Das Netz schafft mich.

Während sich gefühlt der Rest der Welt in Berlin tummelt um über das Netz, die Gesellschaft und alles andere nachzudenken, sitze ich ein paar hundert Kilometer weiter im Süden und ärgere mich. Ich ärgere mich, dass ich nicht dabei sein kann; und über das Internet.

In letzter Zeit hat es dieses Netz nämlich gleich mehrfach geschafft, mich so richtig aufzuregen. Also, natürlich nicht das Netz an sich. Vielmehr zwei Unternehmen, die in diesem Netz nicht ganz unwichtig sind.

Neulich hab ich hier ja schon mal ein paar Sätze zum Ende des Google Readers geschrieben.  Ich hatte damals festgestellt, dass feedly eine nicht ganz so schlechte Alternative sei. Ist es sicher auch nicht. Trotzdem lösche ich seither viel zu viele Feeds einfach ungelesen. Während ich früher den GReader quasi ständig offen hatte und mehrmals am Tag die neuen Artikel gesichtet habe, gibt es mittlerweile Tage, an denen ich meinen Feeds quasi überhaupt keine Beachtung schenke. Mir ist die Oberfläche von feedly – vor allem bei der App – einfach zu „graphisch“.

Das andere Unternehmen ist Twitter. Dass Posterous mittlerweile offline ist, kann ich eigentlich ganz gut verschmerzen. Der Umzug zu WordPress viel mir nicht wirklich schwer. Aber allein die Tatsache, dass Twitter nach der Übernahme von Posterous über Monate hinweg kein Sterbenswort zu den Zukunftsplänen für die Plattform geäußert hat um dann unvermittelt die Abschaltung zu verkünden, ist schon ein bisschen frech.
Jetzt wird aber auch noch TweetDeck abgeschaltet. Und das regt mich richtig auf! Ich war zwar nie ein wirklicher Fan der App (allein schon, weil sie Unmengen an Daten saugt), aber im Bereich der Listenorganisation war sie für mich alternativlos ((c) by Bundesregierung). Die Webversion läuft zwar erst noch einmal weiter, aber mindestens für Smartphone und Tablet muss eine Alternative her. Und mit HootSuite kann ich mich bisher so gar nicht anfreunden. Die Suche wird also weitergehen…

Mir kommt es ein bisschen so vor, als ob Google und Twitter sich für einen wichtigen Teil ihrer Klientel überhaupt nicht zu interessieren scheinen. Sicher, die meisten Google-Nutzer haben vermutlich überhaupt keine Ahnung von der Funktionalität des Readers gehabt (Quelle: Eigene Erhebung im Bekanntenkreis). Und die Millionen Justin-Bieber-Fans auf Twitter werden sich auch nicht sonderlich dafür interessieren, dass TweetDeck abgeschaltet wird. Aber es gibt eine ganze Menge Leute, die diese Funktionalitäten nicht nur sehr schätzen, sondern sich auch darauf verlassen haben. Und gerade diese Leute sind es doch, die diesem Internet zu seinem Erfolg verhelfen. Oder sehe ich das falsch?

Advertisements

Change is never fine!

Jetzt hat Google also angekündigt, den wunderbaren Dienst Google Reader einzustellen. Was für eine Horror-Meldung!

Ich nutze den Reader seit geraumer Zeit sehr intensiv und vor allem sehr gerne. Das liegt unter anderem daran, dass ich versuche, den Konsum von Nachrichten auf Verlags- und Presseseiten im weiter herunter zu schrauben und mehr Blogs und andere private Erzeugnisse zu lesen. Sie sind einfach besser. Vielleicht nicht aus einem journalistischem Blickwinkel, aber wenigstens vom Gefühl her.

Und wenn man viele, verschiedene Blogs lesen will, ist ein vernünftiger RSS-Reader das Mittel der Wahl. Bei aktuell gut 150 Feeds in meinem Reader wäre alles andere einfach nicht praktikabel. Auch Twitter ist keine vernünftige Alternative, da erstens etliche dieser Feeds nicht über Twitter ausgeliefert werden und diese zweitens eben auch nur so lange für mich sichtbar sind, so lange ich halbwegs aktuell die entsprechende Timeline lese. Das mache ich natürlich nicht.

Insofern musste ein alternativer RSS-Reader her. Sehr zu meiner Freude hat der freundliche Herr Kohl hier eine ganze Reihe von Alternativen aufgelistet. Ich kann jetzt nicht jeden ausprobieren, also hab ich mal mit der offenkundig von einigen favorisierten Lösung feedly auseinander gesetzt.

Optisch ist das erst mal ein ganz schöner Schock. Ich habe am Google Reader vor allem seine Nüchternheit sehr geschätzt. Aber nach den ersten Stunden Benutzung kann ich feststellen, dass man sich wohl an (fast) alles gewöhnt.

Besonders wichtig war mir auch die funktionale Synchronisation zwischen Mobil-Apps und Browser-App (bzw. bei Google Reader ja eigentlich nur die Webseite). Das scheint bei feedly auch kein Problem zu sein. Die Browser-App ist ganz in Ordnung, die Smartphone-App ist mir persönlich zu bunt und optisch, aber dafür ist die Tablet-App meines Erachtens sehr gut gelungen! Der Herr Breitenbach hatte gesagt, dass die feedly-App für ihn das bessere Flipboard ist und ich will ihm da Recht geben. Man muss sich etwas zurecht finden und mit den verschiedenen Anzeigemodi spielen, aber man bekommt das schnell so hin, dass einem die Präsentation gefällt.

