Zwei Herzen und ein Widerspruch

Wenn das ZdK eine Erklärung abgibt, fühle ich mich dadurch gemeinhin nicht vertreten. So auch kürzlich, als der Laienrat eine Segnung gleichgeschlechtlicher Paare gefordert hat. Manchmal äußert das Gremium aber auch Dinge, denen ich bedenkenlos zustimmen kann. Und dann wird es widersprüchlich.

Kurzer Rückblick: Bei der Vollversammlung im Mai hat das Zentralkommitte der deutschen Katholiken eine Erklärung verabschiedet, die sich mit “Familie und Kirche in der Welt von heute” befasst. Das Papier ist in weiten Teilen nicht sonderlich spannend. Darin findet sich aber auch die äußerst bemerkenswerte Forderung nach einer “Weiterentwicklung von liturgischen Formen, insbesondere Segnungen gleichgeschlechtlicher Partnerschaften (und) neuer Partnerschaften Geschiedener”. Der Text wurde einstimmig angenommen.

Das war der typische Fall einer ZdK-Äußerung, über die ich mich gerade als Laie sehr ärgern muss. Denn schließlich fühle ich mich von diesem Beschluss nicht vertreten, während der Rat als Vertreter der katholischen Laien auftritt. Da war ich dankbar für den entschiedenen Widerspruch, der aus den Reihen des Episkopats zu hören war.

Aber es geht auch anders. Nachdem in der vergangenen Woche die Iren per Volksentscheid eine Liberalisierung des Eherechts beschlossen hatten, gibt es auch hierzulande wieder eine aufgeregte Debatte über die “Homo-Ehe”. In dieser Situation hat sich nun am Dienstag ZdK-Präsident Alois Glück zu Wort gemeldet und erklärt, dass er “in der gegenwärtigen Regelung in Deutschland keine Diskriminierung der gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften sehe”. Das sind Zeilen von Herrn Glück, die ich als katholischer Laie sofort unterschreiben würde.

Ist das nicht ein Widerspruch? Einerseits eine Liberalisierung der Ehetheologie und der Liturgie fordern, andererseits aber gegen gesetzliche Änderungen eintreten?

Das passt zweifelsohne nicht zusammen. Doch auch das kann ich nachvollziehen, denn in meiner Brust schlagen in gewisser Weise auch zwei Herzen. Nur würde ich die beiden Fragen im Zweifel genau anders herum beantworten, als es das ZdK getan hat.

Als Katholik stehe ich klar auf dem Standpunkt der Bischöfe und sage, dass die Ehetheologie nicht zur Disposition steht. Die entsprechende ZdK-Forderung kann so nicht erfüllt werden und ist insofern auch ungehörig, da sie in erster Linie destruktiv auf die Debatte wirkt.

Als Staatsbürger hingegen habe ich eine politische Überzeugung, die nicht primär dem Schutz meiner Glaubensüberzeugung dient. Im Sinne des kategorischen Imperativs halte ich es für möglich, dass die Maxime der Vorzugsbehandlung der Ehe von Mann und Frau ein allgemeines Gesetz sein kann. Da stimme ich Herrn Glück zu. Aber im gleichen Sinne ist es eben auch möglich, dass die Maxime einer Gleichbehandlung aller Partnerschaften allgemeines Gesetz sein kann.

Im Endeffekt halte ich es dann mit einem anderen großen Preußen, dem Alten Fritz: Mögen doch alle nach ihrer Facon selig werden. Der Staat hat die Aufgabe, festzulegen, welche Formen der Seligkeit für die Gesellschaft in toto tolerabel sind.

Damit möchte ich nicht einer sofortigen Öffnung der Zivilehe für alles und jeden das Wort reden. Aber es ist eben nicht Aufgabe des Staates, das christliche Glaubensgut zu schützen. Vielmehr wünsche ich mir eine Gesellschaft, die von einer starken, ihrer eigenen Lehre gewissen Kirche geprägt wird. Dazu muss nicht das staatliche Recht bewahrt werden, sondern Glaube und Tradition der Kirche. Das ZdK scheint es genau anders herum anzugehen.

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Die Multiplikatoren von morgen.

Anfang dieser Woche habe ich an der Wissenschaftlichen Fachtagung „Lebendige Kirche in neuen Strukturen. Herausforderungen und Chancen.“ im Schloss Hirschberg (einem Tagungshaus der Diözese Eichstätt) in Beilngries/Altmühltal teilgenommen. Diese Tagung steht in einer Reihe kirchenrechtlicher Fachtagungen, die gemeinsam von den entsprechenden Lehrstühlen, bzw. Seminaren der Johannes-Gutenberg-Universität zu Mainz und der Julius-Maxmilians-Universität zu Würzburg alle zwei Jahre veranstaltet werden.

Die diesjährige Tagung befasste sich also mit den Strukturen der Kirche. Genauer gesagt ging es dabei um eine Analyse der verschiedenen Strukturprozesse deutscher (und auch teilweise ausländischer) Diözesen in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Möglichkeiten das Kirchenrecht bietet, solche Prozesse so durchzuführen, dass hernach auch eine Struktur herauskommt, die tragfähig ist und der Pastoral dient. Daneben wurde noch ein Fokus auf die Verbände, Ordensgemeinschaften und Geistlichen Bewegungen und deren Rolle, bzw. Funktion in dieser Situation gerichtet.

Ich kann hier nun nicht alle zehn Vorträge und Diskussionen wiederholen oder auch nur zusammenfassen. Während der Tagung hatte ich versucht, einige interessante Zitate per Twitter festzuhalten; nachzulesen hier in der Storify-Geschichte.
Stattdessen will ich ein etwas allgemeineres Fazit ziehen.

