Wie werde ich zum Störsender? [#rp15 #2]

IMG_8196_edited

Es ist so verdammt anstrengend, dieses Offline-Internetz. Aber auch so schön. Dreieinhalb Tage re:publica, fünf Tage Berlin spürt man vor allem im Kopf. Denn der ist voll von Eindrücken, Ideen, Freude und anderen Dingen, die man lieber nicht für sich behält. Daher schreibe ich auf, was ich für konservierenswert halte. Den Anfang machen einige Gedanken zu netzinkompatiblen Printprodukten und fremden Timelines.

Die Seite 3 findet im Netz nicht statt, sagte Brigitte Zypries bei einem ansonsten nicht allzu spannenden Panel. Auf dem Podium “Die Vermessung der Medienwelt” ging es um eine ganze Reihe von Themen, von denen mir am Ende aber nur dieser eine Satz hängen geblieben ist. Oder vielmehr, ein kurzer Tweetwechsel, der mir den Satz in einen relevanten Zusammenhang gerückt hat.

Was hat es mit der Seite 3 auf sich? Im klassischen Beispiel der Süddeutschen ist diese Seite der Ort für die großen Reportagen, die investigativen Recherchen, die preisverdächtigen Großformate. Die “Seite 3” ist das Schmuckstück der Zeitung nicht nur wegen ihrer handwerklichen Qualität, sondern weil sie die Möglichkeit bietet, Themen zu setzen. Dort wird die exklusive Story mit der aufwändigen Recherche platziert.

Dass das im Netz so nicht funktioniert, dürfte Frau Zypries tatsächlich richtig beobachtet haben. Allein schon aufgrund der technischen Bedingungen des Mediums. Es gibt nicht mehr die eine, sich allen gleich darstellende Donnerstagsausgabe von sz.de. Die Seite 3 lebt in hohem Maße von Linearität.

Das Verhalten als unmündige Empfänger haben wir im Netz – glücklicherweise! – abgelegt. Wir nehmen nicht mehr ungefragt die Informationen an, die man uns gibt, sondern organisieren unser eigenes Quellenportfolio und verteilen die Informationen nach einer höchstpersönlichen Filterung weiter.

Die Frage, die Zypries aufgeworfen hat, lautet also: Wie kommt neuer Input in dieses System und wie können wir als Sender die wegfallende Seite 3 kompensieren?

Eine Timeline, die sich allein aus gefälligen Wiederholungen der eigenen Position zusammensetzt, bietet keinerlei Mehrwert. Und auch wenig Unterhaltung. Darum bauen wir in unsere Sendernetzwerke gezielt und behutsam Störsender ein, die uns wahlweise überraschen oder anstoßen. Beides sorgt für Bewegung im System – und frischen Input.

Das klingt simpel, stellt aber für die Senderseite eine echte Herausforderung dar. Was wir früher auf der Seite 3 platziert haben müssen wir heute diesen Störsendern anvertrauen, in der Hoffnung, dass es in möglichst vielen Timelines für Überraschung sorgt. Oder besser noch: Wir müssen selber versuchen, als Sender auch immer mal wieder wie ein Störsender zu funktionieren. Wie macht man das?

Zugegeben, ich habe keine Antwort auf diese Frage und wirklich bahnbrechend neu ist die ganze Überlegung sowieso nicht. Dass ich an dem Zitat und dem Tweetwechsel aber dennoch einige Tage hängen geblieben bin, zeigt mir, dass der Gedanke wohl noch nicht zu Ende gedacht wurde. Jedenfalls nicht von mir.

Hier geht es zu meinen übrigen Beiträgen zur re:publica!

re:publica 15 - FINDING EUROPE

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s