Mein Streikwochenende

Ganz Deutschland blickt bangend dem Lokführerstreikwochenende entgegen. Also, fast ganz Deutschland. Ich persönlich gehe da ziemlich gelassen ran. Während des letzten Streikwochenendes hatte ich nämlich die Erfahrung gemacht, dass das doch alles viel weniger schlimm ist, als es manchmal gemacht wird. Jedenfalls hatte ich an einem bestreikten Sonntag keinerlei Probleme, von Bonn nach Essen und wieder zurück zu kommen. Und weil ich mich nicht nur darüber, sondern auch über den schönen Ausflug so gefreut habe, will ich Euch natürlich auch daran teilhaben lassen. Vielleicht nutzt Ihr die Entschleunigung des kommenden Wochenendes ja auch, um mal mit offeneren Augen durch die Welt zu spazieren?

Mehr Bilder aus Bonn und sonstwoher gibt es in meinem Flickr-Stream.

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Eine Million Euro und ein Jahr später

Wenn dieser Tage in den bundesdeutschen Medien von der katholischen Kirche die Rede ist, dann geht es um’s Geld. Wie aus dem Nichts interessiert sich plötzlich alle Welt für die finanzielle Situation der deutschen Diözesen. Gut, das mag nachvollziehbar sein. Weniger verständlich ist für mich der Eifer, mit dem sich die journalistische Zunft jetzt auf dieses Thema stürzt. Immerhin hat es bis vor wenigen Wochen kaum jemanden interessiert. Und in der Zwischenzeit dürften die Kassen kaum spannender geworden sein.

Dieses akute Interesse an Informationen dürfte dieser Tage so manche bischöfliche Presseabteilung ganz schön in Aufruhr versetzen. Ich kann mir jedenfalls Angenehmeres vorstellen, als zwischen dem legitimen Interesse der Öffentlichkeit und der gebotenen Sorgfalt im Umgang mit sensiblen Finanzauskünften zu vermitteln; und das unter dem nicht unerheblichen Druck einer medialen Kampagne.

In dieser Situation würde es mich nicht wundern, würde ein übereifriger Journalist die Wartezeit mit einer Archivrecherche verkürzen um zu sehen, was man in der Vergangenheit möglicherweise verpasst hat.
Genau das dachte ich jedenfalls gestern, als ich diesen Tweet des Studios Franken vom Bayerischen Rundfunk las:

Allein bei diesen Worten wurde ich schon stutzig; immerhin liegt die Domrenovierung inklusive Orgelsanierung schon ein Jahr zurück. Ich habe selber noch im November letzten Jahres die Orgelbauer bei ihrer Arbeit an der Domorgel beobachten können. Darüber hinaus muss die Summe verwundern: Es wird schnell siebenstellig, wenn es um große Orgeln geht, aber für einen Spieltisch? Wie gesagt, es verwundert. Und das soll es ja auch. Schließlich gilt zur Zeit: Kirche + hohe Geldsumme = viele Klicks.

Die verlinkte Meldung bringt einen auch nicht weiter. Ein großes Bild und ein paar Zeilen Text. Das war’s. Abgesehen von ein paar wenigen Fakten zur Orgel bleibt es bei der Aussage: Ein neuer Spieltisch für eine Millionen. Immerhin wird am Ende aber noch die Fertigstellung im Jahr 2012 erwähnt.

An dieser Stelle konnte ich mir dann gar keinen Reim mehr auf diese Meldung machen. So kurz und neutral der Text gehalten ist, war das sicher kein Werk eines übereifrigen Journalisten.
Glücklicherweise lese ich aber auch täglich die Pressemeldung der Diözese Würzburg. Und die brachten dann Aufklärung.

Tatsächlich hat die Pressestelle nämlich erst gestern die entsprechende Meldung herausgegeben. Diese ist auch tatsächlich sehr interessant zu lesen und enthält viele Informationen, die man sonst nicht unbedingt finden würde. Der Bayerische Rundfunk hat also schlicht und einfach die Pressemeldung des Bistums übernommen. Stark verkürzt zwar und mit einer leicht irreführenden Überschrift – das viele Geld wurde nämlich nicht allein für einen neuen Spieltisch ausgegeben, sondern insgesamt für die Sanierung und Modernisierung der beiden Orgeln im Kiliansdom – aber immerhin.

