Mitten im Mainstream.

Ich bin vor einiger Zeit beim durchstöbern meines Feedreaders über einen Begriff gestolpert, den ich zwar ständig lese, der mir aber jetzt erst so richtig aufgefallen ist. Und er ist mir negativ aufgefallen.

In fast allen Blogs der Blogoezese liest man immer wieder das Wort von den Mainstream-Medien (gerne auch „MSM“ abgekürzt). Und dieser Begriff taucht dort nie in einem positiven Kontext auf. In jüngster Zeit beispielsweise im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung zwischen den deutschen Bistümern und dem KFN. Dort wurde in der Blogoezese wahlweise gegen Pfeiffer oder die MSM geschossen, die die ganze Sache angeblich total falsch dargestellt hätten.

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Das Web als pastoraler Raum.

Vorhin hat das Bistum Trier per Twitter um Ideen für ein neues Projekt gebeten. Dabei geht es darum, dass Seelsorger einen Teil ihrer Arbeitszeit dem Internet als pastoralem Raum widmen sollen. Eine sehr gute Sache, wie ich finde.

Ich hab dazu natürlich auch eine Reihe von Ideen, von denen ich gleich mal ein paar zurückgemeldet habe. Die will ich hier noch mal etwas erläutern und ausbreiten. Zuvor aber ein paar Gedanken zum Internet als pastoraler Raum:

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Brauchen wir eine neue Streitkultur?

Eine ganz ähnliche Frage hat sich der @vaticarsten in diesem grandiosen Blogpost gestellt. Er stellt darin das Problem dar, dass wir in katholischen Kreisen mittlerweile nur noch zwei verfeindete Lager zu haben scheinen, die sich gegenseitig vorwerfen wie unkatholisch, bzw. wie überkatholisch die jeweils andere doch ist.

Genau zu diesem Problem gab es neulich beim Dom Alipius schon eine intensive Kommentar-Debatte, in die ich mich auch mal freimütig eingeklinkt hatte. Auslöser dieser Debatte war die Verleihung zweier Robustas an die erfrischende @ApfelMuse.

Irgendwie scheint mir, dass dieses Thema eines der entscheidenden Themen der katholischen Kirche in Deutschland der nächsten Jahre sein wird. Hängt wohl leider auch damit zusammen, dass in bestimmten Positionen nur Leute eingesetzt werden, die eine möglichst extreme und zugleich eingefahrene Meinung haben. Egal, ob extrem konservativ oder extrem liberal. Ist zumindest meine Beobachtung.

Ich erhebe mit diesem Blog hier natürlich auch den Anspruch, eine reichlich konservative Haltung zu vertreten. Papsttreue zählt für mich durchaus als Argument. Aber wenn ich sehe, wie wenig manche Leute von einer sachlichen und intensiven Diskussion zu halten scheinen, wird mir schlecht…

Die Kardinaltugend der Lockerheit.

In dieser verrückten Blogoezese – namentlich bei Dom Alipius – bin ich vor einiger Zeit über Timothy Dolan gestolpert. Er ist Erzbischof von New York und wurde im letzten Konsistorium in das Kardinalskollegium aufgenommen.

So weit, so gewöhnlich. Offenbar gibt es eine gewisse Tradition, die Erzbischöfe von New York in das Kollegium aufzunehmen, wie beispielsweise in München oder Berlin. Insofern war die Kreierung keine wirkliche Überraschung. Wieso sollte mich der Mann also weiter interessieren?

Zunächst einmal ist Kardinal Dolan der Vorsitzende der US-Amerikanischen Bischofskonferenz. Damit ist er sicher in einer herausragenden Position, was aber immer noch nicht erklärt, wieso er sich hierzulande offensichtlich einiger Beliebtheit erfreut. Nun hat er aber ein eher besonderes Naturell, das ihn doch deutlich von anderen Würdenträgern seines Rangs abhebt.

Ich habe mich daher mal per Youtube auf die Suche nach Aufnahmen dieses Mannes gemacht. Und eines der ersten Videos, das ich gefunden habe, ist diese Aufzeichnung einer Messe, die er kurz nach seiner Kreierung als Kardinal in seiner ehemaligen Diözese Milwaukee zelebriert hat. Das Video hat mich einigermaßen überrascht.

Was einem vielleicht zuerst auffällt, ist diese Wahnsinnige Lockerheit, mit der der Kardinal die Messe feiert. Man könnte es auch Formlosigkeit nennen. Seine Körpersprache, seine Haltung und seine Wortwahl sind für einen katholischen Geistlichen extrem ungewohnt. Und ich persönlich könnte mir nur schwer vorstellen, in so einer Messe zur nötigen Andacht zu kommen. Aber offenbar gefällt es den Amerikanern, einen Großteil der Zeit mit Klatschen und Jubeln zuzubringen…

Bei all dem merkt man aber eben auch ziemlich direkt, wie gut es dem Kardinal gelingt, die Menschen zu begeistern. Mit seiner einfachen Sprache, seinen lockeren Sprüchen, seinen Witzen und Anekdoten (nicht selten zu Lasten seiner Mitarbeiter und Freunde, sogar seiner Mutter) schafft er die natürliche Distanz zwischen einem Kardinal und Erzbischof und dem gläubigen Volk ab. Ob man das gut oder schlecht finden soll, sei mal dahin gestellt. Jedenfalls scheinen die Leute ihm – auch deswegen – zuzuhören.

Eine Messe ist aber nicht die Gelegenheit, einen Menschen kennen zu lernen. Es geht ja um Gott. Also habe ich mal noch ein paar Interviews mit ihm angesehen, vor allem dieses hier. Die Eloquenz, mit der er seine Ideen vertritt, ist tatsächlich bewundernswert. Und ich kann mittlerweile auch gut verstehen, wieso Kardinal Dolan offenbar so beliebt ist.

Er ist eben ein absolut untypischer Vertreter seiner Zunft. Obwohl er keine anderen Grundsätze vertritt als seine übrigen Kollegen in Rot, hebt er sich doch deutlich vom Rest der Kardinäle ab. Er weiß eben, wie man sich verkaufen muss, um Aufmerksamkeit und Sympathie zu erregen. Wunderbar.

Trotzdem kann ich mir irgendwie noch nicht so ganz erklären, wie ein Mann diesen Naturells es gerade in den jungen katholischen (meist recht konservativen) Kreisen – beispielsweise auch bei Herrn Alipius – schafft, so großen Anklang zu finden. Dass er oftmals sehr ernste Themen mit eher flachen Witzen garniert, mag nicht weiter stören. Aber ich bekomme einfach die Bilder dieser Messe nicht aus dem Kopf. Ein beeindruckendes Glaubensfest, klar, aber gefühlt hat nur noch der Klischee-Gospel-Chor gefehlt…