Jenseits des Protokolls – das Lied von Einigkeit und Recht und Freiheit

IMG_20140723_130030Schon vor einigen Jahren bin ich erstmals über dieses Video auf YouTube gestolpert (siehe unten). 86 Sekunden, bei denen ich jedes Mal wieder Gänsehaut bekomme. Es zeigt einen Ausschnitt der Plenardebatte des Deutschen Bundestages vom Abend des 9. November 1989. Jenseits aller protokollarischen Regeln stehen die Abgeordnete da völlig spontan auf und stimmen die Nationalhymne an. „Einigkeit und Recht und Freiheit“ waren die Gebote dieser Stunde. – Aus dem Archiv des Bundestages habe ich das Protokoll dieser denkwürdigen Debatte herausgesucht und hier dokumentiert. Es ist die Chronologie einer der Sternstunden unseres Bundestages.

Deutscher Bundestag

Stenographischer Bericht

174. Sitzung

Bonn, Donnerstag, den 9. November 1989

Beginn: 9.00 Uhr

Präsidentin Dr. Süssmuth: Guten Morgen, meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen!

(Bohl [CDU/CSU]: Guten Morgen, Frau Präsidentin!)

Die Sitzung ist eröffnet.
Der Abgeordnete Schily hat am 7. November 1989 auf seine Mitgliedschaft im Deutschen Bundestag verzichtet.

(Dr. Bötsch [CDU/CSU]: Wir werden ihn vermissen!)

Als seine Nachfolgerin hat Frau Abgeordnete Kottwitz die Mitgliedschaft im Deutschen Bundestag erworben, und zwar am 8. November 1989. Ich begrüße die neue Kollegin und hoffe auf gute Zusammenarbeit.

(Beifall)

Ich rufe nun den Zusatztagesordnungspunkt 4 auf:

(…)

Vizepräsident Cronenberg: So, meine Damen und Herren, damit sind wir am Ende der Aktuellen Stunde zum Thema „Schätzung der EG-Getreideernte durch die EG-Kommission“.

Ich kann nunmehr den Tagesordnungspunkt 9 aufrufen:
a) Zweite und dritte Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Verbesserung und Vereinfachung der Vereinsbesteuerung (Vereinsförderungsgesetz)
– Drucksachen 11/4176, 11/4305 –

(…)

Vizepräsident Cronenberg: Das Wort hat der Abgeordnete Spilker.

Spilker (CDU/CSU): Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Bevor ich zu meinem Thema komme, möchte ich Ihnen eine Meldung vorlesen, die ich im Moment erhalten habe. Weiterlesen

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Video

Ich bin gerade im Facebook bei Norbert Kebekus über dieses kurze Interview mit Francis S.R.E. Card. Arinze gestoßen.

Ich finde, dass er darin einige gute Gedanken formuliert, wie man den Rücktritt des Heiligen Vaters einordnen muss und was die Kirche zu erwarten hat. Besonders bemerkenswert fand ich folgenden Satz:

„If anybody is confused, the problem is on the side of that person, not on the side of the Pope.“

Recht hat er wohl. Wir dürfen darauf vertrauen, dass die Entscheidung des Heiligen Vaters wohl bedacht ist und dass er sie einzig und allein zum Wohl der Kirche getroffen hat.

Ein Hoch auf die Wissenschaftlichkeit!

Mit einem weniger heiteren Thema melde ich mich zurück aus der Weihnachtspause. Wie ja mittlerweile alle mitbekommen haben sollten, hat die DBK/VDD die Zusammenarbeit mit dem “Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen” (KFN) von Prof. Christian Pfeiffer beendet (wohlgemerkt: Die Zusammenarbeit mit Pfeiffer beendet, nicht das Projekt abgebrochen, wie man aktuell überall lesen kann. Ach, diese Medien…). Ich kann dazu nicht viel sagen, dazu habe ich schlichtweg zu wenig Sachkenntnis. Glücklicherweise habe ich auch in meinem Umfeld keinen nennenswerten Kontakt zu diesem Thema.

Als ich aber vorhin ein paar Meldungen zu dieser Geschichte überflogen habe, kam mir der Name Pfeiffers und des Instituts auffällig bekannt vor. Zugegeben, ich hatte bisher keine Ahnung, dass die Kirche dieses Institut mit der Angelegenheit betraut hatte.