Bleibt die Frage, weshalb diese Meldung ausgerechnet jetzt, über ein Jahr nach Abschluss der Arbeiten gebracht wird. Nicht, dass es kein Thema wäre, über das es zu berichten nicht lohnen würde. Wundern darf ich mich dennoch. Vielleicht ist es aber auch nur ein subtiler Versuch, die teilweise enorm anmutenden Summen, mit denen die Kirche arbeitet, zu erklären und in einen nachvollziehbaren Zusammenhang zu bringen.

Marianischer Ehrentag in Würzburg

Franken ist Marienland. Das ist nun keine Neuigkeit, sagt aber dennoch viel aus über das kirchliche Leben hier in der Region. Gestern Abend konnte man diese besondere Färbung der fränkischen Frömmigkeit in Würzburg wieder eindrucksvoll erleben.

Anlässlich des Glaubensjahres wurde der Marianische Ehrentag des 13. Oktobers besonders aufwändig gefeiert. Um 18 Uhr wurden die Feierlichkeiten im Dom mit einem Rosenkranzgebet eröffnet. Anschließend feierte Bischof Friedhelm mit über 1000 Gläubigen die Heilige Messe, welche in eine Lichterprozession zur Marienkapelle auf dem Marktplatz mündete.

Zahlreiche Fahnen und Banner marianischer Vereinigungen schmückten den Chorraum des Domes
Zahlreiche Fahnen und Banner marianischer Vereinigungen schmückten den Chorraum des Domes
In seiner Predigt ging der Bischof auf die Bedeutung des 13. Oktobers als Marianischer Ehrentag ein. Insbesondere erläuterte er die geschichtliche Bedeutung dieses Datums: Am 13. Oktober 1917 erschien zum letzten Mal im portugiesischen Fatima die Muttergottes vielen Tausenden Pilgern. Schon kurze Zeit später wurde dieses Datum von der Kirche als besonderer Marientag gefeiert. Und so eben auch in Würzburg im Jahr 2013.

Einen bemerkenswerten Satz sprach Bischof Friedhelm in seiner Predigt zur aktuellen Situation in (Nord-) Afrika und Europa hinsichtlich der Flüchtlingsproblematik: „Wir können uns in Europa nicht einschließen wie in einem Geldschrank.“ Selten habe ich ein passenderes Bild für diese Situation gehört.
An diesem Festtag der Weltkirche erhalten diese Worte besonderes Gewicht. Wir können uns eben nicht nur zu frommen und prächtigen Marienfeiern mit der Welt verbinden, sondern müssen dies insbesondere auch in der Not der Menschen tun. Ein sehr wertvoller Gedanke.

Die Prozession auf dem Weg zur Marienkapelle
Die Prozession auf dem Weg zur Marienkapelle

Der Höhepunkt der Feier war sicherlich die Lichterprozession zur Marienkapelle. Im Stile der Fatima-Feiern des Fatima-Weltapostolats (welches an der Ausrichtung der Feier maßgeblich beteiligt war) sammelten sich die vielen hundert Gläubigen – ausgerüstet mit Prozessionskerzen – um die Strahlenkranzmadonna und zogen vom Dom über Kürschnerhof, Schmalzmarkt und Schustergasse zur Marienkapelle. Wenig überraschend fanden leider nicht alle Teilnehmer Platz im gotischen Gotteshaus. Nichtsdestoweniger war das Abschlusslied „O himmlische Frau Königin“ ein bewegender Moment.

Auch wenn ich in der Stadt wohne, bin ich doch relativ selten zu Gottesdienstzeiten im Dom. Die eigene Pfarrei geht schließlich vor. Das bringt aber mit sich, dass ich fast ausschließlich zu großen Festtagen „beim Bischof“ bin. Und auch wenn die die großen Feste, wie etwa die Kiliani-Wallfahrt, immer wieder großartige Erlebnisse sind, war das gestrige Fest herausragend. Franken ist eben Marienland! Und gestern konnte – wer mochte – das einmal mehr in voller Pracht erleben.

Hunderte Gläubige beim abschließenden Marienlied in der Marienkapelle
Hunderte Gläubige beim abschließenden Marienlied in der Marienkapelle

Sicher, das wird nicht jedem ebenso viel Freude bereiten. Aber gerade in unserer Gegend gibt es eben noch viele Menschen, die eine ausgeprägte marianische Frömmigkeit leben. Ich finde es schön, dass diese traditionelle Form der Volkskirche noch so lebendig ist. Es kann der Vielfalt in der Kirche nur gut tun!

