Kirche² – 48 Stunden, Teil 1

Der Kongress ist vorbei, lang lebe der Kongress. Oder so ähnlich.

Zweieinhalb Tage lang haben sich Hannover fast 1400 Menschen – inklusive meiner Wenigkeit – Gedanken gemacht, wie Kirche in unserer Zeit funktioniert. Und was noch wichtiger ist: Sie haben diese Gedanken ausgetauscht. Jetzt bin ich schon wieder einen Tag zu Hause und muss dringend beginnen, das Erlebte zu verarbeiten (bis jetzt habe ich nur geordnet und sortiert).

Wieso dringend? Das hat etwas mit den 48 Stunden aus dem Titel zu tun. Prof. Dr. Michael Herbst hatte beim Abschlussplenum des Kongresses erklärt, dass die Wahrscheinlichkeit, dass Teilnehmer aufgenommene Ideen auch umsetzen, gegen Null tendieren würde, wenn erst einmal 48 Stunden vergangen sind. Ich werde bis morgen sicherlich nichts umsetzen können. Ich werde auch noch nicht damit angefangen haben. Ich werde wahrscheinlich noch nicht einmal großartige Gespräche mit den Leuten aus meiner Gemeinde geführt haben. Aber ich kann bis morgen wenigstens dafür sorgen, dass sich die für mich wichtigen Erlebnisse und Ergebnisse ganz tief ins Gedächtnis einbrennen. Daran arbeite ich.

Und das tue ich auch, indem ich meinen persönlichen Rückblick auf den Kongress und mein Fazit hier im Blog veröffentliche. Einerseits, damit Andere vielleicht davon profitieren. Andererseits, um mir selber ein wenig Druck zu machen, meinen Worten auch Taten folgen zu lassen. Eigentlich sollte ich ja mit den Taten beginnen…

Ich will erst einmal auf den Kongress an sich eingehen, die äußere Form, sozusagen. Auf genauere Inhalte komme ich später zu sprechen.
Schon den Veranstaltungsort fand ich vom ersten Moment an wahnsinnig interessant. Also, nicht Hannover… Das Convention Center ist ein wirklich tolles Gebäude. Für Veranstaltungen wie diese jedenfalls hervorragend geeignet! Es stehen Räume, bzw. Säle in jeder Größenordnung zur Verfügung und der große Freibereich in der Mitte ist wirklich gemacht für Aussteller; schade nur, dass ich so wenig Zeit hatte, mir die Stände anzusehen.
Klar, die Räume im Untergeschoss waren denkbar hässlich und man wollte sich dort wirklich nicht länger aufhalten. Aber sie waren funktional und in jeder Hinsicht ausreichend.
Dass ausgerechnet auf dem Expo-Gelände ein Kongress, der so viel Neues entstehen lässt, stattfindet, möchte ich auch ein wenig symbolisch sehen. Die Expo ist mittlerweile 13 Jahre her, ich war damals sogar dort. Als ich das Gelände jetzt zum ersten Mal wieder gesehen habe, konnte ich mich nur noch an ein paar markante Gebäude erinnern. Ein großer Teil der ehemaligen Ausstellungsfläche scheint mittlerweile Brachland zu sein. Einige der übrig gebliebenen Pavillons sind offensichtlich auch dem Verfall anheim gegeben. Und man konnte ja auch in den Medien immer wieder entnehmen, dass es wohl Probleme mit der Nachnutzung einiger Bereiche gab, bzw. gibt. Und auch wenn ich mich gerne in solchen “Vierteln” aufhalte, die von modern-funktionaler Architektur geprägt sind, hatte ich doch das Gefühl, dass dieses Expo-Gelände für eine Stadt wie Hannover einfach nur hoffnungslos überdimensioniert ist. Da man dort während der Zeit des Kongresses auch kaum eine Menschenseele antraf (von den Kongressteilnehmern natürlich mal abgesehen), wirkte die Szenerie irgendwie komisch.
Aber genau das macht das Convention Center vielleicht wirklich zum perfekten Ort für Kirche². In einer ungewissen Umgebung, in der Vieles zu Ende geht und man sich der Zukunft vielleicht oft nicht sicher sein kann, kommen zig hundert Menschen zusammen, und fangen einfach an, neu zu denken.

