Aus Großmutters Gebetbuch.

Seit einigen Jahren habe ich immer Mal wieder aus der Verwandtschaft alte Gebet- und Gesangbücher bekommen, die irgendwo auf dem Dachboden aufgetaucht sind. So bin ich stolzer Besitzer einiger Ausgaben des „Ave Maria“ und des alten „Schotts“ geworden. Und ich freue mich auch, diese Mal in die Hand nehmen und ein wenig darin blättern zu können. Es ist schon interessant zu sehen, „in welcher Sprache“ die Generation meiner Großeltern betete.

Was mich an den Büchern aber von Anfang an fast noch mehr interessiert hatte, waren die alten Gebets- und Sterbebildchen, die noch zwischen den Seiten schlummerten. Früher gab es ja noch viel mehr Anlässe, zu denen man solche „Gotteslobbildchen“ (damals natürlich noch nicht so genannt) bekommen hat.

Ich will nicht sagen, dass ich ein Sammler wäre. Aber ein Album kann ich mit den Bildchen immerhin schon füllen. Und nachdem ich heute am Feiertag (man merkt: Würzburg ist noch katholisch) ein wenig Zeit hatte, habe ich einige Exemplare, die ich besonders bemerkenswert fand, digitalisiert. Hoffentlich freut sich der ein oder andere von euch ein wenig daran!

P.S.: Falls jemand Omas altes Gesangbuch nicht mehr braucht – bevor es im Altpapier landet, nehm‘ ich es gerne. 🙂

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Mein Adoptivkind.

Giuseppe Bertello wurde am 1. Oktober 1942 in Foglizzo bei Turin in Norditalien geboren. Nach dem Theologiestudium wurde er mit 24 Jahren zum Priester geweiht. Im Anschluss begann er eine Ausbildung an der Päpstliche Diplomatenakademie Pontificia Ecclesiastica Academia und trat in den diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls ein. Nach Stationen in verschiedenen Nuntiaturen und Missionen wurde er selbst 1987 erstmals zum Nuntius für Ghana, Togo und Benin ernannt. Im gleichen Jahr empfing er die Bischofsweihe. 1995 bis 2000 war er der Apostolische Nuntius bei den Vereinten Nationen. 2007 bis 2011 war er Apostolischer Nuntius in Italien und San Marino. Ende 2011 wurde er von Papst Benedikt zum Präsidenten der Päpstlichen Kommission für den Staat der Vatikanstadt und zum Präsidenten des Governatorats des Staats der Vatikanstadt, also zum Regierungschef des Vatikans ernannt. 2012 nahm ihn der Papst in das Kardinalskollegium auf.

Das alles weiß ich aus der Wikipedia. Und wieso erzähle ich das?

Ganz einfach. Ich habe Kardinal Bertello adoptiert. Auf dieser Seite der Jugend 2000 kann man Kardinäle “adoptieren”, die am Konklave teilnehmen werden. Das bedeutet, dass man zufällig einen der Kardinäle zugewiesen bekommt – in meinem Fall eben Bertello – für den man dann während der Zeit der Sedisvakanz (und in den drei Tagen nach der erfolgreichen Wahl) beten soll. Bis jetzt haben das schon über 260.000 Leute getan.

Ich finde das eine ganz großartige Idee. So bekommt man wirklich das Gefühl, seinen kleinen Teil zur Wahl des nächsten Papstes beizutragen. Ich hoffe auch, dass Kardinäle von dieser Aktion etwas mitbekommen, damit sie ihrerseits auch wissen, dass mit ihren Beratungen und der wichtigen Entscheidung nicht allein sind, sondern dass ständig viel tausend Menschen auf der ganzen Welt an sie denken.

Falls ihr noch keinen Kardinal adoptiert habt: Tut es bitte! Das tägliche Gebet hört sich vielleicht für den ein oder anderen etwas anstrengend an, muss es aber gar nicht sein.

Ich habe beispielsweise einfach auf meinem Smartphone einen zusätzlichen Homescreen eingerichtet, auf dem ich ein Bild des Kardinals und sein Wappen hinterlegt habe. Ich habe das Gerät ja nun wirklich ständig in der Hand und so fallen mir die Bilder mehrmals täglich – wenn auch nur flüchtig – ins Auge. So denke ich unweigerlich immer wieder an diesen Mann, der eine so wichtige Entscheidung mitzutragen hat. Tägliches Gebet heißt so für mich eben nicht, dass ich mir jeden Tag eine halbe Stunde Zeit dafür nehme und vielleicht einen Rosenkranz bete, sondern dass ich immer wieder mal einen Gedanken und ein kleines Stoßgebet für ihn übrig habe.

Screenshot Bertello
Screenshot meines Smartphones

Karwochenstimmung.

Ja, jetzt haben wir also einen vakanten Petrusstuhl. Irgendwie komisch. Es ist ja nun wirklich nicht das erste Mal (auch wenn ich zuvor erst eine Sedisvakanz erlebt habe). Aber trotzdem ist die Situation sehr, sehr ungewohnt.

