Von einladenden Buchhandlungen

Ich habe es schon öfter bereut, etliche der philosophischen Klassiker nicht im Original gelesen, bzw. noch nicht einmal in der Hand gehalten zu haben. Kommentare und Lehrbücher sind sicher sehr hilfreich und helfen beim Verständnis, Originaltexte haben aber immer noch eine ganz andere Qualität. Jedenfalls gibt es etliche Titel, die ich am liebsten im Regal stehen hätte. Zumindest würde ich sie aber überhaupt erst einmal gerne in die Hand nehmen. Nach diesem Blogpost hatte ich mir beispielsweise vorgenommen, einmal nach einer Ausgabe von Heideggers “Sein und Zeit” zu suchen.

Dass der Gang zum örtlichen Hugendubel da nicht unbedingt erfolgversprechend ist, hätte ich mir im Vorfeld denken können. Trotzdem bin ich heute dort hin marschiert. Am Philosophie-Regal angekommen fand ich zwar keinen Heidegger, dafür meterweise Precht. Was für mich natürlich das Signal war, sofort den Laden zu verlassen.
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Also bin ich einfach ein paar Schritte weiter in die nächste Buchhandlung gegangen, in die Buchhandlung am Dom. Dort, dachte ich mir jedenfalls, wird man zwischen dem Gesamtwerk von Anselm Grün ja wenigstens einiges Philosophen finden können. Nun, falsch gedacht. Trotzdem hatte ich Lust, noch ein wenig durch das Angebot zu stöbern.

Blöd nur, dass ich dabei auf die Idee kam, kurz einen Tweet zu tippen (ich hatte etwas mit Heidegger, Precht und Hugendubel im Sinn). Kaum hatte ich nämlich die ersten Zeichen getippt, kam die Verkäuferin auf mich zugelaufen. Es folgt eine nicht ganz wortgetreue Rekonstruktion:

“Das gestatten wir hier nicht, dass Sie sich den Titel abtippen.” Ich blickte sie verständnislos an. “Wir möchten dass nicht, dass die Leute sich hier den Titel oder die ISBN abtippen.” Ich erwiderte: “Das habe ich gar nicht getan. Und wenn ich die ISBN wissen will, bekomme ich die auch anders raus.” Sie: “Wir möchten das hier nicht, dass… -”

Was sie danach noch sagte, hab ich nicht mehr genau mitbekommen, da ich mich schon auf den Weg zum Ausgang befand.
Rückblickend betrachtet hätte ich vielleicht nicht sofort gehen sollen, sondern der Dame erst einmal ein paar Takte zu meiner “Notiz” erzählen sollen. Und wahrscheinlich tue ich ihr auch Unrecht, wenn ich sie hier so negativ darstelle. Aber in diesem Moment war das schon ein sehr “kantiges” Verhalten.

Und irgendwie werde ich daraus auch nicht so wirklich schlau. Klar, die Leute der Buchhandlung haben offensichtlich Angst davor, dass ihnen die Online-Shops das Geschäft irgendwann kaputt gemacht haben. Verständlich. Allerdings war ich ja nun aber schon im Laden und wäre auch bereit gewesen, dort Geld zu lassen. Man geht ja nicht in eine Buchhandlung, nur um ein Buch zu kaufen. So wie man ein Buch nicht einfach nur um des Inhalts Willen kauft. Wenn ich mich für Papier entscheide, entscheide ich mich (zumeist) auch für das “haptische Erlebnis”. Und beim Gang in die Buchhandlung entscheide ich mich für das “Erlebnis Buchhandlung”. Mir scheint, dass etliche Buchhandlungen (das betrifft ja andere auch) daraus noch nicht so recht Profit schlagen können. Der Hugendubel läuft sicher auch aufgrund des Kaffees und der Sitzgelegenheiten so gut (auch wenn diese mich persönlich massiv nerven).

Ein Beispiel für eine wirklich tolle Buchhandlung habe ich übrigens vor einigen Wochen in Reykjavík gesehen. Die Buchhandlung Eymundsson ist nicht nur offen und freundlich, sondern hat auch ein nettes, kleines Kaffee integriert. Überdies dient die oberste Etage während des legendären Iceland Airwaves Festival gerne mal als Off-Venue für intime Gigs.

So gerne ich aber auch viel öfter durch 101 Reykjavík schlendern und in der Austurstræti Bücher kaufen wollte, geht das eben nicht. Und ich finde es sehr schade, dass es in Würzburg keine Buchhandlung gibt, in der ich einfach gerne Bücher kaufen mag.

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