Nein, ich werde keinen Kommentar…

…zum Aufruf “Ökumene jetzt” abgeben. Ich hab ihn ja noch nicht einmal gelesen. Irgendwie hatte ich keine Lust dazu, als ich die Namen der prominenten Erstunterzeichner gesehen hatte…

Ich hab stattdessen den ein oder anderen Kommentar dazu gelesen. Allesamt nicht sonderlich aufregend; man kennt ja auch die zugehörigen Autoren.

Was allerdings doch irgendwie interessant war, war dieses Interview mit Frau Hasselfeldt zu ihrem Aufruf. Ich hab das gelesen und mir hinterher gedacht: Ja, äh, und nu?

Frau Hasselfeldt bringt in diesem Gespräch doch recht bemerkenswerte Sätze unter. Beispiele:

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„Let God call, who God will call.“

Dieser weise Spruch stammt aus diesem sehr interessanten Interview.

Es handelt sich um ein einstündiges Gespräch mit Timothy Kardinal Dolan zum Thema Berufungen. Ich habe es entdeckt, als ich für diesen Beitrag über Kardinal Dolan auf Youtube unterwegs war.

An diesem Gespräch sind mir drei Punkte besonders aufgefallen:

1. Ich hatte bisher keine Ahnung, dass (zumindest in den USA) in Nordamerika das Problem der wenigen Berufungen anscheinend ähnlich groß ist, wie in unseren Breitengraden. Im Gespräch werden dafür verschiedene Gründe ins Feld geführt, beispielsweise der Vertrauensverlust in Folge der Missbrauchskrise. Das leuchtet ein. Dennoch hatte ich bisher immer das Gefühl, dass es in den USA, in denen der Katholizismus augenscheinlich doch noch einen höheren Stellenwert genießt, deutlich besser bestellt sei, als hierzulande. Offenbar ist das doch nicht der Fall.

2. Sehr bemerkenswert finde ich auch die Feststellung, dass der Mangel an Berufungen zum religiösen Leben sich natürlich auch auf alle Bereiche des religiösen Lebens bezieht. Irgendwie ist es einem natürlich klar, dass nicht nur die Priesterseminare leerer werden, sondern auch die Klöster. Dabei unterschlagen wir aber eine Form des religiösen Lebens: Die Ehe. Ich finde es sehr gut, dass Kardinal Dolan auch dieses Problem ins Feld führt. Wir müssen natürlich auch an der Stärkung der christlichen Ehe arbeiten, wenn wir die Zahl der Berufungen zumindest nicht weiter absinken lassen wollen.

3. Der Umgang mit der Problematik und die Sichtweise der Situation scheint viel positiver zu sein, als in unseren Gefilden. Kardinal Dolan spricht von einem “Frühling der Berufungen”. Er bringt als Beispiel einige Seminare und sonstige Ausbildungsstätten, die augenscheinlich aus allen Nähten platzen. Auch wenn das Problem nach wie vor sehr groß ist und man es nicht verharmlosen kann, glaubt er an einen Wandel zum Guten. Einfach aufgrund einer Stimmung, so scheint es. Und ich wage zu behaupten, dass er damit nicht alleine ist.

Die Punkte eins und drei haben vielleicht eine Kleinigkeit gemein: Das Gras im Nachbargarten ist immer grüner. Will sagen: So, wie ich immer dachte, dass dieses Problem ein vorrangig europäisches wäre, gehe ich vielleicht jetzt davon aus, dass die amerikanische Kirche eine viel positivere Sicht der Dinge hätte. Möglicherweise ist das gar nicht der Fall.

Aber sicher ist, dass wenigstens Kardinal Dolan und sein Interviewer Father Benedict mit einer sehr positiven Einstellung auf dieses gewichtige Problem zugehen. Und das imponiert mir.

Die Kardinaltugend der Lockerheit.

In dieser verrückten Blogoezese – namentlich bei Dom Alipius – bin ich vor einiger Zeit über Timothy Dolan gestolpert. Er ist Erzbischof von New York und wurde im letzten Konsistorium in das Kardinalskollegium aufgenommen.

So weit, so gewöhnlich. Offenbar gibt es eine gewisse Tradition, die Erzbischöfe von New York in das Kollegium aufzunehmen, wie beispielsweise in München oder Berlin. Insofern war die Kreierung keine wirkliche Überraschung. Wieso sollte mich der Mann also weiter interessieren?