Durch die Ankündigung des Rücktritts konnte man sich zwar darauf vorbereiten, aber irgendwie hat das – zumindest bei mir – nicht wirklich etwas bewirkt. Ich habe natürlich in den letzten Tagen intensiv die Geschehnisse in Rom verfolgt. Aber wirklich erfassen kann man das noch nicht, dass man Benedikt da am Donnerstagabend auf seinem Balkon in Castel Gandolfo wohl das letzte Mal gesehen hat.

Diese Stimmung erinnert mich irgendwie an die Karwoche. Nicht, dass ich einen zurückgetretenen Papst mit dem gestorbenen Herrn vergleichen möchte. Aber es ist doch ähnlich. Man wusste ja, dass diese Situation unausweichlich kommen wird. Und man weiß auch, dass es ja bald ein gutes Ende nehmen wird. Trotzdem merkt man, dass da dieser Tage etwas fehlt, dass da eine Lücke ist.

Bei der Dankmesse im Kiliansdom
Bei der Dankmesse im Kiliansdom

Und offenbar bin ich mit diesen Gefühlen nicht ganz alleine. Am Freitag hat die Pressestelle des Bischöflichen Ordinariats einen Bericht zur Dankmesse des Bischofs am Donnerstagnachmittag veröffentlicht. Darin heißt es:

Auch wenn es aus mehr als 1000 Kehlen erschallt: Das Lied „Großer Gott, wir loben dich“, klingt am Donnerstagabend, 28. Februar, im Würzburger Kiliansdom deutlich gedämpft. Zum Teil mit Tränen in den Augen, zum Teil kniend ins Gebet vertieft, sind die Gläubigen am Ende des Dankgottesdienstes sichtlich ergriffen.

Mich hat dieser Absatz, um ehrlich zu sein, etwas zum schmunzeln gebracht. Ich war am Donnerstag auch im Dom und kann daher mitreden. Es mag sein, dass man hie und da auch Tränend und kniende Beter gesehen hat. Und die Stimmung war tatsächlich nicht gerade überschwänglich. Logisch. Dass aber das Te Deum am Ende eher dürftig klang, dürfte nicht so sehr an der Stimmung gelegen haben, als vielmehr daran, dass ein großer Teil des Volkes die Strophen 1 bis 3 gesungen hatte (wie man das halt so gewohnt ist) und nicht die Strophen 1, 9 und 10, die eigentlich angezeigt wurden. Und, wie wir jetzt wissen, es klingt halt wenig euphorisch, wenn 500 Leute die zweite Strophe von “Großer Gott, wir loben dich” singen, während 500 andere Leute die neunte Strophe zum Besten geben. 😉

Ihr seht, man kann auch in einer Zeit gedämpfter Stimmung noch witzige Episoden erleben. 🙂

(Photo: (c) by Markus Hauck, POW)

Über-Menschlich.

Es hilft nichts. Wenn ich hier nicht wenigstens einen kurzen Gedanken hinterlasse, werde ich mich heute gar nicht mehr auf anderes konzentrieren können.

Ich könnte viel über Dankbarkeit, Unverständnis, Respekt, etc. schreiben. Aber für mich steht heute ein ganz anderer Gedanke im Vordergrund.

Der Rücktritt des Papstes macht auf wunderbare Weise deutlich, dass das Amt des Bischofs von Rom größer ist als der Mensch, der es ausübt. Dieser Rücktritt verdeutlicht tatsächlich die Kontinuität des Papsttums. Es ist eben keine Aneinanderreihung verschiedener Regenten, die quasi zufällig den gleichen Titel führen. Das Amt ist immerwährend und verschiedene Menschen verkörpern es für den für sie jeweils vorgesehenen Zeitabschnitt. Der Papst steht als Oberhaupt zeichenhaft für die ganze Kirche. Diese Rolle kann ein Mensch gar nicht ausfüllen, diese Rolle ist im besten Sinne des Wortes über-menschlich. Und indem der Papst sagt „ich habe meine Zeit in dieser Rolle gehabt, ein anderer soll sie nun weiterführen“, erweist er diesem Amt vielleicht den größten Dienst überhaupt.

Und wir stehen ehrfürchtig da und sind Zeugen dieser großen Tat. Danke.

„Die Erneuerung der Kirche fortsetzen.“

Die Pressestelle des Ordinariates hat jetzt auch einen Beitrag zum gestrigen Vortrag von Erzbischof Piero Marini veröffentlicht.

Interessant, wie sich die Schwerpunktsetzung von meinem Beitrag unterscheidet. 🙂

Die Lektüre lohnt jedenfalls. Ich hatte ja auch nicht allzu viel zum Inhalt des Vortrages geschrieben, so ergibt sich ein etwas kompletteres Bild.

Hier der Link: „Die Erneuerung der Kirche fortsetzen.“