Die Kirche ist ein All-In-Club

„In der Ausübung des Hirtendienstes hat sich der Diözesanbischof um alle Gläubigen zu kümmern, die seiner Sorge anvertraut werden (…); er hat den apostolischen Geist auch denen zuzuwenden, die wegen ihrer Lebensumstände aus der ordentlichen Seelsorge nicht hinreichend Nutzen ziehen können, wie auch jenen, die von der religiösen Praxis abständig geworden sind.“ (c. 383 CIC/1983)

Dieser etwas sperrige Satz aus dem Kirchenrecht sagt vereinfacht gesprochen aus, dass der Bischof sich um alle Getauften seines Bistums zu sorgen hat, egal, ob sie regelmäßig in den Gottesdienst gehen und in der Pfarrei engagiert sind, oder ob sie die Kirche zuletzt vor zehn Jahren von innen gesehen haben und auch ansonsten keinen Kontakt zur Kirche haben. Der Bischof ist Hirte der gesamten Herde, nicht nur des Teils, den er regelmäßig zu Gesicht bekommt. Soweit die Theorie.

Weiterlesen

Advertisements

Marianischer Ehrentag in Würzburg

Franken ist Marienland. Das ist nun keine Neuigkeit, sagt aber dennoch viel aus über das kirchliche Leben hier in der Region. Gestern Abend konnte man diese besondere Färbung der fränkischen Frömmigkeit in Würzburg wieder eindrucksvoll erleben.

Anlässlich des Glaubensjahres wurde der Marianische Ehrentag des 13. Oktobers besonders aufwändig gefeiert. Um 18 Uhr wurden die Feierlichkeiten im Dom mit einem Rosenkranzgebet eröffnet. Anschließend feierte Bischof Friedhelm mit über 1000 Gläubigen die Heilige Messe, welche in eine Lichterprozession zur Marienkapelle auf dem Marktplatz mündete.

Zahlreiche Fahnen und Banner marianischer Vereinigungen schmückten den Chorraum des Domes
Zahlreiche Fahnen und Banner marianischer Vereinigungen schmückten den Chorraum des Domes
In seiner Predigt ging der Bischof auf die Bedeutung des 13. Oktobers als Marianischer Ehrentag ein. Insbesondere erläuterte er die geschichtliche Bedeutung dieses Datums: Am 13. Oktober 1917 erschien zum letzten Mal im portugiesischen Fatima die Muttergottes vielen Tausenden Pilgern. Schon kurze Zeit später wurde dieses Datum von der Kirche als besonderer Marientag gefeiert. Und so eben auch in Würzburg im Jahr 2013.

Einen bemerkenswerten Satz sprach Bischof Friedhelm in seiner Predigt zur aktuellen Situation in (Nord-) Afrika und Europa hinsichtlich der Flüchtlingsproblematik: „Wir können uns in Europa nicht einschließen wie in einem Geldschrank.“ Selten habe ich ein passenderes Bild für diese Situation gehört.
An diesem Festtag der Weltkirche erhalten diese Worte besonderes Gewicht. Wir können uns eben nicht nur zu frommen und prächtigen Marienfeiern mit der Welt verbinden, sondern müssen dies insbesondere auch in der Not der Menschen tun. Ein sehr wertvoller Gedanke.

Die Prozession auf dem Weg zur Marienkapelle
Die Prozession auf dem Weg zur Marienkapelle

Der Höhepunkt der Feier war sicherlich die Lichterprozession zur Marienkapelle. Im Stile der Fatima-Feiern des Fatima-Weltapostolats (welches an der Ausrichtung der Feier maßgeblich beteiligt war) sammelten sich die vielen hundert Gläubigen – ausgerüstet mit Prozessionskerzen – um die Strahlenkranzmadonna und zogen vom Dom über Kürschnerhof, Schmalzmarkt und Schustergasse zur Marienkapelle. Wenig überraschend fanden leider nicht alle Teilnehmer Platz im gotischen Gotteshaus. Nichtsdestoweniger war das Abschlusslied „O himmlische Frau Königin“ ein bewegender Moment.

Auch wenn ich in der Stadt wohne, bin ich doch relativ selten zu Gottesdienstzeiten im Dom. Die eigene Pfarrei geht schließlich vor. Das bringt aber mit sich, dass ich fast ausschließlich zu großen Festtagen „beim Bischof“ bin. Und auch wenn die die großen Feste, wie etwa die Kiliani-Wallfahrt, immer wieder großartige Erlebnisse sind, war das gestrige Fest herausragend. Franken ist eben Marienland! Und gestern konnte – wer mochte – das einmal mehr in voller Pracht erleben.

Hunderte Gläubige beim abschließenden Marienlied in der Marienkapelle
Hunderte Gläubige beim abschließenden Marienlied in der Marienkapelle

Sicher, das wird nicht jedem ebenso viel Freude bereiten. Aber gerade in unserer Gegend gibt es eben noch viele Menschen, die eine ausgeprägte marianische Frömmigkeit leben. Ich finde es schön, dass diese traditionelle Form der Volkskirche noch so lebendig ist. Es kann der Vielfalt in der Kirche nur gut tun!

P.S.: Ein wenig mehr zum gestrigen Fest kann man im Bericht der Pressestelle des Bistums nachlesen.

P.P.S.: Ich muss mich für die schlechte Bildqualität entschuldigen. Aber mit doch etwas kältesteifen Fingern gelingen Handy-Aufnahmen nicht unbedingt besser. 😉

Herzenslesung #4.

