Ein Stück Seligkeit.

Gestern landete eine ganz besondere Meldung der Pressestelle des Bischöflichen Ordinariates in meinem Feedreader. Es ist eine dieser Meldungen, die man zwei Mal lesen muss, um sie wirklich glauben zu können:

Das Kloster Mariannhill, welches auf dem Gebiet meiner Heimatpfarreiengemeinschaft liegt, beherbergt seit gestern zwei Reliquien des Seligen Johannes Paul pp. II. Dabei handelt es sich um einen Blutstropfen und einen Rosenkranz.

Die Reliquien [Photo: Bernhard Schweßinger (POW)]

Reliquienverehrung ist ja nun nicht jedermanns Sache. Und man muss wohl tatsächlich sehr aufpassen, dass diese besondere Form der Frömmigkeit nicht in eine Art Götzenkult umschlägt. Trotzdem sind diese Reliquien – für mich – etwas ganz Besonderes.

Ich hatte zwei Mal die Gelegenheit, den Heiligen Vater Johannes Paul “live” zu erleben. Das war im Heiligen Jahr 2000 und im darauffolgenden Jahr, jeweils um Ostern. Beide Male waren nicht gerade herausragende Ereignisse (obwohl die mittwöchliche Generalaudienz auf dem Petersplatz immer wieder beeindruckend ist). Aber jede Begegnung mit einem Papst, gerade auch mit Johannes Paul II., schafft bleibende Eindrücke und kann einen Menschen ganz tief berühren; wenn er sich darauf einlässt.

Der Heilige Vater ist nicht einfach nur Bischof von Rom, er ist mehr. Er repräsentiert die ganze Geschichte der Kirche und er repräsentiert die ganze Kirche. Im Heiligen Vater begegnet man der Kirche von zwei Jahrtausenden auf der ganzen Erde.

Und unter den Päpsten unserer Zeit war Johannes Paul sicher der herausragendste. Gerade für uns Jugendliche. Er hat es geschafft, die Jugend für den Glauben zu begeistern, ohne den Glauben unnötig zu individualisieren. Wenn wir heute Jugendliche von etwas begeistern wollen, dann ist oftmals der erste Ansatz, es auf sie und ihre Lebensumstände anzupassen. Johannes Paul hat das nicht getan. Er hat den Jugendlichen gesagt: “Seht her! Das ist der katholische Glauben, und so wie er ist, ist er gut. Er passt für jeden von euch maßgeschneidert, obwohl ihr alle Individuen seid und obwohl der Glaube für alle der gleiche ist.”

Dieses Charisma hat extrem viel bewirkt. Auch in großen Dingen, wie etwa dem Fall des Kommunismus in Mittel- und Osteuropa, an dem er großen Anteil hatte. Aber vor allem im Kleinen, nämlich im tiefsten Innern von Millionen von Menschen.

Und um dieses große Erbe, die kostbare Frucht seines Wirkens lebendig zu halten, sind auch Reliquien ein wahres Geschenk. Es mag vielleicht etwas romantisierend wirken, aber ich glaube, dass allein die Möglichkeit, einfach nur um die Ecke (und das im wahrsten Sinne des Wortes, ich wohne nur ein paar hundert Meter vom Kloster entfernt) die Präsenz dieses großen Mannes zu wissen, kann ein neuer Impuls sein. Man könnte beispielsweise regelmäßig ein besonderes Gebetstreffen für Jugendliche vor den Reliquien des Seligen einrichten, um seine Gedanken und sein Wirken lebendig zu halten. Eine großartige Vorstellung.

Seliger Johannes Paul, bitte für uns!

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