IMG_20131004_193211Das Kirchenrecht hat mich von Beginn meiner Beschäftigung mit dieser Disziplin an sehr fasziniert. Ich hatte schon immer eine gewisse Affinität zur Rechtswissenschaft; ohne dass es je zum Wunsch nach einem Studium der Rechtswissenschaften gereicht hätte. Mir liegt einfach diese sehr exakte, um genaue Begrifflichkeiten ringende Arbeit an Rechts- und Gesetzestexten. Nicht, dass ich das perfekt beherrschen würde. Ich habe schlicht Freude daran. Unter anderem begeistert es mich immer wieder, wenn man einer zunächst sehr abstrakt wirkenden Rechtsvorschrift genauer auf den Grund geht und plötzlich die enorme praktische Relevanz entdeckt, die teilweise nur wenige Wörter enthalten können.

Und so ist das eben auch im Kirchenrecht. Wenn man sich beispielsweise die grundlegende Norm zur Pfarrei im geltenden Gesetzbuch der Kirche ansieht (ich lasse hier Fachvokabular bewusst aus), kann man das recht gut nachvollziehen:

„Die Pfarrei ist eine bestimmte Gemeinschaft von Gläubigen, die in einer Teilkirche auf Dauer errichtet ist und deren Hirtensorge unter der Autorität des Diözesanbischofs einem Pfarrer als ihrem eigenen Hirten anvertraut ist.“ (c. 515 §1 CIC/1983)

In diesem einen Satz stecken eine ganze Reihe von Aussagen, die wiederum weitere Aussagen nach sich ziehen. Man betrachte beispielsweise nur einmal die Konstruktion „bestimmte Gemeinschaft von Gläubigen“. Darin steckt unter anderem die Aussage, dass eine Pfarrei nicht an ein bestimmtes Gebiet wie einen Stadtteil gebunden sein muss. Gleichwohl muss klar sein, wer alles zu dieser Pfarrei gehört. Auch die Verwendung des Begriffs der „Gemeinschaft“ hat etwas zu bedeuten, wie man sich denken kann.

Und in diesem Stil kann man nicht nur diesen Paragraphen, sondern letztlich das gesamte Pfarreienrecht lesen (und natürlich auch den Rest des Kirchenrechts). Manche Punkte bieten mehr Spielraum für Interpretationen, andere sind ziemlich eindeutig. Jedenfalls ist eines klar: Es gibt verschiedenste Möglichkeiten, wie sich die Kirche in einer Diözese strukturieren kann. Und gerade sind die meisten deutschen Bistümer kräftig dabei, diese Möglichkeiten auszutesten. Dabei sind manche erfolgreicher als andere, manche halten sich treuer an den Gesetzesbuchstaben als andere und vor allem sind manche mutiger als andere. Weiterlesen

Wir sprechen nicht mehr von Dialogprozess

Wir sprechen nicht mehr von Dialogprozess, sondern von Dekanatsentwicklung.

Frisch zurück von der Frühjahrsvollversammlung meines Dekanatsrates, will ich diesen wunderbaren Satz, der dort gefallen ist, hier kurz verbloggen.
Der Zusammenhang ist wohl offensichtlich: Es geht um den weiteren Verlauf, bzw. die Umsetzung des Dialogprozesses im Dekanat, also in den katholischen Stadtgemeinden von Würzburg. Da sind wir nun schon seit einigen Monaten dabei, die wichtigsten Themen aus den ersten Gesprächsrunden in konkrete Konzepte umzusetzen, wie wir „die Kirche“ – hier als pars pro toto für alle Aufgaben und Tätigkeiten der Kirche zu verstehen – im Dekanat, in der Stadt Würzburg voranbringen und zukunftsfähig machen können. Es geht eben nicht mehr nur darum, ständig miteinander zu reden, sondern auch darum, endlich mal etwas zu tun.

Mir gefällt das sehr, sehr gut. Weiterlesen

Reformstau auflösen jetzt!

Ich muss mich gerade mal wieder über „meinen Chef“ ärgern. Der Chef ist der Vorsitzende des Würzburger Diözesanrats und da ich sowohl Mitglied meines Pfarrgemeinderates, als auch des Dekanatsrates bin – in welchem besagter Diözesanratsvorsitzender ebenfalls Mitglied ist – kann ich ihn wohl indirekt als meinen Chef bezeichnen.

In einem Interview mit der Radioredaktion des Bistums Würzburg wurde er gefragt, was er denn machen würde, wenn er Papst wäre. Ein kleines, harmloses Gedankenspiel; eigentlich. Hier das Interview zum nachhören:

Ich habe dazu gerade bei Facebook einen Kommentar abgegeben, den ich hier mal einfüge:

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Ein Protestant erklärt den Katholizismus

Vor einigen Wochen hatte ich ein paar Minuten Zeit, die ich kurzfristig zum Stöbern in einer Buchhandlung genutzt habe. Dabei ist mir ein kleines Büchlein in die Hände gefallen, von dem ich zuvor schon einiges gehört hatte. Und bei einem Preis von ca. 6€ hab ich es einfach direkt mal mitgenommen. Es geht um “Warum werden wir nicht katholisch?” von Andreas Theurer.

Mittlerweile habe ich das Buch (oder besser: den Aufsatz) komplett gelesen und will hier ein paar Anmerkungen zu diesen “Denkanstößen eines evangelisch-lutherischen Pfarrers” (so der Untertitel) machen.

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