ihre Stücke auch live ordentlich rüberbringen würden. Also war ich pünktlich zum Einlass am CCW. Naja, eigentlich nicht ganz. Der Saal selber wurde erst 15 Minuten vor Beginn geöffnet. Die wartenden Gäste durften sich in der Zwischenzeit im Foyer an den Imbiss- und Merch-Ständen vergnügen.

Ich hatte einen schönen, zentralen Platz, direkt hinter den Ton- und Lichtpulten. Das hatte immerhin zwei Vorteile: Beinfreiheit und zumindest schon Mal keine nervenden 1-und-3-Klatscher vor mir.

Nach den ersten zehn Minuten im Konzert war nämlich schon klar, dass die einen der nervigsten Aspekte des Konzerts darstellten.
Klar, die Wise Guys präsentieren keine klassischen Motetten, bei deren Aufführung absolute Ruhe vom Publikum zu erwarten wäre. Aber auch moderne Vokalmusik funktioniert eben nur dann, wenn man die einzelnen Stimmen auch hören kann. Was bei den Wise Guys leider nicht der Fall war.

Einerseits, weil ständig ohrenbetäubendes Geklatsche im Saal war. Wahlweise auch Gehüpfe oder Fußgestampfe. Das mag bei einem Rock-Konzert funktionieren. Eine ordentliche Band übertönt jedes noch so laute Publikum. Leider können das Countertenor und Bass aber nicht so einfach.

Andererseits war aber auch die Akustik meines Erachtens sehr bescheiden. Klar, die Lautstärke musste ordentlich hochgeschraubt werden. Doof nur, dass (auch) darunter die Artikulation erheblich litt. Will sagen: Ich habe von den mir unbekannten Texten praktisch nichts verstanden. Ob das an der Technik (Lavaliermikros) oder am Vortrag lag, kann ich nicht sagen.

Was ich aber sagen kann: Die Mouth-Percussion von den Wise Guys ist schon stark und, vor einigen Ausrutschern abgesehen, waren die Harmonien auch beachtlich sauber; beachtlich, da die Jungs dauernd über die Bühne gelaufen und gehüpft sind. Einer sauberen Intonation ist das nicht wirklich zuträglich.

Zurück zum Publikum. Nachdem ich mich auf die Musik nicht weiter konzentrieren konnte/brauchte, hab ich mir die Fans und deren Verhalten umso genauer angeschaut.

Netterweise half das Ensemble mit ein wenig Empirie nach. Bei einer der häufigen und viel zu langen Erzählpausen (bestimmt ein Drittel der gesamten Konzertdauer waren Pausen!) wurde eine Blitzumfrage im Publikum gemacht.
Ergebnis: Die weit überwiegende Mehrheit der Besucher waren auch schon früher bei einem Konzert der Wise Guys gewesen, ca. die Hälfte war schon bei den anderen beiden 2012er-Konzerten in Würzburg. Interessant.

Ich weiß nicht, ob das bei anderen Bands auch so ist. Es passte jedenfalls sehr in s Bild. Der Großteil des Publikums kannte sicherlich jede Testzeile auswendig. Daher störte es sie natürlich auch nicht, dass sie mit ihrem Gehüpfe und Geklatsche den unerfahrenen Zuhörern die Chance nahmen, die Texte auch zu verstehen.
Klar, wenn ich zum Konzert meiner Lieblingsband gehe, singe ich da auch mit und klatsche und hüpfe. Aber das ist Rock. Das ist nicht bestuhlt. Da ist es egal, ob ich jeden Ton vom Bass  verstehe.

Nachdem ich aber als quasi unbeteiligter Zuhörer bei diesem Konzert war, wirkte diese Liturgie auf mich doch sehr befremdlich. Das betrifft noch nicht einmal so sehr die starke Beteiligung des Publikums, als vielmehr diese Notwendigkeit des Eingeweihtseins. Ich kenne von den Wise Guys einige der “alten” Stücke, hatte aber noch nie etwas von ihren Live-Auftritten erfahren. Dieses Vorwissen reicht nicht, um ein Konzert zu verstehen. Diese Gemeinschaft von Wise Guys und Wise-Guys-Fans scheint eine sehr abgeschlossene Gruppe zu sein. Wenn man nicht dazu gehört, versteht man es auch nicht.

Und das hat mir letztlich diese Gruppe verdorben. Ich fand die Musik schon vorher immer etwas “flach”. Die weitaus meisten Stücke sind witziger Natur, nur dass ich die Witze nicht wirklich witzig fand. Das wäre aber für mich noch gar nicht so sehr das Problem, da ich die gesangliche Darbietung sehr zu schätzen weiß. Aber diese scheint zumindest bei den Live-Auftritten völlig unwichtig zu sein.

Fazit: Nicht mein Fall.

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