Ehrfurcht ist kein guter Ratgeber

030614_1259_Ehrfurchtis1.jpgNächste Woche wählt die Deutsche Bischofskonferenz einen neuen Vorsitzenden. katholisch.de hat dazu „prominente Persönlichkeiten“ nach ihrer Einschätzung gefragt, welche Fähigkeiten der neue Vorsitzende mitbringen muss und ob sie einen persönlichen Wunschkandidaten haben. Auffällig ist, dass (fast) keiner der Befragten sich traut, einen konkreten Kandidaten zu benennen.

Klar, in der Kirche macht man keine Karriere. Man bewirbt sich nicht um höhere Aufgaben. Dafür wird man ausgewählt und hat sich dann demütig in die neue Rolle einzufügen. Das ist auch richtig so. Und in diesem Sinne haben wohl die angefragten Personen auch auf die Frage nach einem Kandidaten geantwortet: Darüber spricht man nicht, das nimmt man nur wohlwollend zur Kenntnis.

Für mich kommt da eine große Ehrfurcht vor diesem Amt zum Vorschein. Eine Ehrfurcht, die ich in diesem Zusammenhang für einen denkbar schlechten Ratgeber halte. Klar, dem Amt des Bischofs hat man als Katholik eine gewisse Ehrfurcht entgegen zu bringen. Dem Amt, wohlgemerkt, nicht der Person des Bischofs. Personen verdienen sich Respekt und Autorität, das Bischofsamt hat seine besondere Stellung schon aufgrund der Bedeutung für die Kirche und muss sich diese daher nicht erst erarbeiten.

Der Vorsitzende der DBK ist aber nun kein „Über-Bischof“, er hat kein besonderes Hirtenamt inne. Er ist Manager der Konferenz der Deutschen Bischöfe und erster Sprecher dieses Gremiums. Nicht mehr, aber beileibe auch nicht weniger. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz hat eine Fülle anspruchsvoller Aufgaben zu bewältigen, die größtenteils weltlicher und kirchenpolitischer Natur sind.

Nein, die Wahl des DBK-Vorsitzenden ist keine politische Wahl. Es gibt völlig zu Recht keinen Wahlkampf und keine Parteien. Aber man muss doch trotzdem über geeignete Kandidaten sprechen können!

Ich glaube, dass viele sich sträuben, in dieser Frage Position zu beziehen, da sie Angst haben, sich durch die Unterstützung eines bestimmten Bischofs in einer Ecke zu landen, aus der sie nicht mehr herauskommen. Oder schlimmer noch: Da sie Angst haben, durch die Ablehnung eines bestimmten Bischofs ihn gleich komplett in Frage zu stellen.

Nur ist das Amt des DBK-Vorsitzenden eben kein Hirtenamt. Die Frage, ob jemand für dieses Amt geeignet ist, hat überhaupt nichts mit seiner Fähigkeit als Pastor seiner Teilkirche zu tun.

Ich glaube also, dass es eigentlich möglich wäre, vorbehaltslos über die Befähigung verschiedener Kandidaten für diese nicht triviale Aufgabe zu diskutieren. Stattdessen wird die Position des DBK-Vorsitzenden künstlich überhöht. Darüber spricht man eben nicht.

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2 Gedanken zu “Ehrfurcht ist kein guter Ratgeber

    1. Ich habe das nicht getan, weil ich, um ehrlich zu sein, einen guten Teil der deutschen Bischöfe nicht so recht einschätzen kann.

      Aber ich kann mir vorstellen, dass Rainer Kard. Woelki gut für dieses Amt geeignet wäre. 😉

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