Das „scrollen“ durch die Beiträge ist bei feedly deutlich ungewohnt, aber sehr charmant, wie ich finde. Man hat zwar nicht den besten Überblick über die Anzahl der ungelesenen Beiträge, aber das ist auch nicht so wild.

Auch sehr wichtig für mich war die Einbindung von Pocket, weil ich oft eigentlich keine Zeit habe, meine Feeds zu lesen und dann nur schnell alles in die Pocket packe, wo es dann auch mal getrost ein paar Tage warten kann (das schöne an Pocket ist ja auch, dass die App die Artikel offline bereitstellt und man so bspw. auch in Bus und Bahn ohne Internetanbindung seinen Lesestoff hat). Das war – nachdem ich kapiert habe, wie es geht – auch überhaupt kein Problem.

Ein einziges Problem habe ich jetzt noch zu lösen: Podcasts. Als ich noch iOS genutzt habe, war die Synchronisation mittels iTunes überhaupt kein Problem. Nachdem ich aber auf Android umgestiegen bin, hab ich die Podcasts – wie man das so macht – mit Google Reader abonniert und dann mit der Google Listen App geladen. Ehrlich gesagt habe ich nun keine Ahnung, ob das auch mit feedly funktionieren wird, oder ob ich mir da was anderes suchen muss.

Wenn ich mal von dem Podcast-Problem absehe, bin ich mit feedly also durchaus zufrieden. Ich werde die nächsten Tage mal sehen, ob ich mich auch noch mit der Smartphone-App anfreunden kann. Allerdings ist ja auch noch einige Zeit bis Google tatsächlich abschaltet. Da werde ich mir vielleicht auch noch den ein oder anderen Dienst anschauen.

10, äh… 9 Dinge, die ich an Dir hasse.

Fragt mich neulich ein Freund, ob ich ihm mein Mobiltelephon empfehlen könnte. Er möchte sich jetzt auch ein Smartphone zulegen und interessiert sich für das Samsung Galaxy SII. Tja, was sollte ich da antworten?

Im Grunde ist das SII ein tolles Gerät. Die Kamera macht wirklich gute Bilder, Abmessungen und Gewicht passen, man kann den Speicher per Micro-SD erweitern, usw. Einfach ein gutes Gerät. Aber ich komme nunmal vom iPhone, wie ich in diesem Post ein wenig emotional berichtet hatte.

Und so muss ich leider sagen: Lass bloß die Finger davon! Ich mag mein neues Telephon eigentlich, aber ich würde es sicher nicht wieder kaufen. Und diese Meinung kann ich auch – höchst subjektiv – begründen (die Reihenfolge ist willkürlich):

Weiterlesen

Siebenundzwanzigeinhalb Monate.

Es ist an der Zeit, einem treuen Weggefährten lebe wohl zu sagen. Mein geliebtes iPhone 3GS darf den wohlverdienten Ruhestand antreten.

Ach, was haben wir in den vergangenen zweieinhalb Jahren nicht alles gemeinsam erlebt… Wir haben gemeinsam die Welt des mobilen Internets entdeckt. Damals, als ich mir zu meinem Geburtstag mein erstes Smartphone mit Datentarif schenkte, hatte ich ja keine Ahnung, welch unglaubliche Weiten sich mir öffnen würden. Wie stolz war ich doch damals im März, als ich nach wenigen Wochen der Eigentümerschaft meine Freunde mittels meines noch fast fabrikneuen iPhones zielsicher und komplett Reiseführerlos durch Berlin lotsen konnte? Wie blutete mir doch das Herz, als beim Reifenwechsel das teure Gerät meinen durch Handschuhschutz unförmig gewordenen Fingern entglitt und sich ein Riss auf der kunststoffenen Rückseite auftat? Wie leicht gingen mir tausende Tweets, Photos und WhatsApp-Nachrichten von der Hand? Wie müde waren wir doch immer am Morgen nach der Veröffentlichung einer neuen Version des iOS, welches sich wundersamer Weise immer aufs Neue nur mühsam herunterladen und installieren ließ?

Ja, es waren tolle siebenundzwanzigeinhalb Monate. Auf schönen Reisen hat mich mein iPhone begleitet. Wir haben gemeinsam die Republik bereist, waren in Dublin, in Rom, in Berlin gleich zwei Mal. Aber auch die kleinen Erlebnisse bleiben unvergessen: Der erste Check-In auf Foursquare, das zigfache Hören meiner Lieblingsalben, das Video von der Achterbahnfahrt auf dem Kiliani-Volksfest.

Aber leider haben all diese Erlebnisse meinem schwarzen Liebling etwas mehr zugesetzt, als mir. Der erste Riss im Backcover ist nicht lange allein geblieben. Auch ein Pflasterverband konnte den voranschreitenden Zerfall des Plastikgehäuses nicht aufhalten. Die technische Ausstattung ist leider auf dem Stand ihrer Veröffentlichung stehen geblieben. Viele Neuerungen der Software blieben aufgrund fehlender Hardware-Infrastruktur für uns ergebnislos. Wo das iPhone einstmals noch zum Sprint ansetzte, braucht es mittlerweile schon einen kleinen Schubs, um überhaupt einmal ins traben zu kommen. Und auch die akkumäßige Kondition erinnert mittlerweile eher an Ailton als an Alaba.

Mein iPhone darf sich jetzt also erst mal ein bisschen länger ausruhen. Seine bis dato letzte Tat: Es durfte die Ankunft seines Nachfolgers photographisch dokumentieren.

Img_2768