Mit Scheuklappen an der Säbener

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Der FC Bayern spielt zwar sehr erfolgreich Fußball, macht aber auch unverantwortliche Politik. Es wird Zeit, dass die Roten aus München ein endlich verstehen. Wieder hat der Club ein Spiel in einem Krisengebiet ausgetragen und wieder hat man allein den sportlichen Erfolg in den Fokus gerückt. An der Säbener Straße lebt man in einer gefährlichen, unsportlichen Scheinwelt.

Ausgerechnet der sportliche Chef der Münchner, Bayern-Trainer Pep Guardiola, hat kurz vor der Abreise in die Ukraine zum Spiel gegen Donezk die politische Unbeholfenheit des FCB mustergültig aufgezeigt. Knapp erklärte er, man sei betroffen und würde mit den Ukrainern fühlen. Der aufmerksame Zuhörer versteht, dass man sich an der Säbener Straße eben nicht verantwortlich und schon gar nicht befähigt fühlt, zur Linderung einer Katastrophe beizutragen. Eine stattliche, sechsstellige Spendensumme für ein Kinderkrankenhaus überreichte man vor dem Gastspiel im Kriegsgebiet gerne, aber ein Boykott des Spiels, um nicht selbst indirekt einen Krieg mit zu finanzieren, kommt nicht in Frage.

Diese angebliche Machtlosigkeit des einflussreichsten aller deutschen Fußballclubs zieht sich durch die jüngere Geschichte des Vereins. Zur Vorbereitung auf die zweite Hälfte der Fußball-Saison reiste man wie schon in den vergangenen Wintern nach Katar – wo man sich auch im Winter auf perfekt gepflegten Trainingsplätzen zu Höchstleistungen antreiben kann, während sich auf den benachbarten Baustellen die Sklaven zu Tode schuften.

Den Tiefpunkt erreichte das verwerfliche Winterlager beim Testspiel im Terror-Staat Saudi-Arabien. Der marginale sportliche Wert für den Club wurde durch den immensen Wert in Petrol-Dollar aufgewogen. Dass das Spiel in Riad mit der zeitgleich stattfindenden Auspeitschung des Bloggers Raif Badawi um die Gunst der Schaulustigen konkurrierte, interessierte in München niemanden. Als die Mitglieder gegen die eigenen Vereinsverantwortlichen aufbegehrten, reagierte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge mit geradezu groteskem Gefasel. Im Zentrum stand die völlig irregeleitete Aussage, man würde als Fußballverein keine politische Rolle spielen. Das ist ungefähr so treffend wie die Bezeichnung Saudi-Arabiens als Rechtsstaat.

Wo er auch auftritt, ob in der Ukraine, in Katar oder Saudi-Arabien, spielt der FC Bayern München nicht einfach nur wunderbar anzuschauenden Fußball, sondern macht vor allem auch Politik. Ohne Rücksicht auf Verluste.

Hinweis: Dieser Kommentar entstand als Übungstext während eines Seminars an meiner Journalistenschule.

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Samstags im Stadion

München, ein grauer, nasskalter Nikolaussamstag. Während sich in der Innenstadt Tausende über die völlig überfüllten Weihnachtsmärkte wälzen, setze ich mich in die U-Bahn zum Olympiapark, um einen ein Denkmahl der Sportgeschichte zu besuchen. Und es lohnt sich.

Noch mehr Bilder gibt’s bei Flickr.

Wie auch wir

Mit der eigenen Schuld umzugehen ist nicht leicht, aber fast noch schwerer scheint mir dieser Tage der Umgang mit fremder Schuld. Ich bin ein Anhänger des FC Bayern München und allein schon aufgrund meines Lebensalters werde ich diesen Club immer mit Uli Hoeneß verbinden. Dieser steht nun vor Gericht, weil er, gelinde gesagt, einen riesigen Bock geschossen hat. Das anzuerkennen, fällt mir nicht schwer. Es ist keine große Herausforderungen, auch ein relativ abstraktes Steuervergehen als Ungerechtigkeit gegenüber der Gesellschaft und damit als Schuld zu erkennen.

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Die hässliche Stiefmutter aller Niederlagen.

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So lange ich mich erinnern kann, bin ich Fan des FC Bayern München. Es gibt ja immer wieder böse Zungen, die behaupten dass Bayern-Fans nur Erfolgsfans seien, und dass die Fankultur der Bayern gar nicht mit derjenigen, solcher Volksclubs wie Schlake vergleichbar ist. Mag sein, dass die 170.000 Mitglieder des FCB ihren Mitgliedsausweis nicht alle schon auf dem Wickeltisch zugesteckt bekommen haben. Trotzdem, Bayern-Fan sein – echter Bayern-Fan sein – hat weniger mit Erfolg zu tun, als so viele denken.

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Finale dahoam.

Wahnsinn. Es ist erst Mittwoch und die Spannung vor dem Spiel am Samstag ist schon immens. Was wahrscheinlich auch an dem Ergebnis vom letzten Samstag liegen dürfte. Jetzt gilt’s einfach.

Ein Champions-League-Finale im eigenen Stadion zu bestreiten ist wohl das größte, was einem Club passieren kann. Für Event-Fans: Das ist, wie wenn die deutsche Nationalmannchschaft 2006 ins Finale gekommen wäre. Nur irgendwie besser.

Ein kleines visuelles Appetithäppchen:

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