Ach, ja – –

Gerade bin ich beim Blättern durch das Archiv des Simplicissimus auf dieses Gedicht gestoßen. Es stammt aus der Feder von Karl Kinndt und wurde in der Ausgabe Nr. 49 vom 5. März 1933 (37. Jahrgang) veröffentlicht. Könnte aber auch (fast) von heute sein:

– – Auch Amerika hat Sorgen,
weil die stärksten Banken wanken – :
dafür darf man nun ab morgen
Alkohol als Tröstung tanken.

Krieg entbrennt im fernen Osten
trotz der Völkerbund-Proteste.
Und man läßt das Schwert nicht rosten,
sondern schleift es – aber feste!

Süße Eintracht, holder Frieden
eint nicht mal die deutschen Dichter – :
Rigoros wird ausgeschieden
pazifistischer Gelichter – –

Außenkriege – Innenkriege –
Alle Menschheit ist zerspalten –
Dieser feiert seine Siege,
jener muß die Schnauze halten!

Morgens liest man stets von Toten,
weil das so dazu gehört.
Und die Zeitung wird verboten,
weil sie Ruh‘ und Ordnung stört.

Ach, sie hängt an keinem Baume,
und sie hängt an keinem Strick:
sie verpufft im leeren Raume,
unsre deutsche Republik – –

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Aus Großmutters Gebetbuch.

Seit einigen Jahren habe ich immer Mal wieder aus der Verwandtschaft alte Gebet- und Gesangbücher bekommen, die irgendwo auf dem Dachboden aufgetaucht sind. So bin ich stolzer Besitzer einiger Ausgaben des „Ave Maria“ und des alten „Schotts“ geworden. Und ich freue mich auch, diese Mal in die Hand nehmen und ein wenig darin blättern zu können. Es ist schon interessant zu sehen, „in welcher Sprache“ die Generation meiner Großeltern betete.

Was mich an den Büchern aber von Anfang an fast noch mehr interessiert hatte, waren die alten Gebets- und Sterbebildchen, die noch zwischen den Seiten schlummerten. Früher gab es ja noch viel mehr Anlässe, zu denen man solche „Gotteslobbildchen“ (damals natürlich noch nicht so genannt) bekommen hat.

Ich will nicht sagen, dass ich ein Sammler wäre. Aber ein Album kann ich mit den Bildchen immerhin schon füllen. Und nachdem ich heute am Feiertag (man merkt: Würzburg ist noch katholisch) ein wenig Zeit hatte, habe ich einige Exemplare, die ich besonders bemerkenswert fand, digitalisiert. Hoffentlich freut sich der ein oder andere von euch ein wenig daran!

P.S.: Falls jemand Omas altes Gesangbuch nicht mehr braucht – bevor es im Altpapier landet, nehm‘ ich es gerne. 🙂

Von der „Objektivität“ unserer Medien.

Vor einiger Zeit habe ich hier schon einmal etwas zur Berichterstattung über den US-Präsidentschaftswahlkampf in den deutschen Medien geschrieben. Ich war damals – und bin noch immer – der Meinung, dass man gerade im Hinblick auf US-Politik den hiesigen Medien nicht nur Einseitigkeit unterstellen, sondern sie regelrecht meiden sollte.
In meinem erwähnten Beitrag ging es um die Frage, inwiefern viele Journalisten eigentlich wirklich erfassen, worum es tatsächlich geht. Ich hatte da geschrieben, dass die Gegenüberstellung von Ritter Barack Obama in strahlender Rüstung einerseits und Mitt Romney als das personifizierte Böse andererseits schon allein deshalb nicht funktioniert, da wir einen komplett anderen Staatsgedanken pflegen und folglich vor allem die Benutzung der Vokabel „Freiheit“ zu allergrößten Problemen führt.

Jetzt habe ich gerade diesen Podcast vom Deutschlandfunk entdeckt, in dem es um ein ähnliches Thema geht. Unter dem vielsagenden Titel „Zweierlei Maß?“ wird die Berichterstattung der deutschen (Mainstream-) Medien über die USA und Russland miteinander verglichen. Und die Macher des Podcasts kommen im Grunde zu einem ähnlichen Ergebnis wie ich. Vor allem über die USA wird vollkommen verzerrt berichtet. Eine seltsame Mischung aus vorauseilendem Gehorsam gegenüber dem „großen Bruder“, dem auch zwanzig Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges immer noch irgendwie verpflichtet zu sein scheint, und der guten Weltmacht, deren Widersacher per definitionem das Böse verkörpern, wird da beschrieben.

Es lohnt sich auf jeden Fall, nicht nur diesen Podcasts anzuhören, sondern auch einmal darüber nachzudenken, unkritisch wir beim täglichen Medienkonsum doch sind und wie oft wir uns wahrscheinlich unbewusst Halbwahrheiten und Lügen erzählen lassen…

Hier der Direktlink zur Audiodatei.

P.S.: Es kann übrigens kein Zufall sein, dass ich hier zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit auf einen Podcast vom Deutschlandfunk hinweise. Im Gegenteil, eigentlich ist jeder Podcast vom DRadio absolut hörenswert. Also, wenn ihr es nicht eh schon getan habt, abonniert die entsprechenden Feeds!

Podcast über „KZ Dachau, eine Welt ohne Gott“

Manchmal stoße ich in meinem hoffnungslos überfüllten Podcatcher auf Stücke, die mich wirklich faszinieren. So auch vorhin wieder.

Der Deutschlandfunk hat vor ein paar Tagen ein Feature über P. Sales Heß OSB aus Münsterschwarzach und seine Zeit im Konzentrationslager veröffentlicht.
Die Story: P. Sales war Insasse des Priesterblocks im KZ Dachau, aus dem er aber im März 1945 wieder entlassen wurde. Im Anschluss daran schrieb er ein Buch über seine Erlebnisse, dass aber heute nicht mehr erhältlich ist. Später wurde er Schulleiter des Egbert-Gymnasiums in Münsterschwarzach. Ein ehemaliger Schüler aus dieser Zeit hat sich nun ins Kloster auf Spurensuche begeben, um die Geschichte von P. Sales und dessen Buches aufzuarbeiten.

Wer sich für die Geschichte der katholischen Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus und die jüngere Geschichte des Bistums Würzburg interessiert, sollte sich diesen Podcast unbedingt anhören!

Direktlink zur mp3-Datei: „KZ-Dachau, eine Welt ohne Gott“