Während sich gefühlt der Rest der Republik über neuerliche Schneefälle ärgert, sitze ich hier mit einer Tasse Kaffee unter meinem Fenster und genieße die Sonne, die mir aufs Gesicht scheint. Obwohl, genießen ist nur so halb richtig; immerhin kann ich so kaum noch etwas auf meinem Bildschirm erkennen. 😉

Aber wenigstens bin ich jetzt endlich mal wieder in der Stimmung, mir ein paar Minuten Zeit zu nehmen, um ein paar Zeilen über eine sehr schöne Lesung zu schreiben, die ich neulich in der Kirche gehört habe. Eigentlich hätte ich das schon in der letzten Woche tun sollen, denn es handelt sich dabei um das Evangelium für den dritten Fastensonntag (Lesejahr C). Doch ich hab diese Stelle aus dem Lukasevangelium erst mal ein paar Tage mit mir herum getragen und immer wieder mal darüber nachgedacht, bevor mir so richtig aufgefallen ist, was das für ein großartiger Text ist. Hier erst mal der fragliche Ausschnitt:

Weiterlesen

Karwochenstimmung.

Ja, jetzt haben wir also einen vakanten Petrusstuhl. Irgendwie komisch. Es ist ja nun wirklich nicht das erste Mal (auch wenn ich zuvor erst eine Sedisvakanz erlebt habe). Aber trotzdem ist die Situation sehr, sehr ungewohnt.

Durch die Ankündigung des Rücktritts konnte man sich zwar darauf vorbereiten, aber irgendwie hat das – zumindest bei mir – nicht wirklich etwas bewirkt. Ich habe natürlich in den letzten Tagen intensiv die Geschehnisse in Rom verfolgt. Aber wirklich erfassen kann man das noch nicht, dass man Benedikt da am Donnerstagabend auf seinem Balkon in Castel Gandolfo wohl das letzte Mal gesehen hat.

Diese Stimmung erinnert mich irgendwie an die Karwoche. Nicht, dass ich einen zurückgetretenen Papst mit dem gestorbenen Herrn vergleichen möchte. Aber es ist doch ähnlich. Man wusste ja, dass diese Situation unausweichlich kommen wird. Und man weiß auch, dass es ja bald ein gutes Ende nehmen wird. Trotzdem merkt man, dass da dieser Tage etwas fehlt, dass da eine Lücke ist.

Bei der Dankmesse im Kiliansdom
Bei der Dankmesse im Kiliansdom

Und offenbar bin ich mit diesen Gefühlen nicht ganz alleine. Am Freitag hat die Pressestelle des Bischöflichen Ordinariats einen Bericht zur Dankmesse des Bischofs am Donnerstagnachmittag veröffentlicht. Darin heißt es:

Auch wenn es aus mehr als 1000 Kehlen erschallt: Das Lied „Großer Gott, wir loben dich“, klingt am Donnerstagabend, 28. Februar, im Würzburger Kiliansdom deutlich gedämpft. Zum Teil mit Tränen in den Augen, zum Teil kniend ins Gebet vertieft, sind die Gläubigen am Ende des Dankgottesdienstes sichtlich ergriffen.

Mich hat dieser Absatz, um ehrlich zu sein, etwas zum schmunzeln gebracht. Ich war am Donnerstag auch im Dom und kann daher mitreden. Es mag sein, dass man hie und da auch Tränend und kniende Beter gesehen hat. Und die Stimmung war tatsächlich nicht gerade überschwänglich. Logisch. Dass aber das Te Deum am Ende eher dürftig klang, dürfte nicht so sehr an der Stimmung gelegen haben, als vielmehr daran, dass ein großer Teil des Volkes die Strophen 1 bis 3 gesungen hatte (wie man das halt so gewohnt ist) und nicht die Strophen 1, 9 und 10, die eigentlich angezeigt wurden. Und, wie wir jetzt wissen, es klingt halt wenig euphorisch, wenn 500 Leute die zweite Strophe von “Großer Gott, wir loben dich” singen, während 500 andere Leute die neunte Strophe zum Besten geben. 😉

Ihr seht, man kann auch in einer Zeit gedämpfter Stimmung noch witzige Episoden erleben. 🙂

(Photo: (c) by Markus Hauck, POW)

Herzenslesung #3.

Das heutige Tagesevangelium – zu Allerheiligen – als eine Lieblingslesung zu bezeichnen, ist vielleicht etwas zu einfach. Immerhin handelt es sich dabei um den Anfang der Bergpredigt bei Matthäus.

Als ich aber heute in der Messe saß (oder besser: stand) und das Evangelium hörte, kam mir ein Buch in den Sinn, dass ich zu Hause im Bücherregal stehen habe. Jetzt habe ich das Buch gerade mal zur Hand genommen und ein wenig darin gelesen.

Es handelt sich dabei um den Titel “Die großen Reden der Weltgeschichte” von Martin Kaufhold, welcher im Marix Verlag in der Reihe marixwissen der Frankfurter Rundschau erschienen ist. (Die Investition von fünf Euro bei amazon lohnt sich übrigens allemal!)

In diesem Band sind gut 20 historisch bedeutsame Reden aus allen Epochen zusammengefasst und jeweils auf ein paar Seiten erläutert. Darunter finden sich einige Meisterwerke der Rhetorik, an die wohl auch die meisten Leute direkt denken, wenn sie von “großen Reden der Weltgeschichte” hören: Die “Gettysburg Address” von Abraham Lincoln, “This was their finest hour” (“Ihre beste Stunde”) von Sir Winston Churchill, “Schaut auf diese Stadt” von Ernst Reuter, “I have a dream” von Martin Luther King Jr.

Ich habe hier bewusst nur relativ neue und sehr politische Reden ausgewählt. Wer würde nämlich auf die Idee kommen, die Bergpredigt in diese Reihe zu stellen?

Weiterlesen