Qualitätsjournalismus.

Gerade bin ich bei twitter auf diesen Kommentar von der Süddeutschen Online aufmerksam geworden. Die Autorin befasst sich darin mit dem neuen Rundfunkgebührensystem. Die neue Gebühr ist zwar interessant, aber eigentlich kein Thema für die Kiliansnotizen (wobei es eigentlich auch inhaltlich einiges anzumerken gäbe…).

Um das Problem der allgemeinen Zwangsabgabe für Alle aufzugreifen, greift die Schreiberin aber zu einem schmerzhaft dämlichen Vergleich, der eine kurze Betrachtung verdient.

“Aus der Kirche kann man austreten, aus dem deutschen Rundfunksystem kann man es nicht mehr.”

Ja. Nein. Das leidige Thema Kirchenaustritt. Was soll man dazu sagen? Der Vergleich jedenfalls ist grotesk schlecht. Wer aus der Kirche austritt, bleibt natürlich Mitglied der Kirche. Und dass die deutschen Bischöfe “Ausgetretenen” mit Kirchenstrafen und Sakramentenverweigerung begegnen, dürfte unter Theologen nicht wirklich einhellig als richtig empfunden werden. Wer allerdings keine Rundfunkgebühren zahlt und damit faktisch aus dem Rundfunksystem ausscheidet (auch wenn das zukünftig so nicht mehr geht), darf auch wirklich nicht mehr daran teilnehmen. Der Vergleich mit der Kirche würde aufgehen, wenn Juristen (beim bisherigen System) davon ausgegangen wären, dass ein Nichtbezahlen der Rundfunkgebühren nicht auch zwangsläufig mit einem Ausschluss aus dem Rundfunksystem einhergeht. Nach dem Motto: Ich zahle keine Rundfunkgebühren, aber die Nutzung öffentlich-rechtlichen Rundfunks kann mir keiner verbieten. Nun ja. Gewagte These.

“Der Vergleich mit dem Vatikan sagt ziemlich viel über den neuen Rundfunkbeitrag für ARD und ZDF und Deutschlandradio.”

In der Tat, “der Vergleich mit dem Vatikan sagt ziemlich viel” aus. Über die Autorin. Bei aller Liebe und Nachsicht, aber “die Kirche” mit “dem Vatikan” gleichzusetzen, ist schon wirklich eine schlechte Idee. Man nenne mich zu anspruchsvoll, aber ich erwarte von einem Journalisten, dass er sprachlich wie inhaltlich zwischen Vatikan und Kirche unterscheiden kann. Natürlich wird “der Vatikan” gerne als pars pro toto für die katholische Kirche hergenommen. Das kann man auch so machen. Allein, hier geht es nicht um die katholische Kirche, sondern um die katholische Kirche in Deutschland. Und die hat mit “dem Vatikan” wirklich nichts zu tun.

“Die beiden Kirchen haben irgendwann verstanden, dass sie die Menschen gewinnen müssen, um sie zu halten.”

Das ist richtig. Das hat sogar schon Jesus verstanden. Menschenfischerei, und so. Aber um welche beiden Kirchen geht es da jetzt? Und wie passt dieser Satz in den Zusammenhang? Kurz zur Erinnerung: Zuvor war von “dem Vatikan” als “der Kirche” die Rede und jetzt stehen plötzlich zwei Kirchen im Raum. Ich will jetzt nicht die Frage aufwerfen, ob es wirklich mehr als eine Kirche geben kann und was sich überhaupt Kirche nennen darf, etc. Aber hier macht die Autorin einen wirklich bemerkenswerten Schachzug. Sie nimmt die katholische Kirche (vielleicht, da sie keine Ahnung von protestantischen und orthodoxen Regelungen hat) als pars pro toto für alle Kirchen. Respekt! “Der Vatikan” ist “die Kirche” ist “alle Kirchen”. Dass im Sinne der deutschen Sicht auf das Christentum alle nichtkatholischen und nichtevangelischen Kirchen unter den Tisch fallen, lassen wir jetzt einfach mal außen vor.

Ach, es ist ein Kreuz mit diesem Qualitätsjournalismus…

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