Das Web als pastoraler Raum.

Vorhin hat das Bistum Trier per Twitter um Ideen für ein neues Projekt gebeten. Dabei geht es darum, dass Seelsorger einen Teil ihrer Arbeitszeit dem Internet als pastoralem Raum widmen sollen. Eine sehr gute Sache, wie ich finde.

Ich hab dazu natürlich auch eine Reihe von Ideen, von denen ich gleich mal ein paar zurückgemeldet habe. Die will ich hier noch mal etwas erläutern und ausbreiten. Zuvor aber ein paar Gedanken zum Internet als pastoraler Raum:

Wir Katholiken haben mittlerweile einige Übung darin, festzustellen, dass unsere Kirchen und Gemeindehäuser nicht mehr voll werden und uns zu fragen, wo die Leute denn geblieben sind. Das fragen wir uns auch hier im Internet. Dabei liegt wenigstens ein Teil der Antwort direkt vor unseren Tastaturen: Im Netz. Ich bin davon überzeugt, dass unter denjenigen, die im Internet unterwegs sind (und damit meine ich jene Leute, die das Internet nicht “benutzen” oder “gucken”, sondern darin und damit leben) zu einem sehr großen Teil auch diejenigen sind, die wir Sonntags eben nicht in Kirche und Gemeindehaus antreffen. Das bedeutet für den pastoralen Raum Internet zwangsläufig, dass er sich sowohl deutlich von anderen Räumen unterscheidet, als auch deutlich andere Ziele pastoraler Arbeit bietet.

Das vorrangige Ziel pastoraler Arbeit im Netz ist meines Erachtens nämlich nicht die Sorge um die schon vorhandene Herde (um im Bild zu bleiben), sondern vielmehr die Sorge um jene Schäfchen, die den Anschluss an die Herde verloren haben oder ihn nie hatten und den Weg dorthin (vielleicht auch unbewusst) suchen und nicht finden. Will sagen: Im Netz sollten wir in erster Linie versuchen die zu erreichen, die wir auf klassischen Wegen nicht oder nicht mehr erreichen.

Das schließt natürlich nicht aus, dass wir per Internet auch Kontakt zu aktiven Gläubigen halten. Ich glaube aber, dass Lösungen für diesen Bereich wesentlich einfacher zu finden sind.

Nun also zu den drei Ideen, die ich dem Bistum Trier spontan mitzuteilen hatte:

Podcasts. Ich bin ein großer Fan dieses Mediums, weshalb ich es auch als erstes erwähnt hatte. Podcasts bieten zwei wesentliche Vorteile: Erstens kann man in längeren Formaten (60 Minuten und mehr) durchaus auch komplexe Themen zufriedenstellend besprechen. Verkürzungen, die im schriftlichen Bereich immer wieder auftreten (müssen) können so umgangen werden. Zweitens sind sie sowohl in der Produktion als auch im Konsum sehr simpel. Man braucht nicht übermäßig viel Technik um einen Podcast aufzunehmen und ein entsprechendes Abspielgerät hat heute wirklich jeder. Ich würde mir wünschen, dass es bald Podcasts aus dem kirchlichen Bereich gibt, die sich nicht mit großen theologischen Themen, sondern mit dem alltäglichen Leben des Gläubigen beschäftigen.

Social Media als Debattenforum. Die Idee ist eigentlich ganz simpel und überhaupt nicht innovativ: Es geht darum, soziale Netzwerke im Netz als Plattform für Information und Debatte zu nutzen. Konkret könnte man eine Facebook-Seite einrichten, auf der Nutzer fragen über die Kirche und den Glauben stellen, bzw. auch Kritik üben können. Betreuende Seelsorger könnten dann (anonym oder mit Gesicht) auf diese Anfragen eingehen und einfache, kürzere Antworten geben. Antworten auf Fragen nach Glaubensinhalten könnten beispielsweise im Stil des Youcat gegeben werden, nach dem Muster: Was sagt die Kirche dazu? Und wieso sagt sie das?

Blogs. Nicht erst seit Sascha Lobo wissen wir, dass Blogs sehr wichtig und gut sind. Tatsächlich gibt es auch schon eine ganze Menge guter katholischer Blogs, zum Teil auch offiziell von kirchlicher Seite. Und es gibt auch Seelsorger, die das Bloggen als Verlängerung ihrer pastoralen Arbeit sehen. Als Beispiel sei hier Carsten Leinhäuser genannt. Aber da geht noch viel mehr! Ich wünsche mir eine ganze Reihe Blogs aus der Kirche über die Kirche. Die Möglichkeiten sind endlos. Das Ordinariat könnte eine Art Unternehmensblog führen, in dem regelmäßig über kleinere und größere Nachrichten aus dem Haus und dem Bistum berichtet wird. Auch über Kleinigkeiten – “Die Mitarbeiter gratulieren dem Generalvikar zum Geburtstag”, “Elisabeth Müller feiert ihr 20. Dienstjubiläum”, “Die neuen Azubis stellen sich vor” – freut sich der Leser. Seelsorger in der Gemeinde können ganz verschiedene Dinge zum Inhalt ihres Blogs machen. Sie können über ihr Gemeindeleben berichten, private Gedanken verschriftlichen oder – was ich sehr spannend fände – über Probleme und Lösungen der alltäglichen Arbeit als Seelsorger berichten. Wieso nicht auch gezielt für die Zielgruppe Seelsorger?

Das war jetzt natürlich keine erschöpfende Aufzählung. Man könnte sowohl diese Ideen noch weiter ausbauen, als auch ganz andere Ideen nennen. Aber ich wollte ja sowieso nur ganz kurz zeigen, dass uns das Netz wahnsinnig viele Möglichkeiten bietet, an die wir uns nur heranwagen müssen!

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