Island, Teil 5.

Mir geht es ja so: Wenn ich einen neuen Ort – eine neue Stadt, ein neues Land – kennen lerne, versuche ich es immer erstmal mit mir bereits Bekanntem zu vergleichen. So hat mich beispielsweise Reykjavík von Beginn an sehr an Lillehammer erinnert. Dass es sich hier um eine mittelgroße skandinavische Großstadt handelt, ist ja klar. Eher besonders sind aber die sehr niedrigen Häuser. Begründet wird das mit der langen Dunkelheit (im Winter): Wenn man sowieso schon wenig Sonne hat, will man sich nicht noch künstlich Schatten machen. Klingt irgendwie logisch. Und im Ergebnis führt das in Downtown Reykjaik zu einem sehr besonderen Stadtbild, das eben mehr an eine skandinavische Kleinstadt, denn an eine europäische Hauptstadt erinnert; was Reykjavik beides ist.

Gegenüber anderen Städten zeichnet sich die isländische Hauptstadt durch eine wahnsinnig virale Kulturszene aus. Auch die Café- und Kneipenszene der Stadt such ihresgleichen. All das hat sicher viel mit der Lebensfreude der Menschen zu tun: Wenn Dir die Umwelt das Leben schwer macht, versuchst Du eben auch das kleinste Bisschen voll zu genießen.
Das macht Reykjavik zu einer ganz besonderen Stadt mit einem ganz besonderen flair. Dennoch fällt es nicht sonderlich schwer, in diese Stadt hineinzufinden. Zumindest dann nicht, wenn man schon die ein oder andere Skandinavienreise hinter sich hat.

Ganz anders ist es beim Land. Ich habe in den vergangenen Tagen zwar bei Weitem nicht die ganze Insel bereist, aber doch ein gutes Stück des Südwesten Islands gesehen. Und auch wenn man sich bei vielen Landstrichen an andere Gegenden Nordeuropas erinnert fühlt, ist dieses Land in seiner Gesamtheit doch völlig anders.
Wenn man einmal davon absieht, dass es hier keinen Wald gibt, könnte mancher Berghang vermeintlich auch in den Alpen liegen. Dann aber sieht man etwas genauer hin und sieht die charakteristischen Dampfschwaden eines Geothermiegebietes aus den Felsspalten quellen.
Zehn Kilometer weiter findet man sich auf einer unbewachsenenen Hochebene wieder. Lediglich Moose, Flechten und trockene Gräser bedecken den schwarzen Vulkansand. Im Hintergrund erheben sich die von flüchtigen Moosbüscheln bedeckten Geröllhügel hinauf, bis sie in das Weiß des Gletschers übergehen.
Wenn man von Reykjavik die Ringautobahn nach Süden nimmt, kommt man direkt hinter der Stadt auf ein Geothermiefeld, wo die Energie für die Stadt erzeugt wird. Die Landschaft ist – gelinde gesagt – karg und wird von Dampfwolken überweht. Eine halbe Stunde später gelangt man auf dieser Straße an die rauhe Südküste. Von der einen Seite weht die Seeluft des Nordatlantiks, von der anderen Seite fließen unzählige Bäche und Flüsse mit dem Wasser von geschmolzenem Gletschereis zur See hin. An den steilen Hängen der Berge, die sich direkt neben der Straße anheben, bilden die Ströme pittoreske Wasserfälle. Und im Hintergrund ragen die schneebedeckten Vulkane auf, wie etwa der Eyjafjallajökull.

Ja, die Landschaft Islands erinnert an vielen Ecken an Bekanntes. Aber dennoch ist es so anders, als alles, was ich bisher kannte. Die Natur erscheint so unangetastet und rau, wie ich es bisher noch nirgends erlebt habe. Ich möchte dieses Land mit Bekanntem vergleichen und kann es nicht, weil es so ganz anders ist als alles, was ich bisher kannte.
Ich werde zurückkommen müssen. Dann werde ich sagen können, dass es mir bekannt vorkommt.

P.S.: Heute hat es geregnet. Durchgängig. Und es hatte Wind. Wenn es hier windig ist und regnet, kann man das wohl am ehesten mit einem veritablen Herbststurm in unseren Breitengraden vergleichen. Da hat mir irgendwie die Lust aufs Bilder machen gefehlt. Morgen wieder mehr!

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