Wasser auf die Mühlen.

So habe ich heute Nachmittag getwittert. Doch worum ging’s?

Ich saß gerade im Bus und hatte ein paar Minuten vorher den link zu diesem Text entdeckt. Es handelt sich dabei um die (reichlich späte, wenn ich das richtig sehe) Reaktion von Kardinal Meisner auf die Ergebnisse des Dialogprozesses im Kölner Diözesanrat.

Inhaltlich ist über das Schreiben eigentlich gar nicht so viel zu sagen. Er bedankt sich bei den Laien für ihre wichtige Arbeit, würdigt ihr offenkundiges Interesse an der Entwicklung der Kirche und teilt mit, dass gewisse Punkte lehramtlich so feststehen, dass sie in diesem Dialogprozess nunmal nicht zur Disposition stehen. So weit, so gehabt.

Aber die Sprache, mit der er letzteren Punkt ausführt, ist – gelinde gesagt – beschämend. Über vier Absätze würdigt er zuvor die Mitarbeit der Laien am Aufbau der Kirche, nennt sogar Punkte, deren Meinung er so teilt, nur um den Leuten im fünften Absatz zu sagen, dass sie unter Umständen gar nicht mehr auf dem Boden der katholischen Kirche stehen.

Ich will mal so sagen: Meisner hat natürlich absolut Recht, dass viele Forderungen in diesem Zusammenhang nach derzeitigem Stand des Lehramtes nicht verhandelbar sind. Ich teile diese Ansicht. Aber wenn eine große Gruppe von Menschen bspw. ihr Problem mit dem Eucharistieausschluss für wiederverheiratete Geschiedene ausdrückt, dann kann ich diesen Menschen doch nicht allen Ernstes sagen, dass dies eine Äußerung sei, “die die Lehre der katholischen Kirche (verunklart) oder gar ihr (widerspricht).” Das wissen die Leute doch! Sonst würden sie solches ja nicht fordern (müssen).

Nochmals: Ich halte die Lehre der Kirche – gerade in diesem Punkt – für richtig und entsprechende Forderungen für zu kurz gedacht. Aber man muss sich doch wirklich manchmal die Frage stellen, wie und ob man die Lehre den Leuten vermittelt, oder ob man nicht vielleicht doch einfach ein bisschen Spaß daran hat, ihnen einen mit dem CIC über zu ziehen.

Bevor nun auch der Eindruck ensteht, ich würde Eminenz Meisner hier einen Vorwurf machen wollen, darf ich ergänzen, dass ich das gar nicht an Personen festmache, sondern einfach mittlerweile oft den Eindruck habe, dass wir als Kirche gar nicht mehr daran interessiert sind, unsere Lehre ernsthaft, rational und nachvollziehbar zu begründen. Anders lässt es sich beispielsweise auch nicht erklären, weshalb in den (Mainstream-)Medien nur zwei Typen von Katholiken auftauchen: Die Matusseks und die WiSiKis.

Fast schon grotesk wirkt in diesem Zusammenhang übrigens die Aussage Meisners, die Laien hätten sich mit dem gesellschaftlichen Mainstream gemein gemacht. Einfach mal wirken lassen…

Nun, dieses Statement von Meisner dürfte wieder einmal eimerweise Wasser auf die Mühlen derer sein, die ihn sowieso nicht mögen. Darüber hinaus bestätigt es auch so ziemlich jede noch so klischeehafte Kritik an lehramtstreuen Katholiken. Diesen – und ich zähle mich ja dazu – wird es dadurch jedenfalls nicht einfacher gemacht, sich ihrem Willen entsprechend zu positionieren. Ich will mich nicht auf die Gegenseite von Meisner stellen, aber wenn ich neben ihm stehe, laufe ich Gefahr, mit Steinen beworfen zu werden.

Wieso nicht einmal Wasser auf die Mühlen des Glaubens?

Ich weiß nicht, ob der Kardinal sich bei diesem Statement hat beraten lassen; ich kann mir vorstellen, dass er nicht getan hat (was ja auch sein gutes Recht ist). Vielleicht sollte er sich aber dann in Zukunft einen Kommunikationsstrategen suchen. Bitter wäre es natürlich, wenn er sich hatte beraten lassen. Dann sollte im Erzbistum hoffentlich demnächst ein interessanter Posten frei werden…

P.S.: Der Satz: “Dass der Diözesanrat sich zur Zölibatsfrage so äußert, habe ich eigentlich schon so erwartet” ist eigentlich einen komplett eigenen Beitrag wert. Diese paar Worte bringen eine Wagenladungen von Problemen unserer Kirche in Deutschland trefflichst auf den Punkt…

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