Zunächst einmal ist Kardinal Dolan der Vorsitzende der US-Amerikanischen Bischofskonferenz. Damit ist er sicher in einer herausragenden Position, was aber immer noch nicht erklärt, wieso er sich hierzulande offensichtlich einiger Beliebtheit erfreut. Nun hat er aber ein eher besonderes Naturell, das ihn doch deutlich von anderen Würdenträgern seines Rangs abhebt.

Ich habe mich daher mal per Youtube auf die Suche nach Aufnahmen dieses Mannes gemacht. Und eines der ersten Videos, das ich gefunden habe, ist diese Aufzeichnung einer Messe, die er kurz nach seiner Kreierung als Kardinal in seiner ehemaligen Diözese Milwaukee zelebriert hat. Das Video hat mich einigermaßen überrascht.

Was einem vielleicht zuerst auffällt, ist diese Wahnsinnige Lockerheit, mit der der Kardinal die Messe feiert. Man könnte es auch Formlosigkeit nennen. Seine Körpersprache, seine Haltung und seine Wortwahl sind für einen katholischen Geistlichen extrem ungewohnt. Und ich persönlich könnte mir nur schwer vorstellen, in so einer Messe zur nötigen Andacht zu kommen. Aber offenbar gefällt es den Amerikanern, einen Großteil der Zeit mit Klatschen und Jubeln zuzubringen…

Bei all dem merkt man aber eben auch ziemlich direkt, wie gut es dem Kardinal gelingt, die Menschen zu begeistern. Mit seiner einfachen Sprache, seinen lockeren Sprüchen, seinen Witzen und Anekdoten (nicht selten zu Lasten seiner Mitarbeiter und Freunde, sogar seiner Mutter) schafft er die natürliche Distanz zwischen einem Kardinal und Erzbischof und dem gläubigen Volk ab. Ob man das gut oder schlecht finden soll, sei mal dahin gestellt. Jedenfalls scheinen die Leute ihm – auch deswegen – zuzuhören.

Eine Messe ist aber nicht die Gelegenheit, einen Menschen kennen zu lernen. Es geht ja um Gott. Also habe ich mal noch ein paar Interviews mit ihm angesehen, vor allem dieses hier. Die Eloquenz, mit der er seine Ideen vertritt, ist tatsächlich bewundernswert. Und ich kann mittlerweile auch gut verstehen, wieso Kardinal Dolan offenbar so beliebt ist.

Er ist eben ein absolut untypischer Vertreter seiner Zunft. Obwohl er keine anderen Grundsätze vertritt als seine übrigen Kollegen in Rot, hebt er sich doch deutlich vom Rest der Kardinäle ab. Er weiß eben, wie man sich verkaufen muss, um Aufmerksamkeit und Sympathie zu erregen. Wunderbar.

Trotzdem kann ich mir irgendwie noch nicht so ganz erklären, wie ein Mann diesen Naturells es gerade in den jungen katholischen (meist recht konservativen) Kreisen – beispielsweise auch bei Herrn Alipius – schafft, so großen Anklang zu finden. Dass er oftmals sehr ernste Themen mit eher flachen Witzen garniert, mag nicht weiter stören. Aber ich bekomme einfach die Bilder dieser Messe nicht aus dem Kopf. Ein beeindruckendes Glaubensfest, klar, aber gefühlt hat nur noch der Klischee-Gospel-Chor gefehlt…

Interview mit dem Stellvertreter des Stellvertreters

In der Christ & Welt habe ich gerade dieses sehr interessante Interview mit S.Exz. Jean-Claude Périsset, Apostolischer Nuntius für die Bundesrepublik – und damit quasi Stellvertreter des Stellvertreters Christ auf Erden 😉 – entdeckt.

In diesem Interview sagt er einige bemerkenswerte Dinge. Keine absoluten Neuigkeiten zwar, aber es tut doch ganz gut Sätze, wie den folgenden, ab und an auch aus berufenem Munde zu hören:

“Warum soll der Priestermangel schuld sein? Schuld ist der Mangel an Glauben. Woher soll der Priesternachwuchs kommen, wenn nicht aus den Familien? Und dort gibt es immer weniger Kinder und ein Nachlassen des Glaubens.”

Und hier der Link: Interview mit dem Stellvertreter des Stellvertreters