Die Kirche ist ein All-In-Club

„In der Ausübung des Hirtendienstes hat sich der Diözesanbischof um alle Gläubigen zu kümmern, die seiner Sorge anvertraut werden (…); er hat den apostolischen Geist auch denen zuzuwenden, die wegen ihrer Lebensumstände aus der ordentlichen Seelsorge nicht hinreichend Nutzen ziehen können, wie auch jenen, die von der religiösen Praxis abständig geworden sind.“ (c. 383 CIC/1983)

Dieser etwas sperrige Satz aus dem Kirchenrecht sagt vereinfacht gesprochen aus, dass der Bischof sich um alle Getauften seines Bistums zu sorgen hat, egal, ob sie regelmäßig in den Gottesdienst gehen und in der Pfarrei engagiert sind, oder ob sie die Kirche zuletzt vor zehn Jahren von innen gesehen haben und auch ansonsten keinen Kontakt zur Kirche haben. Der Bischof ist Hirte der gesamten Herde, nicht nur des Teils, den er regelmäßig zu Gesicht bekommt. Soweit die Theorie.

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In der Praxis ist das freilich eine große Herausforderung. Wie kümmert man sich um Menschen, die man unter normalen Umständen gar nicht erreicht? Nun, mit einer Predigt im Gottesdienst wohl nicht. Das dürfte sich auch der Würzburger Bischof Friedhelm gedacht haben, als er seinen aktuellen Fastenhirtenbrief aufgesetzt hat; dieser wird ja in erster Linie in allen Kirchen als Predigt im Gottesdienst vorgetragen. [Den Text kann man sich auf dieser Seite als pdf-Datei herunterladen]

Als ich den Text gestern gelesen habe, ist mir gleich an mehreren Stellen aufgefallen, dass der Bischof hier ganz offensichtlich nur für einen Teil der Gläubigen schreibt: „Wir müssen versuchen, zu verstehen, was die Menschen bewegt“, „(wir) müssen den Realitäten ins Auge sehen“, „(das) geht uns alle an!“. Bischof Friedhelm spricht damit ganz offensichtlich jene Katholiken (nicht Gläubigen!) an, die er aller Voraussicht nach mit einer Predigt im Sonntagsgottesdienst erreicht. Über den großen Rest der Gläubigen wird in der dritten Person gesprochen. Der Rest, das sind die, um die „wir“ uns kümmern müssen. „Ich kann Ihnen allen, liebe Schwestern und Brüder, nur Mut machen, über neue Wege nachzudenken, wie wir die Frohe Botschaft wieder in die Herzen der Menschen tragen können.“

Das ist sehr richtig, was der Bischof da sagt. Wir als Kirche müssen tatsächlich immer neue Wege und Möglichkeiten entdecken und entwickeln. Aber das geht doch nicht nur die etwas an, die sowieso schon engagiert am Leben der Kirche teilnehmen. Das ist doch eine Botschaft, die man gerade denen mitteilen muss, die das Hirtenwort eben gerade nicht erreicht. Hört her, liebe Leute, lasst uns alle unser Bestes und uns gegenseitig eine Chance geben!

Nein, ein Bischof muss sich nicht immer um alles und jeden gleichzeitig kümmern. Der Bischof darf sehr wohl mit unterschiedlichen Menschen unterschiedlich umgehen. Aber wir alle als Kirche müssen uns davor hüten, zu einem „Aspirational Club“ zu werden, in dem nur mitmachen darf, wer entsprechende Anstrengungen vorweisen kann. Die Kirche ist in erster Linie ein „All-In-Club“, da gehören alle Getauften dazu. Immer.

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