Der Feind meines Feindes ist mein Feind.

Neulich wollte ich hier einen Kommentar schreiben über eine Einladung, die ich erhalten habe. Eingeladen wurde da zum „Fest der Demokratie“. Dieses Fest soll am 1. Mai stattfinden und will eine Gegendemonstration gegen eine angekündigte Demo des Freien Netz Süd (Wiki) sein. So weit, so gut.

Nachdem ich dann erst mal nicht dazu gekommen war, den Artikel zu schreiben, hatte der Thomas Matterne zwischenzeitlich so ziemlich genau das aufgeschrieben, was ich auch hätte sagen wollen. In Kurzform: Der Feind meines Feindes ist eben nicht zwangsläufig mein Freund und die „guten“ Sozialisten auf der einen Seite sind auch nicht besser als die „nationalen Sozialisten“ auf der anderen.

Nun könnte man natürlich dagegen halten, dass es schlecht zu kontrollieren ist, wer an solchen Gegendemos teilnimmt. Und wenn sich da auch ein paar ungebetene Gäste darunter mischen, muss man damit halt leben.
Das ist freilich Unsinn. Wenn ich gegen Feinde der Demokratie demonstriere, ist es nicht zu tolerieren, dass auf meiner Seite ebenso mutmaßliche Feinde der Demokratie stehen.

Diese Gegendemos, so auch das „Fest der Demokratie“ am 1. Mai, werden von einem Aktionsbündnis „Würzburg ist bunt“ organisiert. Und in der Liste der Bündnispartner offenbart sich genau das angesprochene Problem. Auf der Liste stehen nämlich beispielsweise mit der Partei „Die Linke“, dem SDS und dem VVN-BdA drei Organisationen, die auch im Verfassungsschutzbericht auftauchen. Es mag vielen Leuten anders gehen, aber ich würde mir selber reichlich inkonsequent vorkommen, wenn ich Seit‘ an Seit‘ mit Sozialisten und Kommunisten gegen selbsternannte „nationale Sozialisten“ marschieren würde.

Das eigentliche Problem ist aber, dass dieser Misstand nicht thematisiert, beziehungsweise teilweise sogar noch positiv umgedeutet wird, und in der Konsequenz die Kritik daran fast schon unmöglich wird.

So kann man heute in der lokalen Tageszeitung ein Loblied auf die linke Szene lesen, das eigentlich jegliche Kritik an den Gegendemos ausschließt (Ich werde den Artikel natürlich nicht verlinken; kauft euch die Zeitung, wenn es interessiert). Da ist die Rede von „Leuten aus dem linken Spektrum“, die „auf die Straße (gehen) und (massiv stören)“. Das klingt so wunderbar harmlos.
Dass solche „Leute aus dem linken Spektrum“ wahrscheinlich auch für nicht wenige politisch motivierte Straftaten verantwortlich zeichnen, mag man gar nicht denken. Und dass vor allem für solche Leute bei den Gegendemos immer wieder massive Sicherheitsvorkehrungen notwendig werden, fällt dabei irgendwie auch unter den Tisch.

Nein, der Feind meines Feindes ist nicht immer mein Freund. Vor allem dann nicht, wenn ich mir nicht sicher sein kann, ob er nicht auch mein Feind ist.
Ich würde mir wünschen, dass wir anstatt nur unser Gewissen zu beruhigen, indem wir möglichst oft und groß „gegen Rechts“ demonstrieren, uns mal Gedanken darüber machten, ob man der Demokratie nicht vielleicht einen größeren Dienst erweisen könnte, indem man sie vernünftig lebt. Der „Kampf gegen Rechts“ ist ein scheinheiliger Kampf. Es geht nämlich nicht darum, für etwas zu kämpfen, sondern nur darum, gegen etwas zu kämpfen.

Das Aktionsbündnis „Würzburg ist bunt“ überschreibt die Liste der Bündnispartner mit dem vielsagenden Satz: „Das Bündnis ist sich darüber einig, dass Rechtsextremismus in Würzburg keine Chance haben darf.“ Dummerweise ist das aber vielleicht auch schon alles.

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