Vielleicht lernen sie noch etwas

Ich halte den Kommentar von Dorian Winter zur Situation des deutschen Parteiensystems für sehr klug. Er hat ihn, ganz offensichtlich, angesichts der jüngsten Wahlergebnisse verfasst. Unsere Parteienlandschaft sieht er in einer schwierigen und ungewissen Situation. Er macht dies an der zunehmenden Ideologiefreiheit der etablierten politischen Parteien fest.

Für besonders gelungen halte ich die Beobachtung, dass “ausgerechnet die Partei, die die Nötigkeit einer ideologischen Selbstreflexion für sich erkannt hat”, namentlich die FDP, nun erneut aus einem Parlament herausgewählt wurde. Das ist in der Tat bemerkenswert. Zumal ich selbst noch nach der Bundestagswahl dachte, dass dieser Wandlungsprozess von Erfolg gekrönt sein könnte.

Ich möchte Dorians Kommentar so stehen lassen und nicht weiter diskutieren. Vielmehr will ich ihn ergänzen.

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Das Staffelstöckchen geht um

Der überaus geschätzte Bloggerkollege Florian Kohl hat mir – nebst vier anderen geschätzten Schreibern – fünf Fragen gestellt, die ich hier gerne beantworten mag. Die Fragen hat er mir natürlich nicht einfach so gestellt. Vielmehr geht es wohl darum, nach der Beantwortung der gestellten Fragen wiederum selber Fragen an andere Blogger zu stellen. Also will ich das mal tun. Zunächst die Antworten:

1. Du kannst nur ein Social Network mit auf eine hypothetische einsame Insel mit monströser Internetanbindung mitnehmen, welches nimmste mit und warum?

Der erste Gedanke: Twitter. Nach weiteren Gedanken: Immer noch Twitter. Twitter nutze ich von allen Networks (aktiv) am längsten (seit März 2009) und vor allem am intensivsten. Möglicherweise wäre das anders gelaufen, wenn andere Dienste mobil ähnlich gut nutzbar wären; sie sind es aber eben nicht. Ein kurzer Blick in die Timeline, schnell mal ein Bild teilen, einen witzigen Spruch verbreiten… das geht per Twitter am besten.

Außerdem stehe ich per Twitter mit einem anderen Personenkreis im Kontakt. Facebook ist für mich noch immer ein Netzwerk, über das ich hauptsächlich mit Freunden und Bekannten kommuniziere, die ich auch offline regelmäßig sehe. Einen guten Teil meiner sehr geschätzten Twitter-Kontakte habe ich hingegen bisher ausschließlich online erlebt.

Und schließlich sind die ca. 940 Twitter-Accounts, denen ich folge, deutlich aktiver als meine 280 Facebook-Freunde (nicht bloß aufgrund der absoluten Zahlen), wenn es darum geht, Informationen (Links) zu verbreiten. Und das ist ja neben dem sozialen Austausch einer der wesentlichsten Punkte in sozialen Netzwerken.

2. eBook / Softcover oder Hardcover?

Schöne Frage. Da musste ich tatsächlich länger nachdenken. Und leider muss ich das folgendermaßen beantworten: Das hängt davon ab.

Zu eBooks habe ich bisher kein nennenswertes Verhältnis. In Ermangelung eines wirklichen Readers kann ich nur meine Erfahrungen mit der Kindle-App auf Smartphone und Tablet (7 Zoll) bewerten. Und die sind eher gemischt.Toll ist natürlich, dass man wenig Gewicht und Platz dafür aufwenden muss. Allerdings haben eBooks für mich generell zwei Nachteile: In Fach- und Sachbüchern will ich mir einfach und schnell Notizen und Markierungen machen können. Das ist digital meines Erachtens noch immer zu mühsam. Außerdem bin ich ein eher ungeduldiger Leser und habe gerne das haptische (und optische) Gefühl, wie viele Seiten noch vor mir, bzw. schon hinter mir liegen. Da verliert das eBook ganz klar gegen die Totholzkonkurrenz.
Softcover vs. Hardcover hängt absolut vom Buch und vom Zweck ab. Bestimmte Bücher müssen schlichtweg als Hardcover daher kommen. Komfortabler ist aber natürlich die Softcover-Version, vor allem wenn es sich um Prosa, bzw. populärwissenschaftliche Literatur handelt.

