Nicht meckern. Besser machen. – Part I: Bring the church into the wild! [#rp14 #3]

Es folgt ein etwas längerer Beitrag in zwei (oder mehr) Teilen am Ende der re:publica 2014. Es wird vermutlich nicht der letzte Beitrag sein, der auf die #rp14 referenziert.

Ich hatte gestern hier schon geschrieben, dass mir auf der re:publica zu wenig Christentum und Kirche stattfindet. Das fällt einem vor allem dann auf, wenn man ständig irgendwelchen Kirchenmenschen über den Weg läuft, aber auf dem Sessionplan eigentlich so gar nichts finden kann, das nach Weihrauch riecht.
Und das sehe bestimmt nicht nur ich so. Ich denke, da werden mir besagte kirchenaffine Teilnehmer zustimmen. Für Leute, die die re:publica nicht kennen – wie eng auch immer man das definieren mag – könnte sich da die Frage stellen, wieso die Kirche ausgerechnet bei diesem Happening der Netzelite Präsenz zeigen sollte.
Eine Teilantwort auf diese Frage hatte ich gestern schon gegeben. Wenn es um Zukunft geht, sollte die Kirche sich immer dafür interessieren. Aber darüber hinaus gibt es, zumindest in meiner Wahrnehmung, eine Vielzahl von Anknüpfungspunkten. Beispielsweise wenn es um Menschenrechte geht.

IMAG1016_editedEin anderes Beispiel, weniger offensichtlich, aber mindestens genauso ergiebig: Ich war heute in einer Session zum Thema Crowdsourcing. Dieses Konzept wurde dort unter anderem und ungefähr definiert als das Outsourcen eines Jobs, der traditionell einem Mitarbeiter übertragen wurde. Auf Kirchendeutsch: Der Pfarrer kann nicht mehr alle Aufgaben alleine bewältigen, also wird so viel wie möglich verteilt auf die Schultern der Crowd, die wir Gemeinde nennen. Gerade bei kreativen Tätigkeiten kann man von einer intrinsischen Motivation der Leute ausgehen, an diesen Jobs wenigstens mitzuarbeiten. Man kann Leute auch implizit für sich arbeiten lassen, so, dass sie es vielleicht gar nicht merken. Da kommen dann auch Konzepte wie Gamification ins Spiel. – Ich bringe das Beispiel dieser Session, weil die augenscheinlich gar nichts mit Kirche oder Glauben zu tun hatte. Die Inhalte bezogen sich auf ganz andere Bereiche. Trotzdem waren die Anknüpfungspunkte für mich ziemlich offensichtlich. Die Kirche sollte also noch stärker auf der re:publica vertreten sein, weil sie dort schlichtweg noch was lernen kann.

Kurz eingeschoben: Wenn ich hier von der re:publica schreibe, meine ich damit sicherlich die konkrete Veranstaltung, aber auf jeden Fall auch den Kulturkreis, für den sie steht.

Weil Kommunikation aber nie einseitig sein kann, gibt es auch eine Gegenbewegung. Die Kirche hat auch den Menschen der re:publica etwas mitzuteilen. Wir nennen es Mission.

Das heißt zunächst einmal nicht, dass DBK und EKD schöne Stände aufbauen und ihre höchsten Tiere als Katecheten entsenden sollen. Nein, wir sind schon dort. Es gibt ja schon die Kirchenleute, die bewusst als solche dorthin gehen. Allein es fehlt irgendwo die Rückbindung. Welcher Diözesanbischof sagt denn seinen Medienleuten: Geht hin, präsentiert euch und lernt! Welcher Landesbischof kennt die Veranstaltung denn selbst und würde gern einmal dabei sein? Die Kirche ist da nicht besser oder schlechter als der Rest der Gesellschaft. Es mag mittlerweile nicht mehr so wirklich verpönt zu sein, „den ganzen Tag in diesem Internet rumzusurfen“, aber es wäre doch schöner, wenn man sich lieber mit sinnvolleren Dingen beschäftigen würde. – Mission bei der re:publica bedeutet eben auch, diese Kultur ernst zu nehmen, die Relevanz für und in der Kirche zu erkennen und sie zu unterstützen.

Mission auf der re:publica kann außerdem auch nicht heißen, diese Veranstaltung und die Menschen evangelisieren zu wollen. Das wäre auch nicht authentisch. Das muss anders gehen. Ich habe von Anknüpfungspunkten gesprochen, vorhin auch von Menschenrechten. Wenn auf der re:publica immer wieder die Einschränkung der Meinungsfreiheit in gewissen Teilen der Welt beklagt wird, hat die Kirche sich der Klage anzuschließen. Und dann müssen wir uns hinstellen und sagen: Die Freiheit ist nicht verhandelbar, weil sie uns geschenkt wurde und uns ein Auftrag ist.

Ich hatte heute an einem Punkt das Gefühl, dass auf dieser re:publica, in dieser Kultur, viele nicht explizit kirchenaffine Teilnehmer überrascht waren, diese Gemeinsamkeiten zu entdecken. Mich überrascht das wiederum nicht. Let’s face it: Wir sprechen aneinander vorbei. In unterschiedlichen Sprachen.
Ich weiß nicht mehr wo und wann, aber ich habe mal ein wunderbar passendes Zitat dazu aufgeschnappt: „Go tell them the good news! You might be the only Bible they have ever read.“

Wenn die Kirche auf der re:publica präsent sein sollte – was ich behaupte – und wenn sie dort missionarisch aktiv sein sollte – was ich für notwendig halte – dann bitte so.

re:publica 14 - INTO THE WILD

Hier geht’s zu meinen übrigen Beiträgen über die re:publica!

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Ein Gedanke zu “Nicht meckern. Besser machen. – Part I: Bring the church into the wild! [#rp14 #3]

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