Island, Teil 2.

Vor ein paar Wochen war ich mit Freunden zum Wandern im Schwarzwald und hatte mich sehr an dessen wundervoller Landschaft erfreut, die ich da erstmals genauer begutachten konnte. Nach den ersten zehn Kilometern Wanderweg war ich hin und weg. Wenn ich daran heute denke, kommt mir dieses „Erlebnis Schwarzwald“ irgendwie lächerlich klein vor.

Gut, den Wald hat Baden-Württemberg Island voraus. Bäume gibt es hier wenige, diese sind eher klein gewachsen, selten stehen gruppiert und nie in einer Formation, die man „Wald“ nennen wollte.
Und überhaupt diese Fauna. Gräser und Moose sorgen im Allgemeinen für die Färbung der Landschaft, die ansonsten einfach nur schwarz wäre. Wo nämlich gerade kein Grasbüschel sprießt, kann man Vulkangestein wahlweise als Fels, Sand oder als vom letzten Ausbruch zurückgebliebene Asche begutachten.

An einigen Stellen kurz hinter Reykjavik ist die Erdkruste dünn genug, dass sich die Bohrung nach Heißdampf lohnt. So stellen sich einige der Landwirte kleine Heizkraftwerke auf, aus deren Kaminen unablässig die Dampfwolken quellen.

So flach, wie die Landschaft direkt an der Küste ist, kann man die Wolken dann auch kilometerweit sehen. Die felsigen Berge liegen nämlich mal einige hundert, mal einige tausend Meter von der Küste entfernt, immer aber in Sichtweite. So zum Beispiel auch der berühmt gewordene Eyjafjallajökull, den man von der Ringautobahn aus bestaunen kann.
Den deutschen Autofahrer mag die Bezeichnung Autobahn dabei etwas verwundern. Stellenweise handelt es sich bei der Straße lediglich um eine Schotterpiste.
Langsam klärt sich, wieso auch die Bewohner von Reykjavík so gerne Geländewagen fahren.
Wobei die sich wahrscheinlich auch eher selten auf den Weg zu den Touristenzielen entlang der Strecke machen. Die Wasserfälle, Lavafelder, Felsformationen usw. sind zwar allesamt wahnsinnig beeindruckend und ziehen auch Busladungen von Touristen an (bei Weitem nicht in den Größenordnungen, die man aus anderen Urlaubsländern kennt; alles in verträglichem Rahmen), aber wenn man das immer hat – oder wenigstens haben kann – sucht man sich wahrscheinlich nur die sonnigsten Sonntage für seine Ausflüge aus, nicht Samstage wie heute, an denen ein beständiger Wind ganz schön nervt.

Aber auch mit mir Mitteleuropäer macht diese wahnsinnige Landschaft etwas. Nach einem Tag und fast 400 Kilometern auf der Küstenautobahn bin ich ganz schön müde. Weil es körperlich anstrengend war, klar. Aber das Erleben einer so gewaltigen Natur macht auch den Geist irgendwann müde. Gut, dass Wind und Regen draußen geblieben sind und hier im Wohnzimmer Kaffee und Heißdampfheizung für Entspannung sorgen.

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