Karwochenstimmung.

Ja, jetzt haben wir also einen vakanten Petrusstuhl. Irgendwie komisch. Es ist ja nun wirklich nicht das erste Mal (auch wenn ich zuvor erst eine Sedisvakanz erlebt habe). Aber trotzdem ist die Situation sehr, sehr ungewohnt.

Durch die Ankündigung des Rücktritts konnte man sich zwar darauf vorbereiten, aber irgendwie hat das – zumindest bei mir – nicht wirklich etwas bewirkt. Ich habe natürlich in den letzten Tagen intensiv die Geschehnisse in Rom verfolgt. Aber wirklich erfassen kann man das noch nicht, dass man Benedikt da am Donnerstagabend auf seinem Balkon in Castel Gandolfo wohl das letzte Mal gesehen hat.

Diese Stimmung erinnert mich irgendwie an die Karwoche. Nicht, dass ich einen zurückgetretenen Papst mit dem gestorbenen Herrn vergleichen möchte. Aber es ist doch ähnlich. Man wusste ja, dass diese Situation unausweichlich kommen wird. Und man weiß auch, dass es ja bald ein gutes Ende nehmen wird. Trotzdem merkt man, dass da dieser Tage etwas fehlt, dass da eine Lücke ist.

Bei der Dankmesse im Kiliansdom
Bei der Dankmesse im Kiliansdom

Und offenbar bin ich mit diesen Gefühlen nicht ganz alleine. Am Freitag hat die Pressestelle des Bischöflichen Ordinariats einen Bericht zur Dankmesse des Bischofs am Donnerstagnachmittag veröffentlicht. Darin heißt es:

Auch wenn es aus mehr als 1000 Kehlen erschallt: Das Lied „Großer Gott, wir loben dich“, klingt am Donnerstagabend, 28. Februar, im Würzburger Kiliansdom deutlich gedämpft. Zum Teil mit Tränen in den Augen, zum Teil kniend ins Gebet vertieft, sind die Gläubigen am Ende des Dankgottesdienstes sichtlich ergriffen.

Mich hat dieser Absatz, um ehrlich zu sein, etwas zum schmunzeln gebracht. Ich war am Donnerstag auch im Dom und kann daher mitreden. Es mag sein, dass man hie und da auch Tränend und kniende Beter gesehen hat. Und die Stimmung war tatsächlich nicht gerade überschwänglich. Logisch. Dass aber das Te Deum am Ende eher dürftig klang, dürfte nicht so sehr an der Stimmung gelegen haben, als vielmehr daran, dass ein großer Teil des Volkes die Strophen 1 bis 3 gesungen hatte (wie man das halt so gewohnt ist) und nicht die Strophen 1, 9 und 10, die eigentlich angezeigt wurden. Und, wie wir jetzt wissen, es klingt halt wenig euphorisch, wenn 500 Leute die zweite Strophe von “Großer Gott, wir loben dich” singen, während 500 andere Leute die neunte Strophe zum Besten geben. 😉

Ihr seht, man kann auch in einer Zeit gedämpfter Stimmung noch witzige Episoden erleben. 🙂

(Photo: (c) by Markus Hauck, POW)

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Ich bin gerade im Facebook bei Norbert Kebekus über dieses kurze Interview mit Francis S.R.E. Card. Arinze gestoßen.

Ich finde, dass er darin einige gute Gedanken formuliert, wie man den Rücktritt des Heiligen Vaters einordnen muss und was die Kirche zu erwarten hat. Besonders bemerkenswert fand ich folgenden Satz:

„If anybody is confused, the problem is on the side of that person, not on the side of the Pope.“

Recht hat er wohl. Wir dürfen darauf vertrauen, dass die Entscheidung des Heiligen Vaters wohl bedacht ist und dass er sie einzig und allein zum Wohl der Kirche getroffen hat.

Über-Menschlich.

Es hilft nichts. Wenn ich hier nicht wenigstens einen kurzen Gedanken hinterlasse, werde ich mich heute gar nicht mehr auf anderes konzentrieren können.

Ich könnte viel über Dankbarkeit, Unverständnis, Respekt, etc. schreiben. Aber für mich steht heute ein ganz anderer Gedanke im Vordergrund.

Der Rücktritt des Papstes macht auf wunderbare Weise deutlich, dass das Amt des Bischofs von Rom größer ist als der Mensch, der es ausübt. Dieser Rücktritt verdeutlicht tatsächlich die Kontinuität des Papsttums. Es ist eben keine Aneinanderreihung verschiedener Regenten, die quasi zufällig den gleichen Titel führen. Das Amt ist immerwährend und verschiedene Menschen verkörpern es für den für sie jeweils vorgesehenen Zeitabschnitt. Der Papst steht als Oberhaupt zeichenhaft für die ganze Kirche. Diese Rolle kann ein Mensch gar nicht ausfüllen, diese Rolle ist im besten Sinne des Wortes über-menschlich. Und indem der Papst sagt „ich habe meine Zeit in dieser Rolle gehabt, ein anderer soll sie nun weiterführen“, erweist er diesem Amt vielleicht den größten Dienst überhaupt.

Und wir stehen ehrfürchtig da und sind Zeugen dieser großen Tat. Danke.

Entweltlichung jetzt!

Kath.net hat wunderbarerweise diese tolle Ansprache von Christoph Kardinal Schönborn veröffentlicht. Die Rahmenbedingungen der Rede sind zwar interessant, für den Inhalt aber im Grunde unwichtig.

Kardinal Schönborn geht in seiner Rede auf den Gedanken der Entweltlichung der Kirche ein, der mir ja auch sehr am Herzen liegt. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass ein elementares Problem der Kirche unserer Tage darin liegt, dass sie sich zu sehr in säkularen Fragen verliert. Wir, die Kirche, begreifen uns selber viel zu oft nur noch als Institution, viel zu selten als Gemeinschaft der Gläubigen, deren Auftrag die Weitergabe des Evangeliums ist. Kardinal Schönborn formuliert das so:

„Gerade in Staaten, die ein stark kooperatives Verhältnis zu den Kirchen haben – wie Deutschland oder Österreich – ist die Versuchung groß, mehr auf die eigene kirchliche Institution und Organisation zu schauen, als auf die ursprüngliche Berufung des Christen in der Welt.“

Ich bitte doch sehr darum, die Ansprache zu lesen. Es stecken sehr viele gute, wahre Gedanken darin.

Natürlich ändern gute Gedanken wenig bis nichts. Aber wir müssen uns wohl erst ein Gespür für die wirklichen Probleme verschaffen, bevor wir an deren Lösung gehen können.