P.S.: Ein wenig mehr zum gestrigen Fest kann man im Bericht der Pressestelle des Bistums nachlesen.

P.P.S.: Ich muss mich für die schlechte Bildqualität entschuldigen. Aber mit doch etwas kältesteifen Fingern gelingen Handy-Aufnahmen nicht unbedingt besser. 😉

Die Kiliani-Wallfahrt 2013 hat begonnen!

Endlich hat sie wieder begonnen, die Kiliani-Zeit! Nein, ich meine nicht das Volksfest auf der Talavera. Dirndl-Trägerinnen und Party-Bands halten mich seit Jahren gekonnt davon ab, dort hin zu gehen. Hätte ich Freude an solchem Klamauk, könnte ich auch zum Oktoberfest nach München fahren.

Ich rede vom eigentlichen Fest, von der Kiliani-Wallfahrt zu den Reliquien der Frankenapostel. Dieses Jahr wieder im Dom!

Am Samstagabend wurde die Wallfahrt mit der Reliquienprozession von St. Burkard aus eröffnet. Nachdem ich die letzten beiden Jahre jeweils nicht an der Prozession teilnehmen konnte, war es mir dieses Jahr eine umso größere Freude!

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Karwochenstimmung.

Ja, jetzt haben wir also einen vakanten Petrusstuhl. Irgendwie komisch. Es ist ja nun wirklich nicht das erste Mal (auch wenn ich zuvor erst eine Sedisvakanz erlebt habe). Aber trotzdem ist die Situation sehr, sehr ungewohnt.

Durch die Ankündigung des Rücktritts konnte man sich zwar darauf vorbereiten, aber irgendwie hat das – zumindest bei mir – nicht wirklich etwas bewirkt. Ich habe natürlich in den letzten Tagen intensiv die Geschehnisse in Rom verfolgt. Aber wirklich erfassen kann man das noch nicht, dass man Benedikt da am Donnerstagabend auf seinem Balkon in Castel Gandolfo wohl das letzte Mal gesehen hat.

Diese Stimmung erinnert mich irgendwie an die Karwoche. Nicht, dass ich einen zurückgetretenen Papst mit dem gestorbenen Herrn vergleichen möchte. Aber es ist doch ähnlich. Man wusste ja, dass diese Situation unausweichlich kommen wird. Und man weiß auch, dass es ja bald ein gutes Ende nehmen wird. Trotzdem merkt man, dass da dieser Tage etwas fehlt, dass da eine Lücke ist.

Bei der Dankmesse im Kiliansdom
Bei der Dankmesse im Kiliansdom

Und offenbar bin ich mit diesen Gefühlen nicht ganz alleine. Am Freitag hat die Pressestelle des Bischöflichen Ordinariats einen Bericht zur Dankmesse des Bischofs am Donnerstagnachmittag veröffentlicht. Darin heißt es:

Auch wenn es aus mehr als 1000 Kehlen erschallt: Das Lied „Großer Gott, wir loben dich“, klingt am Donnerstagabend, 28. Februar, im Würzburger Kiliansdom deutlich gedämpft. Zum Teil mit Tränen in den Augen, zum Teil kniend ins Gebet vertieft, sind die Gläubigen am Ende des Dankgottesdienstes sichtlich ergriffen.

Mich hat dieser Absatz, um ehrlich zu sein, etwas zum schmunzeln gebracht. Ich war am Donnerstag auch im Dom und kann daher mitreden. Es mag sein, dass man hie und da auch Tränend und kniende Beter gesehen hat. Und die Stimmung war tatsächlich nicht gerade überschwänglich. Logisch. Dass aber das Te Deum am Ende eher dürftig klang, dürfte nicht so sehr an der Stimmung gelegen haben, als vielmehr daran, dass ein großer Teil des Volkes die Strophen 1 bis 3 gesungen hatte (wie man das halt so gewohnt ist) und nicht die Strophen 1, 9 und 10, die eigentlich angezeigt wurden. Und, wie wir jetzt wissen, es klingt halt wenig euphorisch, wenn 500 Leute die zweite Strophe von “Großer Gott, wir loben dich” singen, während 500 andere Leute die neunte Strophe zum Besten geben. 😉

Ihr seht, man kann auch in einer Zeit gedämpfter Stimmung noch witzige Episoden erleben. 🙂

(Photo: (c) by Markus Hauck, POW)