Übrigens bin ich ein großer Fan von kleinen Formaten, allen voran aus dem Hause Reclam.

3. Trainingshose ja/nein, warum?

Nein. An dieser Stelle bin ich mir fast mit Karl Lagerfeld einig. Allerdings halte ich es durchaus – da stimme ich dem Flo gerne zu – für legitim, sich in den eigenen vier Wänden auch in Jogginghose zu bewegen. Aber auch nur dort. Ein unangemessener Kleidungsstil – und Jogginghosen sind in der Öffentlichkeit unangemessen, wenn man von Sportveranstaltungen absieht – ist für mich meist auch ein Zeichen mangelnden Respekts. Zumindest empfinde ich es so. Daher lautet meine Devise: Lieber Overdressed, als unangenehm aufzufallen. Übrigens: Viel mehr Menschen sollten den #tiesday begehen!

4. Hamburg, Berlin oder Castrop Rauxel?

“In Städten mit Häfen haben die Menschen noch Hoffnung”, zitiert Marcus Wiebusch seinen Freund Bernd Begemann vor dem Titel “Landungsbrücken raus” auf dem 2010 veröffentlichten Live-Album “Fliegende Bauten”. Und immer, wenn ich an einem Hafen stehe, muss ich an diesen Spruch denken. Tatsächlich fand ich Hamburg bei meinen bisherigen Besuchen immer sehr schön. Auch, weil es eine sehr nordeuropäische Stadt ist und Nordeuropa sowieso immer gewinnt. Aber ich war auch schon zu lange nicht mehr dort, um mich wirklich daran zu erinnern, wie sich diese Stadt anfühlt.

Zu unserer Bundeshauptstadt pflege ich eine ausgeprägte Hassliebe. Da ist einerseits das weltstädtische Element, der Metropolencharakter einer Hauptstadt von internationaler Bedeutung, der mir natürlich viel Respekt abverlangt. Andererseits stört mich an Berlin wohl genau das, was andere so spannend finden. Ich mag es nicht, wenn es unordentlich, unorganisiert, schmuddelig und irgendwie abweisend ist. Und Berlin ist alles das. Ich komme mit der Stadt zurecht, aber mehr auch nicht.

Castrop-Rauxel ist mir bis dato noch unbekannt. Ich finde die Städte in der Region, die ich gesehen habe, alle nicht unbedingt hübsch (obgleich ich ein großer Fan von alten Industrieanlagen bin). Einen besonderen Reiz hat die Region aber dennoch. Man ist eben binnen kürzester Zeit von einer Großstadt zur nächsten gereist. Bestimmt kein schlechter Ort, um viel zu erleben.

Ich werde also wohl schweren Herzens Hamburg sagen müssen. Schweren Herzens, weil es dann doch ziemlich weit von meiner fränkischen Heimat entfernt ist. Um nochmals kettcar zu zitieren: “Home is nun mal where your heart ist.”

5. Lieblingsheißgetränk?

Es ist mir fast egal, so lange es sich um eine Zubereitungsmethode von Kaffee handelt. Da gibt es aber eine klare Hierarchie für mich. Ganz unten steht all das, was aus Automaten kommt, die per Knopfdruck zu bedienen sind. Ich habe noch nie einen Kaffee aus einem dieser One-Touch-Automaten getrunken, der es mit einem gut gemachten Filterkaffee ernsthaft aufnehmen könnte.

Kaffee aus Siebträgermaschinen ist meist auch nicht so ganz meins, da nicht jeder die Kunst der Bedienung solcher Maschinen beherrscht und die Resultate daher meist eher mittelmäßig sind.

Ganz oben steht klassischer Filterkaffee. Es mag sein, dass es an der Urlaubssituation liegt, aber ich habe übrigens schon mehrfach festgestellt, dass Filterkaffee im Ausland deutlich besser schmeckt. Beispielsweise in Skandinavien habe ich noch nie so eine fiese Brühe getrunken, wie man sie hierzulande an jeder Ecke beim Bäcker bekommt.

Noch besser, aber leider mit deutlich mehr Aufwand verbunden und daher nur bedingt alltagstauglich, sind die Frenchpress und die Bialetti. Gerne darf es auch mal eine Tasse Mokka sein, dann aber wirklich nur vom Fachmann zubereitet.

