Mitten im Mainstream.

Ich bin vor einiger Zeit beim durchstöbern meines Feedreaders über einen Begriff gestolpert, den ich zwar ständig lese, der mir aber jetzt erst so richtig aufgefallen ist. Und er ist mir negativ aufgefallen.

In fast allen Blogs der Blogoezese liest man immer wieder das Wort von den Mainstream-Medien (gerne auch „MSM“ abgekürzt). Und dieser Begriff taucht dort nie in einem positiven Kontext auf. In jüngster Zeit beispielsweise im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung zwischen den deutschen Bistümern und dem KFN. Dort wurde in der Blogoezese wahlweise gegen Pfeiffer oder die MSM geschossen, die die ganze Sache angeblich total falsch dargestellt hätten.

Natürlich kann man feststellen, dass gerade die deutschen Massenmedien in der katholischen Kirche einen dankbaren Widersacher gefunden haben. Streitthemen gibt es en masse – im Zweifelsfall sucht man eben in den Geschichtsbüchern – und aus der Kombination von Größe und Unbeweglichkeit der Kirche erfolgt wenig Gegenwehr. Und die Gegenwehr, die man bekommt, kann man dann noch lustig zerpflücken, weil man zumeist theologische Argumente eh nicht zählen lassen will.
Und wo die MSM schon so leichtes Spiel haben, die Kirche ins Abseits zu drängen, ergibt sich für die Kirche gleichzeitig die wunderbare Möglichkeit, sich vom Mainstream abzugrenzen und den Zeitgeist, der sich in den MSM niederschlägt, für alles Schlechte verantwortlich zu machen.

Das ist so einfach, wie es dumm ist. Nicht, dass ich nicht auch einige Kritik an Zeitgeist und der aktuellen Entwicklung der meinungsbildenden Medien zu äußern hätte. Aber dieses Schwarz-Weiß-Denken ärgert mich doch zunehmend.
Mal ein Beispiel: Heute Mittag hat der Papst folgenden Tweet abgesetzt: “Viele falsche Idole tauchen heute auf. Wenn wir echte Christen sein wollen, brauchen wir keine Furcht haben, gegen den Strom zu schwimmen.” Vor allem der zweite Satz ist ganz wunderbar und ein wiederkehrendes Bild in seiner Sprache. Nur, dieser Tweet wird mit Sicherheit wieder sehr oft sehr falsch verstanden werden.
Wenn der Papst twittert, dann bedient er sich eines Mainstream-Mediums. Da ist er mittendrin in der bösen, relativistischen Welt, die wir so gerne anprangern. Was heißt es dann aber, gegen den Strom zu schwimmen?

Für mich bedeutet diese Widerständigkeit keine konfrontative Haltung gegenüber einem Zeitgeist, einer Gesellschaft oder einer Medienlandschaft. Es geht doch vielmehr darum, auch mal mutig eine gegenläufige Meinung zu vertreten, ohne die Gegenmeinung dabei ständig als Definitionsmaßstab zu missbrauchen. Wenn ich eine andere Meinung vertrete als mein Gegenüber, muss ich ihm doch nicht ständig erklären, dass seine Meinung doof und meine Meinung viel besser ist. Es reicht doch oft auch ein schlichtes: Ich bin anderer Meinung.
Das ist aber eine Frage der Kommunikationskultur und hat erst mal noch nicht viel mit dem negativen Bild, bzw. der negativen Verwendung des Begriffs „Mainstream-Medien“ zu tun.

Ich habe beim Lesen dieses Begriffs in besagtem, kritischem Kontext immer das Gefühl, dass die entsprechenden Medien verteufelt werden, weil in ihnen eine unbequeme Meinung vertreten wird. Für mich ist das aber ein fatal schlechtes Verständnis von Medien. Wie eigentlich die katholische Kirche (in Deutschland) insgesamt oft nicht gut mit Massenmedien umgehen zu können scheint – zumindest ist dies aktuell meine Beobachtung – wird hier auch von einzelnen Gläubigen gar nicht so recht verstanden, worum es eigentlich geht.

Das Problem der Mainstream-Medien ist nämlich nicht, dass dort nicht-katholische Meinungen vertreten werden, sondern dass dort nicht katholische Meinungen vertreten werden. Ich finde die Allgegenwart des bösen Relativismus wesentlich weniger dramatisch, als die Abkapselung katholischer Stimmen vom Mainstream. Natürlich wollen wir gegen den Mainstream sprechen und andere Möglichkeiten aufzeigen, aber das funktioniert nur aus dem Mainstream, aus der Masse heraus. Sauerteig, und so.

Bitte, lasst uns doch einfach mal überlegen, wieso wir als Kirche in diesen Mainstream-Medien so schlecht wegkommen. Und bei der Suche nach Gründen sollten wir bei uns anfangen, weil es ja offensichtlich wir sind, die wir unsere Ideen und Thesen nicht ordentlich platzieren. Im Gegensatz zu den Kritikern. Nutzen wir doch diese Massen- und Mainstream-Medien einfach mal als Plattform für unsere Angebote, anstatt als Sündenbock für das, was nicht funktioniert.

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