Kirche² – Auf dem Nährboden der Realität

Ja... aber was?
Ja… aber was?

Der Kongress Kirche² ist mittlerweile schon einige Wochen vorbei und spürbar zu einer Bewegung geworden. Ich verfolge recht interessiert, was sich bei einigen der Leute so tut, die ich erst durch den Kongress kennen gelernt habe. Und ich finde, man merkt, dass sich da etwas entwickelt. Vielleicht noch nicht so viel Greifbares, aber eben spürbar.

Auch bei mir haben die Tage in Hannover einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Und auch wenn ich die 48 Stunden ziemlich “ungenutzt” habe verstreichen lassen, reifen meine Gedanken zu konkreten Ideen.

Allerdings haben sich auch schon diese Ideen wieder verändert. Sie sind etwas “realitätsbezogener” und vielleicht etwas bodenständiger.

Ich lebe und arbeite (ehrenamtlich) in einer großen, gesunden katholischen Gemeinde. Unsere Kirchen sind nie ganz leer, dafür manchmal ganz voll. Wir haben genug ehrenamtliche Helfer und mehr als genug Ministranten. Aber auch wir merken, dass wir nicht mehr ewig auf den alten Wegen weiter gehen können. Die bekannten Symptome eben.

Diese Situation bietet aber immerhin die riesengroße Chance, dass wir vieles ausprobieren können, um uns für die Zukunft aufzustellen. Wir müssen noch wenig, können aber schon viel ändern.

Mit der Erfahrung von Kirche² habe ich mir also gedacht: “Hey, machen wir das doch einfach!” Ich bin in die nächste Sitzung meines Pfarrgemeinderates spaziert und habe – vielleicht auch mit einer Prise Selbstüberschätzung in Bezug auf meine Möglichkeiten – den Kollegen tolle Dinge erzählt. Natürlich hatte ich vorher eingeplant, dass mich zunächst mal einige fragende Augenpaare anblicken würden. Weniger gerechnet hätte ich aber mit dem betretenen Schweigen einiger Kollegen, von denen ich eigentlich erwartet hätte, dass sie meine vorgebrachten Thesen und Ideen direkt unterstützen würden.

Aber gut, seis drum. Es kann sich ja alles entwickeln.

Natürlich hatte ich nicht – und wohl auch sonst niemand in der Gemeinde – die Idee, jetzt einfach mal eine FreshX aus dem Boden zu stampfen, oder ähnliches. Die Gemeindestruktur verleitet auch nicht gerade dazu, viele Dinge zu verändern; es funktioniert ja noch so gut. Aber man muss ja Althergebrachtes nicht unbedingt immer in der Form verändern, um es auf neue Füße zu stellen.

Etwas Bestehendes von innen heraus zu erneuern ist jedoch eben nicht so einfach, wie es einfach komplett neu zu machen. Und mit wem lässt es sich am leichtesten neue Wege gehen? Richtig, mit der Jugend. Der Pfarrjugend einen Rahmen schaffen, in dem sie sich selber als Kirche begreifen kann, ausgehend von einer modern gestalteten liturgischen Feier, sollte ja kein größeres Problem sein.

Denkt man. Wenn einem nämlich die Jugendlichen dann zu verstehen geben, dass sie eigentlich gerne zur Kirche und konkret zur Gemeinde gehören und sich überhaupt keine Extrawürste wünschen, sondern vielleicht etwas mehr Wertschätzung und einen “Tritt in den Hintern”, kann man seine ganzen schönen Pläne und Evernote-Notizen ganz schnell in den Mülleimer verschieben.

Das ist natürlich jetzt alles etwas (arg) überspitzt formuliert. Aber tatsächlich habe ich mich in letzter Zeit manchmal ein klein Wenig so gefühlt, als ob ich gegen eine massive, unerwartete Wand aus Realität gelaufen wäre. Aber das Schöne daran: Es ist gut so!

Ich habe daraus nämlich vor allem eine Erkenntnis gezogen (nicht, dass diese neu wäre): Man kann sich in seinem stillen Kämmerlein noch so viele grandiose Ideen ausdenken, sie müssen sich immer noch in der Welt da draußen bewähren. Und das meine ich restlos positiv. Es gibt ja nicht nur diese Ideen, die man fallen lassen muss. Es gibt ja auch diese Ideen, auf die man auf Anhieb nur positive Resonanz bekommt.

Wohin wir unterwegs sind? Ich habe keine Ahnung. Sicherlich nicht an den Ort, den ich noch vor ein paar Wochen für erstrebenswert gehalten hätte. Das könnte man jetzt so interpretieren, dass sich all die Impulse und Gedanken, die ich aus Hannover mitgenommen habe, im Alltag sukzessive abbauen und verschwinden. Das würde ich aber nun nicht tun. Vielmehr helfen mir diese Erfahrungen des Aufbruchs, die kleinen und größeren Aufbrüche hier in der Gemeinde, die es ja immer wieder gibt, zu erkennen, zu verstehen und nutzbar zu machen.

Und, auch wenn sich das alles nicht so anhört, das Erlebnis der Gemeinschaft, ohne die in der Kirche gar nichts geht, hilft mir auch dabei, meine eigene Rolle besser zu verorten. Das heißt konkret: Ich versuche einige, meines Erachtens interessante Hefte in die Hand zu nehmen und auf den Tisch zu legen, hineinschreiben sollen aber ruhig erstmal andere.

Ich bin gar nicht so traurig, dass die bisher erarbeiteten Konzepte wieder zurück in die Schublade kommen. Das bedeutet ja auch, dass wir uns keinem blinden Aktionismus hingeben; etwas, das ich unbedingt vermeiden will. Christian Hennecke hat kürzlich so schön von Kosmetik gesprochen. Ich finde den Begriff sehr treffend.

Richtig froh bin ich aber über all die guten Gedanken, Gespräche und die Energie, die Kirche² freigesetzt hat. Ich hoffe einfach mal, dass bald auch endlich die Videos von den Plena hochgeladen werden. Dass meine Leute hier vor Ort endlich mal verstehen, wovon ich da immer spreche. 🙂

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2 Gedanken zu “Kirche² – Auf dem Nährboden der Realität

  1. Danke für deine Gedanken! Mit einer erhofften Reaktion auf meine Begeisterung ging ähnlich – nicht. Es sind nur kleine Bruchstücke, Versatzteile, die hier und dort mal in ein bestehendes Projekt einfließen können. Am wertvollsten sind mir die Begegnungen und Kontakte, die sich über Kirche² ergeben haben und – anders als bei anderen Fortbildungen – z.B. über Twitter am Leben geblieben sind!

    1. Herzlichen Dank für den Kommentar.
      Uns geht es anscheinend da wirklich sehr ähnlich. Wobei ich nicht von „kleinen Bruchstücken“ sprechen will. Das klingt etwas sehr negativ.
      Mir war ja von Anfang an klar, dass bspw. die FreshX sehr interessant und inspirierend sind, mit meiner konkreten Situation aber herzlich wenig zu tun haben. Insofern war die Ernüchterung dann auch nicht so krass, wie das vielleicht rüberkommen mag. Es ist eben ein – sehr spannender – Entwicklungsprozess; sowohl für die Kirche, als auch für dich und mich.

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