Eine Million Euro und ein Jahr später

Wenn dieser Tage in den bundesdeutschen Medien von der katholischen Kirche die Rede ist, dann geht es um’s Geld. Wie aus dem Nichts interessiert sich plötzlich alle Welt für die finanzielle Situation der deutschen Diözesen. Gut, das mag nachvollziehbar sein. Weniger verständlich ist für mich der Eifer, mit dem sich die journalistische Zunft jetzt auf dieses Thema stürzt. Immerhin hat es bis vor wenigen Wochen kaum jemanden interessiert. Und in der Zwischenzeit dürften die Kassen kaum spannender geworden sein.

Dieses akute Interesse an Informationen dürfte dieser Tage so manche bischöfliche Presseabteilung ganz schön in Aufruhr versetzen. Ich kann mir jedenfalls Angenehmeres vorstellen, als zwischen dem legitimen Interesse der Öffentlichkeit und der gebotenen Sorgfalt im Umgang mit sensiblen Finanzauskünften zu vermitteln; und das unter dem nicht unerheblichen Druck einer medialen Kampagne.

In dieser Situation würde es mich nicht wundern, würde ein übereifriger Journalist die Wartezeit mit einer Archivrecherche verkürzen um zu sehen, was man in der Vergangenheit möglicherweise verpasst hat.
Genau das dachte ich jedenfalls gestern, als ich diesen Tweet des Studios Franken vom Bayerischen Rundfunk las:

Allein bei diesen Worten wurde ich schon stutzig; immerhin liegt die Domrenovierung inklusive Orgelsanierung schon ein Jahr zurück. Ich habe selber noch im November letzten Jahres die Orgelbauer bei ihrer Arbeit an der Domorgel beobachten können. Darüber hinaus muss die Summe verwundern: Es wird schnell siebenstellig, wenn es um große Orgeln geht, aber für einen Spieltisch? Wie gesagt, es verwundert. Und das soll es ja auch. Schließlich gilt zur Zeit: Kirche + hohe Geldsumme = viele Klicks.

Die verlinkte Meldung bringt einen auch nicht weiter. Ein großes Bild und ein paar Zeilen Text. Das war’s. Abgesehen von ein paar wenigen Fakten zur Orgel bleibt es bei der Aussage: Ein neuer Spieltisch für eine Millionen. Immerhin wird am Ende aber noch die Fertigstellung im Jahr 2012 erwähnt.

An dieser Stelle konnte ich mir dann gar keinen Reim mehr auf diese Meldung machen. So kurz und neutral der Text gehalten ist, war das sicher kein Werk eines übereifrigen Journalisten.
Glücklicherweise lese ich aber auch täglich die Pressemeldung der Diözese Würzburg. Und die brachten dann Aufklärung.

Tatsächlich hat die Pressestelle nämlich erst gestern die entsprechende Meldung herausgegeben. Diese ist auch tatsächlich sehr interessant zu lesen und enthält viele Informationen, die man sonst nicht unbedingt finden würde. Der Bayerische Rundfunk hat also schlicht und einfach die Pressemeldung des Bistums übernommen. Stark verkürzt zwar und mit einer leicht irreführenden Überschrift – das viele Geld wurde nämlich nicht allein für einen neuen Spieltisch ausgegeben, sondern insgesamt für die Sanierung und Modernisierung der beiden Orgeln im Kiliansdom – aber immerhin.

Bleibt die Frage, weshalb diese Meldung ausgerechnet jetzt, über ein Jahr nach Abschluss der Arbeiten gebracht wird. Nicht, dass es kein Thema wäre, über das es zu berichten nicht lohnen würde. Wundern darf ich mich dennoch. Vielleicht ist es aber auch nur ein subtiler Versuch, die teilweise enorm anmutenden Summen, mit denen die Kirche arbeitet, zu erklären und in einen nachvollziehbaren Zusammenhang zu bringen.

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