Ach, ja – –

Gerade bin ich beim Blättern durch das Archiv des Simplicissimus auf dieses Gedicht gestoßen. Es stammt aus der Feder von Karl Kinndt und wurde in der Ausgabe Nr. 49 vom 5. März 1933 (37. Jahrgang) veröffentlicht. Könnte aber auch (fast) von heute sein:

– – Auch Amerika hat Sorgen,
weil die stärksten Banken wanken – :
dafür darf man nun ab morgen
Alkohol als Tröstung tanken.

Krieg entbrennt im fernen Osten
trotz der Völkerbund-Proteste.
Und man läßt das Schwert nicht rosten,
sondern schleift es – aber feste!

Süße Eintracht, holder Frieden
eint nicht mal die deutschen Dichter – :
Rigoros wird ausgeschieden
pazifistischer Gelichter – –

Außenkriege – Innenkriege –
Alle Menschheit ist zerspalten –
Dieser feiert seine Siege,
jener muß die Schnauze halten!

Morgens liest man stets von Toten,
weil das so dazu gehört.
Und die Zeitung wird verboten,
weil sie Ruh‘ und Ordnung stört.

Ach, sie hängt an keinem Baume,
und sie hängt an keinem Strick:
sie verpufft im leeren Raume,
unsre deutsche Republik – –

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