So. Dann habe ich ausführlich geantwortet und komme nun zu den Fragen. Diese haben, wie wohl leicht festzustellen ist, einen thematischen Bezug zu den – hoffentlich – Antwortenden.

1.: Offline-Predigt in der Gemeinde oder Online-Verkündigung im Netz?
2.: Blog vs. Twitter vs. Facebook vs. … (vs. Offline): Wo hältst Du Deine “Areopagrede”?
3.: Auf einen Kaffee mit Nadia Bolz-Weber oder auf eine Mate mit Papst Franziskus?
4.: Ein Positivbeispiel für Kirche im Netz, das unbedingt mehr Beachtung finden sollte?
5.: Für welche Idee für die Kirche im Netz wolltest Du schon immer ein paar Mitstreiter gewinnen?

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sandra, Heiko, Andrea, Maria und Dorian ein paar Zeilen für meine Fragen übrig hätten. 🙂

Aus der Zeit gefallen.

tl;dr: Die Gesellschaft ist pluralisiert und individualisiert, also muss sich auch der Medienkonsum individualisieren. Wenn sich die Medienschaffenden gut anstellen, springt sogar was für sie dabei raus.

„Und woher nehmen Sie die Zeit für Ihre ganzen Internetaktivitäten?“ – „Ganz einfach: Ich sehe nicht mehr fern.“ So, oder so ähnlich (den genauen Wortlaut weiß ich beim besten Willen nicht mehr), hat sich im März anlässlich einer Podiumsdiskussion ein Dialog zwischen einem Podiumsdiskutanten und einer Zuhörerin im Publikum zugetragen. Der Diskutant war der geschätzte Herr von Halem. Er hatte zuvor während der Diskussion seinen Medienkonsum dargelegt und dabei erklärt, dass er mittlerweile hauptsächlich digitale Medien nutzt und speziell das Internet als Ort und Quelle für seine Informationsgewinnung und Vernetzung ist. (Wer sich für die Podiumsdiskussion interessiert: Hier entlang.)

Diese Begebenheit ist mir diese Tage über einige Denkumwege mal wieder in den Sinn gekommen. Mir geht es nämlich mittlerweile sehr ähnlich. Ich muss zwar gestehen, dass ich nach Monaten fast kompletter Abstinenz mittlerweile wieder ein Fernsehgerät aufgebaut und angeschlossen habe, aber trotzdem ist die Kiste in der Zwischenzeit (ca. zwei Wochen) noch nicht gelaufen. Ebenfalls habe ich seit nicht allzu langer Zeit auch wieder ein Radio an meiner Hi-Fi-Anlage angeschlossen und ein paar Sender programmiert, aber wirklich oft läuft das auch nicht. Den täglichen Blick in den Lokalteil der Zeitung “gönne” ich mir auch nur noch alle paar Tage; und auch nur, wenn ich wirklich gar nichts besseres zu tun habe.

Kurz: Mein Medienkonsum hat sich in den letzten Monaten sehr stark individualisiert. Weiterlesen

Richtig. Gut.

Leute, es ist ja kein Geheimnis, dass ich den Podcast schweinfurt und so nicht nur sehr gerne höre, sondern euch auch grundsätzlich und überhaupt wärmstens empfehle. Und zwar nicht nur, weil die Jungs verrückt genug waren, mich auch hinter ihr Mikrofon zu lassen.

Jetzt haben die freundlichen Herren Kohl und von Halem aber eine Ausgabe ihres Internetregionalradios zum zeitsouveränen Nachhören gemacht, die es in sich hat.

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Podcasten rockt!

Kinder, war das aufregend! Ich als Interview-Gast in einer Online-Radiosendung zum zeitsouveränen Selbstnachhören. Oder so ähnlich. Jedenfalls ist sie nun da, die Folge 62 von schweinfurtundso mit mir und live aus Schweinfurt-City.

Aber von Anfang an. Vor knapp zwei Wochen fragte mich der Freundliche Herr von Halem unvermitteltst, ob ich nicht Lust hätte, nach Schweinfurt zu kommen und den tollen Podcast schweinfurtundso mit meinem umfassenden Halbwissen zu bereichern. Und natürlich hatte ich Lust (und der Hausherr nix dagegen)!

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