Nicht meckern. Besser machen. – Part II: Bring the wild into the church! [#rp14 #4]

Mit ein paar Tagen Abstand zur re:publica jetzt also – endlich – einige Gedanken zum Thema des Titels, der Gegenbewegung zum letzten Post: Das Wilde in die Kirche tragen.

Über die Ansatzpunkte und Verknüpfungen zwischen Themen der re:publica und Themen der Kirche hatte ich bereits geschrieben. Dass das keine einseitige Geschichte ist, sollte ja klar sein. Aber über das mit dem Meckern und besser machen und vor allem das Wilde habe ich noch nicht wirklich geschrieben. Das ist aber mindestens genauso wichtig.

IMAG0996_1Meckern hat in der Kirche Tradition. Was nicht grundsätzlich schlecht ist. Gerade die großen Debatten, die vor dem Hintergrund gewisser Unzufriedenheiten geführt wurden, haben die Kirche in der Vergangenheit verändert und dadurch weiter entwickelt. Das ging aber nur, weil es auch immer wieder Menschen gab, die aus ihrer Unzufriedenheit eine Tugend und sich selbst an die Arbeit gemacht haben. Das gilt für die großen, weltkirchlichen Themen genauso, wie für die kleinen Ecken und Kanten in der Ortskirche oder sogar der Pfarrei.

Dabei spielen, davon bin ich überzeugt, heute und zukünftig das Internet und die digital natives eine inmer größere Rolle. Die Kirche tut sich in diesem Bereich noch sehr schwer, was nicht allein – wie es viele wohl gerne hätten – an dem hohen Stellenwert der Tradition in der Kirche liegt. Vielmehr liegt es daran, dass viel zu oft Leute mit diesem Feld betraut werden, für die das Netz eben nicht schon Heimat ist. Da gibt es dann auch Ängste vor dem Neuen und Unbekannten. Dabei gibt es die digital natives ja auch in der Kirche. Wir sind hier und für uns ist das Internet genauso selbstverständlich Teil des täglichen Lebens, wie es die Teilhabe am kirchlichen Leben auch ist.
Diese Charismen muss die Kirche zweifelsohne noch entdecken und fördern. Natürlich auch, weil das Netz ein Kommunikationsmedium ist. Wenn es überhaupt einen Auftrag der Kirche gibt, auf den sich die Christenheit einigen kann, dann ist das wohl die Verkündigung. Allein schon dazu muss die Kirche auch tiefer in das Netz vordringen.

Und das Netz muss in die Kirche eindringen, sie verändern. Im Internet, erlebbar auch auf der re:publica, herrscht eine andere Kommunikationskultur. Die ist nicht notwendigerweise hierarchisch, schon gar kein Top-Down-Prozess. Im Internet der vielen Sender gibt es keine Einbahnstraßenkommunikation mehr. Das Internet unserer Tage traut jedem Menschen zu, etwas beizutragen. Die Kirche tut das leider – noch – nicht. Dabei gilt für Kirche und Netz gleichermaßen, dass beide Begriffe vor allem die Summe ihrer Teilnehmer, meinetwegen auch Mitglieder bezeichnen. Wenn ich sage, dass Kirche noch zu wenig auf Partizipation setzt, dann heißt das, dass wir uns alle gegenseitig noch zu wenig zugestehen und vielleicht auch oft zu wenig zutrauen.

Natürlich braucht es die Spezialisten, in der Kirche wie im Netz. Fachliche Expertise müssen wir unbedingt hochschätzen. In der Sprache der Kirche: Man darf das paulinische nicht gegen das petrinische Prinzip ausspielen.

Zugegeben, das ist nicht einfach. Aber ich bin mir sicher, dass es sich lohnt. Ich staune täglich über das Netz. Es gibt so viele Menschen mit grandiosen Ideen, denen das Netz eine wunderbare Plattform bietet, sie der Welt vorzustellen. Die Kirche muss auch eine solche Plattform werden. Wir müssen all die Menschen mit ihren tollen Ideen ermutigen und ermächtigen, sie der Welt vorzustellen.

Auf der re:publica kann man das exemplarisch erleben. Da kommen dutzende, hunderte Menschen mit steilen Thesen und kühnen Theorien, die sie der Welt einfach mal vorstellen wollen. Und in der Gesellschaft sonst wohl Skepsis und Ablehnung die Reaktionen bestimmen würden, ist das dort nicht der Fall. Im Gegenteil. Ich habe das Gefühl, dass gerade die ungewöhnlichen Ideen, die herausragenden Ansätze besonders gewürdigt werden. Vielleicht ist es nicht immer klug, den Idealismus über den Realismus zu heben, aber in dieser Gesellschaft und in diesen Tagen funktioniert es. Und es tut gut.

Das klingt wohl wild, keine Frage. Ich hoffe es jedenfalls. Gemeckert haben wir alle lange und laut genug. Jetzt heißt es: Besser machen.

re:publica 14 - INTO THE WILD

Hier geht’s zu meinen übrigen Beiträgen über die re:publica!

 

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Ein Gedanke zu “Nicht meckern. Besser machen. – Part II: Bring the wild into the church! [#rp14 #4]

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