Nach kurzer Überlegung wusste ich dann auch wieder, wieso mir der Name bekannt vorkam. Vor einiger Zeit hatte ich nämlich einen Beitrag eines Online-Videospielemagazins zu einem Bericht von Frontal 21 gesehen, in dem es auch um Pfeiffer und sein Institut ging. Der Beitrag zielt zwar in erster Linie auf eine Kritik an der “journalistischen” Vorgehensweise der ZDF-Redaktion ab, aber auch zum KFN werden einige Interessante Dinge erzählt.

Der relevante Ausschnitt liegt ca. zwischen 07:40 und 23:30.

Ich halte dieses Video in dem Zusammenhang gerade auch deshalb für sehr sehenswert, weil – wenn auch nur am Rande – einiges über die Wissenschaftlichkeit der Arbeit dieses Instituts zum Ausdruck kommt. Und immerhin beruft sich Pfeiffer in seiner Kritik an der Kirche ja in erster Linie auf deren angebliche Verweigerung wissenschaftlichen Standards gegenüber.

Ich weiß nicht, ob ein Wissenschaftler, der fachliche Kompetenz offenkundig nicht als notwendige Voraussetzung eines Werturteils in fachlichen Fragen erachtet, sich über den Wissenschaftsstandpunkt anderer auslassen sollte.

„Let God call, who God will call.“

Dieser weise Spruch stammt aus diesem sehr interessanten Interview.

Es handelt sich um ein einstündiges Gespräch mit Timothy Kardinal Dolan zum Thema Berufungen. Ich habe es entdeckt, als ich für diesen Beitrag über Kardinal Dolan auf Youtube unterwegs war.

An diesem Gespräch sind mir drei Punkte besonders aufgefallen:

1. Ich hatte bisher keine Ahnung, dass (zumindest in den USA) in Nordamerika das Problem der wenigen Berufungen anscheinend ähnlich groß ist, wie in unseren Breitengraden. Im Gespräch werden dafür verschiedene Gründe ins Feld geführt, beispielsweise der Vertrauensverlust in Folge der Missbrauchskrise. Das leuchtet ein. Dennoch hatte ich bisher immer das Gefühl, dass es in den USA, in denen der Katholizismus augenscheinlich doch noch einen höheren Stellenwert genießt, deutlich besser bestellt sei, als hierzulande. Offenbar ist das doch nicht der Fall.

2. Sehr bemerkenswert finde ich auch die Feststellung, dass der Mangel an Berufungen zum religiösen Leben sich natürlich auch auf alle Bereiche des religiösen Lebens bezieht. Irgendwie ist es einem natürlich klar, dass nicht nur die Priesterseminare leerer werden, sondern auch die Klöster. Dabei unterschlagen wir aber eine Form des religiösen Lebens: Die Ehe. Ich finde es sehr gut, dass Kardinal Dolan auch dieses Problem ins Feld führt. Wir müssen natürlich auch an der Stärkung der christlichen Ehe arbeiten, wenn wir die Zahl der Berufungen zumindest nicht weiter absinken lassen wollen.

3. Der Umgang mit der Problematik und die Sichtweise der Situation scheint viel positiver zu sein, als in unseren Gefilden. Kardinal Dolan spricht von einem “Frühling der Berufungen”. Er bringt als Beispiel einige Seminare und sonstige Ausbildungsstätten, die augenscheinlich aus allen Nähten platzen. Auch wenn das Problem nach wie vor sehr groß ist und man es nicht verharmlosen kann, glaubt er an einen Wandel zum Guten. Einfach aufgrund einer Stimmung, so scheint es. Und ich wage zu behaupten, dass er damit nicht alleine ist.

Die Punkte eins und drei haben vielleicht eine Kleinigkeit gemein: Das Gras im Nachbargarten ist immer grüner. Will sagen: So, wie ich immer dachte, dass dieses Problem ein vorrangig europäisches wäre, gehe ich vielleicht jetzt davon aus, dass die amerikanische Kirche eine viel positivere Sicht der Dinge hätte. Möglicherweise ist das gar nicht der Fall.

Aber sicher ist, dass wenigstens Kardinal Dolan und sein Interviewer Father Benedict mit einer sehr positiven Einstellung auf dieses gewichtige Problem zugehen. Und das imponiert mir.