Als besonders lobenswert habe ich die technische Ausstattung des Centers und des Kongresses empfunden. Ich habe beispielsweise selten erlebt, dass man in einem solchen Rahmen so gutes WLAN bereit gestellt hätte. Natürlich, nicht jeder Teilnehmer hatte ständig irgendwelche mobilen Devices im Netz. Aber es waren doch viele Teilnehmer unterwegs, die rege mit Smartphone, Tablet und Notebook hantierten. Und auch wenn sich die Anzahl der Geräte wohl im niedrigen bis mittleren dreistelligen Bereich bewegt haben dürfte, ist ein so stabiles und schnelles Netz noch eine echte Leistung!
Auch der Ton bei den Plena war einwandfrei; bei insgesamt an die acht Stunden durchaus bemerkenswert. Da ich den Livestream selber nicht genutzt habe, kann ich dazu nichts sagen. Er scheint aber ebenfalls recht stabil funktioniert zu haben.
Dazu ist dringend auch die Filmcrew hervorzuheben, die einen absolut großartigen Job gemacht hat! Ich habe noch nie erlebt, dass bei einer solchen Veranstaltung so TV-Like und professionell gefilmt wurde. Es ist halt doch etwas anderes, ob ich auf der Leinwand nur ein starres Bild vom Referenten eingeblendet bekomme, oder ob ich eine Regie im Hintergrund habe, die (teilweise bewegte) Bilder mehrerer Kameras aus dem Saal durchaus angenehm komponiert. Zusammen mit der simplen, aber wirkungsvollen Lichttechnik im Plenarsaal hat das wirklich für eine sehr schöne Stimmung gesorgt. Ich hatte zumindest an keinem Augenblick das Gefühl, dass ich gerne eine Pause machen wollte, oder ähnliches. Hut ab dafür!

Über die Band wurde während des Kongresses gerade auch auf Twitter einiges gesagt. Vorweg: Ich finde das sehr beachtenswert, dass komplett auf Konservenmusik verzichtet wurde! Das ist schon richtig gut. Ob der Stil der Musik dann wirklich der richtige war, kann man sicherlich diskutieren. Einige fanden die Musik nicht gut gewählt. Mir ist auch ein kleines “Och nö…” entwichen, als ich das Programmheft aufschlug und mir als erstes Stück “We are marching in the light of God” entgegenkam. Aber ich kann damit leben, weil ich erstens weiß, dass mein persönlicher Geschmack erst recht nicht mehrheitsfähig gewesen wäre und weil ich zweitens gemerkt habe, dass der Großteil der Anwesenden mit der Musik wohl durchaus etwas anfangen konnte.
Sowieso hat es mich irgendwie überrascht, wie sehr mich die Andachten berührt haben. Wenn ich mir die Gebete und Lieber in gewohnter Umgebung und “nüchtern” betrachten würde, könnte ich damit überhaupt nichts, wirklich gar nichts anfangen. Das ist nicht mein Stil. Aber wenn ein voll besetzter Saal mit 1200 Leuten mit großer Ernsthaftigkeit und spürbarer Energie diese Gebet betet und diese Lieder singt, dann ist das schon beeindruckend. Insofern: richtig gemacht.

Ein paar Kritikpunkte hab ich natürlich auch. Beispielsweise hätte ich mir mehr Sitzgelegenheiten, auch an Tischen gewünscht. Beispielsweise, um zwischendurch mal ein bisschen zu bloggen. Klar, viel Platz wäre dafür nicht gewesen. Aber die Orte für Gespräche und private Tätigkeiten waren doch etwas knapp bemessen. Allerdings hätte man auch kaum bis gar keine Zeit dafür gehabt. Natürlich gab es am Mittag jeweils eine großzügige Pause, aber zwischen den Sessions war es doch etwas knapp. Vielleicht hätte man die lange Mittagspause etwas aufteilen können.
Dafür hat mich im nachhinein das Konzept mit den fünf Plenarsessions absolut überzeugt! Anfangs habe ich mich schon gewundert, wieso man in so viel Kongresszeit nur so wenige Veranstaltungen unterbekommt. Ich hatte aber nicht bedacht, wie wertvoll die Vorträge im Plenum sein würden. Einen ganz besonderen Stellenwert haben sie natürlich durch den “second screen” erhalten. Auf Twitter war einfach verdammt viel los! Das hätte ich mir nie träumen lassen.

So, das war es, was ich dazu zu sagen hatte. Und wieso habe ich das gesagt? Nun, natürlich auch, um den Organisatoren ein wenig Feedback zu geben.
Es gibt aber noch einen anderen Grund. Normalerweise mag ich das Prinzip form follows function. In diesem Fall hat es umgekehrt aber hervorragend funktioniert. Ich glaube, dass der Kongress gerade auch aufgrund seiner äußeren Form inhaltlich so bewegend, tiefgründig und dynamisch war. Ein Beispiel: Hätten die Teilnehmer nicht so viel Zeit zusammen im Plenum verbracht, wäre das auf jeden Fall anders ausgefallen.

Und im nächsten Beitrag werde ich beginnen, mich um die Inhalte zu kümmern…

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s